Bald vorbei…

Da hat man sich gerade so eingelebt in der Krebsstation, dann wird die Entlassung begreifbarer. Nur noch ungefähr 2 bis 3 Wochen…

Auch hier gibt es Erschöpfung zusätzlich zu jener, die wegen des Kampfes gegen Krebs sowieso auftritt. Und – ja, es ist ein Kampf. Der Körper gegen den Tumor, und die Reste des Tumors gegen den Körper.

Das ergeht hier allen so, und mehr oder weniger kämpft jede Patientin mit den Folgen und den Problemen daraus. Drei Nächte nicht schlafen können, weil Oma Maria randaliert…

Stress, den keiner braucht, privat auch noch…

Heute dann der Würgereiz vom Feinsten, der Kreislauf wieder im Keller auf der Flucht. Chemo ist wieder angesagt – dieses Mal und nächste Woche, dann fertig damit – Hurra!

Ich habe über 10 Kilo abgenommen bis jetzt. – mein Hals ist voller Wunden. Diese werden zugeschmiert mit Heil- und Wundsalbe, was bewirkt, dass das Ganze noch mehr juckt. Auf normalem Wege geht die Nahrungsaufnahme nicht mehr, also Sonden Nahrung. Schlucken würde noch funktionieren, aber da alles so scheußlich schmeckt, weil die Geschmacksnerven erst einmal beeinträchtigt sind, sendet der Magen das Ganze postwendend zurück.

Das Gehör wird noch etwas mehr beeinträchtigt,- die Speicheldrüsen und Lymphdrüsen sind zum Teil abgeschossen bei der Bestrahlung, auf der rechten Kopfseite. Die rechte Körperseite ist eingeschränkt, und wird es wohl auch bleiben. Nachts kommen die Schmerzen rechts in der Flanke, im Knie, in der Hüfte. In dieser Zeit werde ich auf die Toilette begleitet, weil ich nur schwer auftreten kann, und immer der Kreislauf in Gefahr ist.

Nein, mir geht es nicht schlecht – meine Werte sind immer noch im positiven Bereich, wenn auch untere Skala – und das andere alles sind eben die Folgen der Behandlung. Wirklich schlecht geht es jenen, die direkt gegen den Tod kämpfen. Wie Gila, die keinen Kehlkopf mehr hat, und der es sehr schlecht geht – wie Gisela, die Lungenkrebs hat, hier ankam und kaum noch bei sich war. Inzwischen ergeht es ihr schon um Einiges besser.

Was hier selbstverständlich ist, das ist der Umgang mit den Schwerkranken. Keiner, der hilft und pflegt sieht sich als Bimbo, sondern als Mensch der anderen Menschen hilft, ihre Krankheit zu ertragen zu bekämpfen, Leben möglich zu machen.

Hier wird geweint, gelitten, sich gefetzt, – ja auch mal richtig herb,- sich wieder vertragen, ohne viel Brimborium, und es wird gesungen, gelacht, gefeiert, gelebt…

Einige werden demnächst wieder entlassen, ich muss immer noch bleiben – aber die Bleibezeit schrumpft, wie der Tumor. Trotzdem bin ich die Patientin mit der längsten Bleibezeit im Moment – der Schwere der Behinderungen und Erkrankung angemessen.

Aber, das Leben brodelt hier, bis zum letzten Schnaufer…

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