Gedanken und Überlegungen zu einem runden Geburtstag

Die nachfolgenden knapp 650 Worte habe ich schon einige Zeit vor dem Ereignis geschrieben, kam aber erst mal nicht dazu, den Beitrag fertig zu stellen, denn Inge musste für dieses Jahr zum 3. Mal ins Krankenhaus, ihr ging es wirklich saumäßig. Direkter Auslöser waren Schmerzmittel mit Opiaten, welche sie wohl im Übermaß sich eingeschmissen hat.

Ihren Krankenhausaufenthalt werde ich noch gesondert schriftlich und gedanklich im FIWUS verarbeiten, denn DIES ist nun mal irgendwie mein Tag, der aber doch, wie schon viele vor ihm, mal wieder echt in die Hose gegangen ist. Trotzdem danke ich allen, die mir schriftlich gratuliert haben. Und ich sollte noch so ‘nebenbei’ erwähnen, dass ja Inge am gleichen Tag Geburtstag hatte, diesen aber  im Krankenhaus ‘feiern’ musste, was nicht wirklich zu ihrer Genesung beigetragen hat, aber dazu ist wohl ein gesonderter Beitrag fällig.

 

Am 7. November war es so weit mit meinem 70. Geburtstag und doch kann ich mich nicht entschließen, ob ich mich freuen soll oder den Gedanken verfluchen und darauf schimpfen soll. Meine eigene Mutter hat diesen Geburtstag gar nicht erst erreicht. Und selbst mein ungeliebter Stiefvater anscheinend auch nicht, aber sein Ableben ist mir nur bekannt, weil ich es irgendwann erfahren habe, als er aber sich schon die Radieschen von unten angeschaut hat. Wie alt er zu diesem Zeitpunkt war, ist mir bis heute nicht bekannt.

Die Geburtstage meiner Halbgeschwister sind mir wohl bekannt, da sie halt nach mir auf die Welt kamen, aber mit geschwisterlichen Gefühlen ist dass so eine Sache. Sie selbst aber und auch ich haben es uns über lange Jahre nicht eben leicht gemacht, positive Gefühle füreinander zu entwickeln. Wir könnten auch auf unterschiedlichen Planeten geboren sein. Nur eines haben wir unter einander gemeinsam; wir können uns nicht besonders gut leiden, denn der Drang, uns gegenseitig zu überbieten im Besitzstandsdenken, hat uns immer wieder angetrieben bis zu dem Zeitpunkt, da ich selbst mal wieder für mich erkannte, dass dieser sogenannte Wettlauf sowieso niemals zu gewinnen ist. Niemand von uns nimmt auch nur den kleinsten Besitz mit ins sogenannte Jenseits, an dass ich aber gar nicht glaube. An das Ammenmärchen vom Paradies oder der Hölle ist nur irgendwelchen Gehirnen entsprungen, welche so gerne Kontrolle über andere Menschen ausüben wollen, also grob gesagt: irgend welchen Arschlöchern.

In den ersten 20 Jahren habe ich selbst so manche Hölle durchlebt, bis ich mein eigenes Denken revidiert habe. Erst als ich wirklich anfing, über Zukunft nach zu denken, konnte ich mein Leben neu gestalten, aber in den 5 Jahren vorher (von 1965 bis 1970) habe ich mehr als kräftig Scheiße gebaut und auch in dieser Zeit schon habe ich Erfahrungen gesammelt und auch so einiges gelernt, was mir die nächsten 30 Jahre von enormen Nutzen war. Die Zeit von 1965 bis 1970 hat mir auch eine intellektuelle Härte gebracht, welche mir dann später in unterschiedlichsten Situationen zugute kam, besonders beruflich.

Intelligenz ist mir angeboren und wurde mir immer auch vorgehalten als sogenannte Antriebskraft, nur manchmal ging mir halt das Benzin aus. Aber bin ich kein Automobil, denn dies habe ich eigentlich in frühester Kindheit und Jugend gelernt; sein Automobil muss der Deutsche hätscheln und pflegen und ich … war nun mal kein Auto und so spüre ich die Beulen und Kratzer im Blech auch heute noch. Vielleicht war ich auch deshalb in meinen beschissenen Jugendzeit ein so guter Autodieb und … es ging mir nicht um den Besitz. Nur das Fahren machte echt Spaß. Was ich aber nie verstehen konnte, war die Tatsache, dass diese Karren auch heute noch einen Großteil der Menschheit in den Bann schlägt. Ein Ding auf vier Rädern, welches einem von A nach B und C etc. bringt, aber auch als Tötungsmittel dient, wenn es z.B. falsch gehandhabt wird. Meine beiden Brüder haben übrigens Benzin im Blut und der Ältere von beiden hat hat Jahrzehnte mit Schmieröl und Kraftstoff den engsten Kontakt gehabt.

Mein eigenes Denken und Handeln entsprang fast immer meinem Fühlen, sehen und träumen und auch der Umsetzung dieses Treibstoffs in Handwerkliches. Ich musste quasi bei Film und Fernsehen landen. Wenn Illusion konkret wird, schafft sie besondere Wirklichkeiten, genau wie Worte neue Bilder erzeugen können.

