Gefunden im Internet: Als Gott wieder mal die Schnauze voll hatte…

Gefunden hier, in den Kommentaren: https://www.mein-grundeinkommen.de/news/Ch2mczYs12gC8AGSS24Ye

 

ARCHE NOAH

Nach vielen Jahren sah Gott wieder einmal auf die Erde. Und er sah, dass die Menschen verdorben und gewalttätig waren. Da seufzte er und beschloss, sie zu vernichten, genauso, wie er es schon einmal getan hatte.
Und so sprach Gott zu Noah: „Noah, bau mir noch einmal eine Arche aus Zedernholz, 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch. Ich will eine zweite Sintflut über die Erde bringen. Die Menschen haben nichts dazu gelernt! Du aber gehe mit deiner Frau, mit deinen Söhnen und deren Frauen in die Arche und nimm von allen Tieren zwei mit, je ein Männchen und ein Weibchen. In sechs Monaten werde ich den Großen Regen schicken.“
Noah stöhnte. Musste das denn wirklich sein? Und wieder 40 Tage Regen und 150 Tage auf dem Wasser? Aber Noah war gehorsam und versprach, alles genau so zu tun, wie Gott es ihm aufgetragen hatte.
Nach sechs Monaten zogen dunkle Wolken auf, und es begann zu regnen. Noah saß in seinem Vorgarten und weinte – denn da war keine Arche. „Noah“, rief der Herr, „Noah, wo ist die Arche?“ Noah blickte zum Himmel und sprach: „Herr, sei mir gnädig!“ Aber Gott fragte abermals: „Wo ist die Arche, Noah??“
Da trocknete Noah seine Tränen und rief: „Herr, weißt Du, was Du da von mir verlangt hast?
Als Erstes beantragte ich beim zuständigen Amt eine Baugenehmigung. Die dachten zuerst, ich wolle einen extravaganten Schafstall bauen. Sie kamen mit der ausgefallenen Bauform nicht zurecht, denn an einen Schiffbau wollten sie nicht glauben. Auch Deine Maßangaben stifteten Verwirrung, weil niemand mehr weiß, wie lang eine Elle ist. Also musste mein Architekt einen neuen Plan entwerfen. Dann wurde die Baugenehmigung abgelehnt, weil eine Werft in einem Wohngebiet planungsrechtlich unzulässig sei.
Nachdem ich endlich ein passendes Gewerbegrundstück gefunden hatte, gab es erst recht Probleme. Im Moment z. B. geht es um die Frage, ob die Arche feuerhemmende Türen, eine Sprinkleranlage und einen Löschwassertank benötige. Auf meinen Einwand, ich hätte im Ernstfall rundherum genug Löschwasser, glaubten die Beamten, ich wollte mich über sie lustig machen. Ich erklärte ihnen, das Wasser käme noch in großen Mengen, und zwar viel
mehr, als ich zum Löschen benötigen würde. Das brachte mir den Besuch eines Arztes vom psychiatrischen Dienst ein. Dieser wollte von mir wissen, was ein Schiffbau auf dem Trockenen solle, fernab von jedem Gewässer.
Die Stadtregierung teilte mir schließlich telefonisch mit, ich könne ja gern ein Schiff bauen, müsse aber selbst zusehen, wie es zum Meere käme. Dann rief mich noch ein anderer Beamter dieser Behörde an, der mir erklärte, sie seien inzwischen ein kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen und darum wolle er mich darauf hinweisen, dass ich – wenn ich die Arche in Deutschland baue – bei der EU eine Werftbeihilfe beantragen könnte; allerdings müsste der Antrag achtfach in den drei Amtssprachen eingereicht werden.
Inzwischen ist beim Verwaltungsgericht ein vorläufiges Rechtsschutzverfahren meines Nachbarn anhängig. Der betreibt einen Großhandel für Tierfutter. Er hält mein Vorhaben für einen großen Werbegag – mein Schiffbau sei nur darauf angelegt, ihm Kunden abspenstig zu machen. Ich habe ihm schon zwei Mal erklärt, dass ich gar nichts verkaufen wolle. Er hört mir aber nicht zu und das Verwaltungsgericht hat offenbar auch unendlich viel Zeit.
