Die Ökonomie einer Absage

Inge wird am Freitag, den 14.07.2017 aus dem Krankenhaus in Karlsruhe entlassen und 2 Tage vor diesem Termin passiert dann so etwas:

Hi Jonny

Hilf Dir selber, dann hilft Dir Gott – sozusagen, oder auch nicht.

Die Diakonie können wir ganz schnell vergessen, Sie haben die Auskunft gegeben, dass ihre Kapazitäten erschöpft sind. Sie werden nicht für mich tätig werden,auch nicht für die Wundversorgung.

Es ist eine bodenlose Frechheit – nur dieses Argument ist schlecht zu widerlegen.

So sieht es also aus.

Gruß von Inge

Diese Mail erhielt ich heute um 13:25 Uhr.

Die Zeit vom 3.05.2017 bis zum 14.07.2017 hat Inge aus dem Krankenhaus im FIWUS veröffentlicht.

Natürlich kommt dieser sogenannte Kapazitätsengpass als Argument wie gerufen, zumal die Herrschaften der Diakonie hier in Calw ja eigentlich noch ein Hühnchen mit Inge zu rupfen haben, denn Inge hat nun mal auch ihren eigenen Kopf und den konnte auch die Strahlen- und Chemotherapie nicht beschädigen.

Schon als sich Inge, gerade von ihrem Mann im September 2016 verlassen, auch an diesen Verein wandte, sollte sie ihr restliches Leben und natürlich auch ihr Geld, welches sie durch die Grundsicherung im Alter erhält, in die Hände der Diakonie begeben, nur ein sogenanntes Taschengeld wäre ihr noch geblieben. Doch sie hatte inzwischen eine Vereinbarung für eine private Pflegehilfe bei einer Privatperson abgeschlossen. Dass diese sogenannte Privatpflege dann total den Bach runter ging, kann man hier nachlesen.

Hier noch eine Anmerkung zu ihrem Aufenthalt in Bad Teinach, auch heute per Mail bekommen:

Hi Jonny

Was Du geschrieben hast, ist okay. Mir ist auch so Einiges aufgestoßen, als ich es gelesen habe.

Zur Pflege in Bad Teinach, die nicht überprüft wurde, sagt die Besatzung hier: „Das war Misshandlung. Die paar Wohltaten, die getätigt wurden können nicht darüber hinweg täuschen.“ Und: „Warum hat niemand reagiert?“

 

Das frage ich mich bis heute.

 

Wir haben hier nun wieder eine Frau aus dem Pflegeheim. Ich sitze hier zunehmend entsetzt – denn trotz einiger Vorkommnisse findet sie das Heim ganz okay. Hier ist sie wie gehirnamputiert, und dementsprechend dreckig geht es ihr nun mit der Behandlung – auch Chemo und Strahlen.

Vorher war schon eine da, auch Pflegeheim, auch gehirnamputiert,- die war jünger und fitter, also kann es nicht am Alter liegen. Was tun die den Alten an, bzw.ins Essen?

Diese letzte Frage aus der Mail muss ich wohl erst noch recherchieren.

Pflege in Deutschland ist inzwischen total Durch-Ökonomisiert und hat so gar nichts mit den Werbeversprechen der bunten Prospekte der Pflegeindustrie zu tun, denn die Zwangspflegeversicherung spült Milliarden in die Kassen dieser ökonomischen Chimäre und diese Beträge lassen die Geldgeilheit quasi Amok laufen und ich persönlich möchte nicht wissen (oder eigentlich doch), wer sich hier in Wirklichkeit gesund ‘stößt’. Die Riester-Rente hat es den Herrschaften ja schon mal ‘vormachen’ können. Hinzu kommen übrigens auch die andauernden sogenannten ‘Reförmchen’, welche aus der Politik in Berlin angestoßen werden und das Endergebnis selbst mit dem Hubble-Teleskop nicht zu finden sein wird.

Dass, was hier mit Inge heutzutage passiert, wird in allernächster Zukunft auf viele Betroffene einstürzen, denn auch die sogenannten kleinen Beträge, welche ja auch zumeist der Staat tragen muss, läppert sich zu einem gigantischen Batzen. Nur kommt dies alles nicht den Betroffenen, also Kunden (Patienten) und Pflegekräften zu Gute, denn gerade diese Kräfte werden mit einem echten Hungerlohn ab gespeist und … dies schon seit Jahrzehnten. Der sogenannte “Heilige Franz von Assisi” rotiert schon sehr lange in seinem Grab und wenn es wirklich so was wie einen ‘Gott’ gibt, kann ich ihm nur vorhalten, dass er eine ganz miese PR am Laufen hat. Gottes Lohn reicht nicht zum Leben und noch weniger zum Sterben.

 

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AlterKnacker

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Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.