Eine zweite Leidenschaft kam erst ziemlich spät auf mich zu. Seit 1983 bin ich in den Computer verknallt, der dann zu einem späteren Zeitpunkt (ab 1992) mein neues berufliches Standbein wurde und diese Zeilen konnten nur einstehen, weil der Umgang mit Hard- und Software auch heute noch niemals Langeweile erzeugt. Nur über eines bin ich nicht immer glücklich und dies ist mein Bildungsniveau, aber daran bin ich auch selbst schuld, denn ich bin auch so manches Mal stinkend faul. Vieles flog mir vom Verstand her zu, aber besonders in meinen jungen Jahren konnte ich dies alles noch nicht einordnen und war auch nicht in der Lage, zu dieser Zeit einen Durchhaltewillen zu entwickeln. Dies kam erst später, nach meiner schulischen Lernphase. Leben ist nun mal niemals perfekt.

Heute, am 3. Tag nach meinem 70. Geburtstag – ich bin so um halb 5 aufgewacht – schreibe ich also weiter und nur die Tatsache, dass ich immer noch im Adlersuchsystem (drüber schweben und runterstürzen) tippe, bremst mich bei der Fertigstellung aus. Hinzu kommt dabei auch, dass die Gedanken schon immer schneller sind als meine Finger, aber einen Trost habe ich; ich muss ja nicht unbedingt zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein, ich habe ja Zeit. Ein Hoch auf den gesellschaftlichen Stinkefinger.

Rund drei Wochen nach Beginn der Sondierungsgespräche über eine Jamaika-Koalition sinkt laut dem ARD-„Deutschlandtrend“ unter den Wählern die Zustimmung zu einem solchen Bündnis. Eine Koalition von CDU, CSU, Grünen und FDP finden 45 Prozent der Deutschen sehr gut oder gut, wie die ARD am Donnerstag auf ihrer Website über die Umfrage berichtete. Das sind demnach zwölf Prozentpunkte weniger als im Oktober.

 

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Inzwischen wird ja die Katastrophenwahl der Politik in diesem Land vom 24 September 2017 von den Betroffenen medial und politisch verarbeitet. Als es noch den “Thing” gab, musste man sich wenigstens nicht mit ‘Geheimverhandlungen’ abfinden, wie sie heute praktiziert werden. Geheim bleibt ja doch fast nichts, denn irgend einen ‘Lautsprecher’ gibt es ja immer.

Gerade zur Zeit muss ich ständig daran denken, dass ich inzwischen knapp ein Jahr hier in Calw lebe existiere und diese vergangene Zeit ist nicht gerade von Hochphasen geprägt, denn immer nur kämpfen zu müssen, kann auch den stärksten Hornochsen in die Knie zwingen. Ständig gibt es zu unterschiedlichsten Anlässen Reibereien und mir gehen diese ziemlich eindeutig mächtig auf den Keks. Von einem “Ruhestand” kann in diesem versifften Kaff keine Rede sein. Wenn hier in Calw “der große Arsch auftauchen und alles zuscheißen würde”, wäre ich nicht besonders verwundert, zumal mein Denken, Fühlen und Handeln so gar nicht mit den hier Lebenden in fast keiner Weise korrespondiert. Immer wieder vergleiche ich mein Leben hier mit meinem Leben vorher in Bayern und ich kann dazu nur sagen, dass Calw das absolut Hinterletzte ist, was ich in diesem Leben erlebt habe und dass quer durch alle Gesellschaftsschichten. Ganz besonders fällt mir zu dieser Stadt das Wort vom Potemkinschen Dorf ein. Alles nur Fassade.

Ganz besonders schwierig für meine Gefühle ist die Tatsache, dass ich hier wohl meinen sogenannten Lebensabend beschließen soll, da ich keine Chance mehr sehe, woanders noch mal Fuß zu fassen, denn die Wohnsituation in Deutschland hat sich für sogenannte Habenichtse wie Inge und mich katastrophal verschlechtert. Bezahlbare Wohnungen gibt es inzwischen in diesem Land nicht mehr, auch weil die Politik dazu keinen Finger mehr rührt und den Begriff “Deutschland geht es gut” würde ich am liebsten Angela Merkel in den Rachen zurück stopfen. Diese Aussage von ihr ist fast noch schlimmer, als der Begriff ‘alternativlos’. Solche Aussagen sind inzwischen an Blödheit nicht mehr zu überbieten und es ist für mich auf Jahre hinaus kein Silberstreif am Horizont zu erblicken, was die Politik in diesem Land angeht.

Wer jetzt behauptet, ich jammere nur rum, hat von einem relativ ‘normalen’ Leben nicht die Spur einer Ahnung. Dies hatte ich sowieso nie. Könnte fast schon ein Motto sein: “mit Vollgas in selbstverschuldete Katastrophen oder von außen auf gedrückte Scheiße”. Ich wollte nie ein Herdenschaf sein. Ein frommer Wunsch, der nur teilweise in Erfüllung ging. Andererseits kann ich aber dann doch sagen: “Es war nicht alles immer nur lustig, aber es hat sich doch im großen und Ganzen gelohnt – dieses Leben”. Und es geht trotz allem Negativen immer noch weiter, weil ich einfach nicht aufgebe, denn im FIWUS habe ich immerhin die erste viertel Million erreicht.

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AlterKnacker

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Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

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