Die Suche nach dem Zedernholz habe ich eingestellt. Libanesische Zedern stehen unter Schutz und dürfen nicht mehr eingeführt werden. Als ich deshalb hier im Wald Bauholz beschaffen wollte, wurde mir das Fällen von Bäumen – unter Hinweis auf das Walderhaltungsgesetz – verweigert. Dies schädige den Naturhaushalt und das Klima.
Außerdem solle ich erst eine Ersatzaufforstung nachweisen. Mein Einwand, in Kürze werde es gar keine Natur mehr geben und das Pflanzen von Bäumen an anderer Stelle sei deshalb völlig sinnlos, brachte mir den zweiten Besuch des Arztes vom psychiatrischen Dienst ein.
Die angeheuerten Zimmerleute versprachen mir schließlich, für das notwendige Holz selbst zu sorgen. Dann wählten sie aber erst einmal einen Betriebsrat. Der wollte mit mir vorab einen Tarifvertrag aushandeln für den „Holzschiffbau auf dem flachen Lande ohne Wasserkontakt“. Weil wir uns nicht einig wurden, kam es zu einer Urabstimmung und zum Streik. – Herr, weißt Du eigentlich, was Handwerker heute verlangen?
Weil die Zeit drängte, fing ich schon einmal an, Tiere einzusammeln. Am Anfang ging das noch ganz gut, vor allem die beiden Waldameisen sind noch immer wohlauf. Aber seit ich zwei Tiger und zwei Schafe von der Notwendigkeit ihres gemeinsamen, friedlichen Aufenthaltes bei mir überzeugt habe, meldete sich der örtliche Tierschutzverein und rügte die artwidrige Haltung. Und mein Nachbar klagt auch schon wieder, weil er die Eröffnung eines Zoos für geschäftsschädigend hält.
Herr, wusstest Du, dass ich nach dem Europäischen Tierschutz-Transport-Übereinkommen eine weitere Genehmigung brauche? Ich bin schon auf Seite 22 des Formulars und grüble im Moment darüber, was ich als Transportziel angeben soll.
Und wusstest Du, dass z.B. Geweih tragende Tiere während der Brunftzeit überhaupt nicht transportiert werden dürfen? Und die Hirsche sind ständig am Schnackseln und auch der Elch und der Stier denken an nichts anderes! Herr, wusstest Du, dass ich die 43 Vorschriften der Binnenmarkt-Tierschutzverordnung beim Transport der Kaninchen strikt beachten muss?
Mein Rechtsanwalt prüft gerade, ob diese Vorschriften auch für Hasen gelten.
Oh, und ein Umweltschützer von Greenpeace erklärte mir, dass ich den Stallmist nicht im Wasser entsorgen darf.
Vor zwei Wochen hat sich das Oberkommando der Nato bei mir gemeldet und von mir eine Karte der künftig überfluteten Gebiete erbeten. Ich habe ihnen einen blau angemalten Globus geschickt.
Und vor zehn Tagen erschien die Steuerfahndung bei mir; die haben den Verdacht, ich bereite meine Steuerflucht vor.
Ich komme so nicht weiter, Herr, ich bin verzweifelt!
Soll ich nicht doch meinen Rechtsanwalt mit auf die Arche nehmen?“
Und Noah begann wieder zu schluchzen.
Da plötzlich hörte der Regen auf. Der Himmel lichtete sich und die Sonne begann wieder zu scheinen. Und am Horizont zeigte sich ein wunderschöner Regenbogen.
Noah blickte verwundert auf und lächelte. „Herr, nun willst Du die Erde also doch nicht zerstören?“
Da sprach der Herr: „Noah, das ist nicht mehr nötig — mit ihrem Staatswesen straft sich die Menschheit schon genug!“

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