Streitthemen auf der Krebsstation

Im Moment haben wir sogenannte Gäste hier. Das bedeutet, dass diese Damen am Wochenende zu Hause sind, an den Werktagen aber hier, zur Behandlung.

Es waren Raucherinnen – die eine davon aber sehr ernährungs- und kalorienbewusst. Die andere etwas füllig, und mehr genussbetont. Sie bereut allerdings am wenigsten, besonders, seit sie die Folgen der Behandlungen zu spüren bekommt, wie ich auch: Übelkeit, Geschmacksverlust. “Ich kann sagen, dass ich nicht viel ausgelassen habe – von – Vielem gekostet. Ja, und es war schön, und ich bereue nichts.”

Die andere Frau ist immer noch sehr bedacht auf alles – hält sich an alle Regeln, zählt Kalorien, denn “es gibt ja nichts Anderes…”

Eine Frau die zuvor hier war – Lungenkrebs – de auch “alles richtig gemacht hatte, in deren Familie und Verwandtschaft kein einziger Raucher gewesen war, brach die Behandlung ab. “Ihr lügt doch nur”, verkündete sie den Ärzten. Sie fügte hinzu:

Das sinnlose Verstümmeln (Operation), Verbrennen (Bestrahlung) und Vergiften (Chemo-

„Therapie“), das zynisch als „Medizin“ ausgegeben wird, ist legalisierte Folter und legali-

sierter Mord unter dem Deckmantel der „Wissenschaft“ zur Sicherung und Maximierung

der Milliarden-Profite der mächtigen Pharma-Industrie, und einer ganzen Krebs-Industrie die an allem gigantisch verdient. Gerätehrsteller, Zubehörlieferanten viele mehr – die Kliniken, die Ärzte, es ist Wahnsinn der an uns ausgelassen und nicht hinterfragt wird. Die Ärzte heute haben kein Wissen mehr drauf, abgesehen von dem, was sie als Standards anwenden. Und ich mache den Mist nicht mit.”

Wegen Alternativen schüttelte sie den Kopf. “Nein, da sind mir bisher auch zu viele Beutelschneider dabei – zu viele Unsicherheiten. Allerdings staune ich, wie viele Erkenntnisse, die offiziell und sogar in der Presse verteufelt werden, wenn Krebskranke sie anwenden wollen, hier still und leise angewendet, oder unterstützt werden.”

Es wird nicht nur bei und zwischen den Patienten/innen diskutiert, sondern zwischen den Schwestern und mit ihnen. Viele Patientinnen haben nicht den Mut, manche aber schon, und werden mit offenen Aussagen konfrontiert. Viele der Schwestern sind nicht überzeugt von den Behandlungsmethoden, aber da es allgemein Fortschritte gibt, wenn auch nur langsam oft, und die kranken Menschen Pflege brauchen, sehen sie darin ihre Aufgabe. Bei den Angaben zu den Ursachen für Krebs sind sie nicht einig mit den offiziellen Begründungen. Wenn der Chefarzt die Patienten mit betroffenem Gesicht, besorgt aufgerissenen Augen und düsterem Lamento die Patientinnen und Patienten anfleht, sie sollen sich gesund ernähren, nicht rauchen, usw., dann stehen die begleitenden Pflegerinnen und Pfleger leise lächelnd dahinter mit etwas Ironie im Blick. Viele von ihnen rauchen selber, und trotz der schlimmen Schicksale und Krankheitsbilder, die sie täglich vor Augen haben, wollen sie nicht damit aufhören.

Die Krankengymnastinnen sind alle Nichtraucherinnen und wollen alle auf das Nichtrauchen einschwören. Sie sind oft richtig fanatisch. “Nichts Genaues weiß man immer noch nicht”, sagte Schwester Lara, und aus ihrer Tasche rieselte etwas Tabak. Das passiert hier bei einigen Schwestern und Helferinnen schon mal, dass man entdeckt, dass sie das Rauchwerk in der Tasche bei sich haben.

Die Gesundheitspredigten werden milde belächelt, was nicht bedeutet, dass sich die Schwestern und Pfleger das für sie Richtige, wie sie meinen, doch heraussuchen. Aber, sie erleben hier täglich, dass es keine Garantie dafür gibt, keinen Krebs zu bekommen – oder, dass etwas davon zur Heilung sicher beitragen würde. “Jeder Mensch reagiert ganz eigen, verallgemeinern hilft da auch nicht,” sagte Schwester Sabrina. Will heißen: Was bei einem Menschen ganz toll anschlägt, kann bei einem anderen total daneben gehen.

Sie erleben beides: Jene Krebskranken, die eine Bestätigung der offiziellen Theorien wie aus dem Bilderbuch darstellen, und jene, bei denen das genaue Gegenteil der Fall ist – die Krebs haben, obwohl das nach offizieller Lesart nicht sein dürfte.

Und wenn dann die neunmalklugen immer gleichen Begründungen und Ratschläge aufgetischt werden, gibt es fetzende Gespräche. Mit den Patienten allerdings nur dann, wenn diese den Mut haben, dies selber anzusprechen. Die Achtung vor den Kranken ist sehr hoch im Allgemeinen hier – auch, wenn es Fehler und Entgleisungen geben kann.

Letztendlich entscheidet jeder Kranke für sich alleine – und die Entscheidungen werden nicht weniger, wenn die Krankheit hartnäckig ist, oder wieder kommt. Und bei manchen Schwestern weißt Du, was ein Engel sein könnte: Sie nehmen keine Hoffnung,- sie wecken sogar noch welche,- auf ein Aufleuchten des Lebensfunkens, vielleicht geschieht ein Wunder…

…und wenn nicht? “Jeder Mensch stirbt irgendwann. Was hast Du zu verlieren?” fragt Schwester Sabrina. Und sie ist der Meinung, dass jeder kranke Mensch hier es verdient hätte, seinen schweren Weg verschönt zu bekommen. “Rosen zu Lebzeiten, wie die Großmütter das sagten, und Träume leben können.”

Dazu hat unsere Gesellschaft aber keinerlei Draht.

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