Ob man im Alter gekniffen ist, entscheidet sich auch mit der jeweiligen Familie…

Was eine gute Familie ist, entscheidet sich in schwierigen Lebenslagen. Oma Helga hatte sich eine betreute Eigentumswohnung erarbeitet und erspart. Ihre Tochter ist eine Fachkraft mit voller Anstellung im technischen Bereich und gutem Verdienst. Der Sohn lebt im Ausland genauso wohlversorgt.

Aber, die Eigentumswohnung für Oma Helga ist trotzdem perdu für sie selber. Keines der Kinder will mit den Pflegediensten herumrechten, wer für wie viel Geld etwas mehr leisten würde. Oma Helga soll in ein Pflegeheim mit Rundum-Standard, und die Eigentumswohnung soll dafür verkauft werden.

Oma Helga hatte eine Verfügung gemacht und ihren Kindern vertraut.

Der Arzt geht durch am Wochenende, und angeblich soll Oma Helga entlassen werden, in Kurzzeitpflege erst einmal – in ein Heim, versteht sich. Sie trauert, schimpft – endlich schaltet sich ihre Tochter ein, will beruhigen und klären. “Das wäre nur vorübergehend”, versucht sie zu versprechen.

Oma Helga war schon vorübergehend in dem Heim, in das sie wieder soll.  “Nein!” schreit sie. “Da gehe ich nicht hin! Dort kommt der Pfleger in der Nacht an das Bett, dreht zum Beispiel meine Bettnachbarin einfach zurecht, zieht ihr die Windel aus der Hose, und macht genauso eine neue hinein. Ohne ein Wort zu reden! Das ist unheimlich, da will ich nicht hin!”

Oma Helgas Entlassung ist vertagt, und ansonsten sieht man nur noch entsetzte Gesichter.

Oma Maria hat ein Haus und keine Verfügung zu Gunsten von Verwandten. Sie wird umhegt und versorgt.

Ihr ist es egal, wer von den Verwandten auf was von ihr spekuliert, oder nicht, das ist nicht so wichtig. Aber, sie sagt, bei ihr würde die Verwandtschaft stimmen, doch sie müssten wegen den Pflegediensten hinter her sein. Die hätten Oma Maria gerne im Heim und ihr Haus einkassiert, meint sie.

Wo nichts zu holen ist, sind Pflegedienste nur ungern zuständig. Und Oma Maria ist um Einiges schlechter drauf, als Oma Helga. Sie klaut regelmäßig meine weinroten Flauschhandtücher,- sie ist ärgerlich und beleidigt, wenn sie erwischt wird. Sie hat selber jede Menge Handtücher in allen Farben hier, aber keine weinroten…

Sie hat Darmkrebs, wird bestrahlt, hat Chemo – und Durchfälle ohne Ende. Sie will immer noch alles alleine machen, schafft es dann oft nicht. Dazu kommen noch ihre Probleme mit Lymphstau, so dass sie oft halb auf der Bettkante schläft.  Wenn das mit den Durchfällen zu heftig wird, bleibt sie manchmal unten ohne auf einer Unterlage sitzen. Trotzdem wird sie von Töchtern und Enkelin verwöhnt.

So fies Weiber untereinander auch sein können, so wunderbar können sie sein, wenn sie sich mögen. Beim Clan der Oma Maria mischt kein Mann mehr mit – alle Töchter geschieden, und nichts Neues mehr in Sicht. Sie finden, es sei besser so. Alle wirken stramm, drall und frisch – und durchdringen den Alltag hier mit geballter Weiblichkeit, wenn sie zu Besuch kommen.