Kein Happy End für Oma Helga

Oma Maria und ich sind alleine zurück geblieben. Unsere sanfte und liebenswerte Oma Helga, die eigentlich am 1. Juni Geburtstag hatte, wurde von ihrer Tochter fast gewaltsam ins Heim verfrachtet.

Es gab einen sehr unschönen Auftritt dieser Tochter. Sie stürmte am Mittwochabend ins Krankenzimmer und brüllte: “Du hast einen Vogel, Mutter!” Dann raffte sie sofort deren Sachen zusammen und packte. Während dem beschimpfte sie ihre Mutter.

Diese hatte lediglich nicht ins Heim gewollt, sondern nach Hause in ihre eigene Wohnung – zu ihrer Musik und ihrer Umgebung. Aber, die Eigentumswohnung war ja von der Tochter schon verplant. Der größte Fehler, der von Oma Helga begangen wurde, war ihre Unterschrift unter das Recht zur Aufenthaltsbestimmung durch andere – also, ihre Tochter – im schweren Krankheitsfall.

Die Tochter trommelte mit ihren Fingerknöcheln auf den Kopf der alten Mutter und schrie sie an: “Hier bist Du gaga!”

Es war das Hässliche in Reinformat, was sich hier austobte. Ablehnung alles Kranken, des Alters, des Gebrechlichen – Ausbrüche purer Gier und Ablehnung. Die hässliche Deutsche aus den KZ’s der Vergangenheit war plötzlich zum Greifen nahe…

“Nehmen Sie sich einen Rechtsanwalt,” rieten wir ihr. Ob sie es schafft, sich zu wehren, ist fraglich.

Unsere Gedanken und guten Wünsche begleiteten sie, als sie am anderen Tag entlassen wurde. Zum zweiten Mal von Krebs geheilt, und dann in den Klauen von Geiern…

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