Oma Maria macht Randale – oder: Krebsstation ist kein Erholungstrip

Seit Oma Maria weiß, dass sie älter ist, als sie uns gesagt hatte, randaliert sie. Sie hielt sich sowieso für den ultimativen Nabel der Welt, der alles selber kann. Leider war das ein Irrtum. Sie macht zweimal am Tag in die Hose, und einmal ins Bett. Dann zieht sie alles aus und marschiert mit vollgekacktem Hintern quer durchs Zimmer an uns vorbei ins Bad…

Wir schlafen in der Nacht nicht mehr ungestört, denn Oma Maria hält ihre wütenden Monologe, knallt mit dem Brett des Nachttisches herum, schläft zwischendurch kurz im Sitzen, und dann das Gleiche von vorne. Oder sie grölt: “Wir sind alle kleine Sünderlein!” Da sie Probleme mit der Lymphe hat, ist sie ungemein dick und schwer. Ihre Beine ins Bett hieven ist ein Kraftakt für sich. Tun das die Schwestern, werden sie dafür oft beschimpft, und anschließend schubst Oma Maria ihre Beine wieder herunter vom Bett. Mit den Schwestern verhandeln, wie das Ganze angenehmer gestaltet werden könnte, – dazu hat sie keine Lust.

Sie hat noch 5 Behandlungen, darf also diese Woche nun sowieso nach Hause. Oma Maria will aber sofort nach Hause, zieht mal wieder ihre Windelhose aus und kackt ins Bett, rutscht darauf aus und landet in voller Schwere auf dem Fußboden. 4 Pflegekräfte braucht es, um sie wieder hochzuheben.

Zu Hause hat sie in ihrem eigenen Haus Versorgung. Jene Frau, die das leistet, hat meine Bewunderung.

Zwischendurch weint Oma Maria…

…darüber, was aus ihr geworden ist.

1 Kommentar

  1. Pingback: Nachtrag zu Oma Maria

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.