Krebsstation heute: War da nicht etwas?

Oma Helga fragt: “War da nicht etwas Besonderes heute?”, als Oma Maria den Fernseher anschaltet. “Doch, Kirchentagsabschluss von den Evangelen, aber wir sind ja katholisch”, erwidert Oma Maria. Außerdem hat sie hier ja andere Sorgen, sie kämpft gegen einen scheußlichen Durchfall an – meistens vergeblich – und dann weint sie fast, weil es ihr so peinlich ist. Nein, ihr wäre es nicht recht, wenn Jesus sie nun sehen würde.

Der Maria, seiner Mutter, der würde sie eher vertrauen…

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Das Motto des Kirchentages in Berlin wird auf diesem Bild dargestellt. Wer soll sehen? Der Kirchentagsbesucher, der Gott preist, während einige Straßen weiter ein Obdachloser auf der Straße sterben muss, weil in unserer Gesellschaft kein Raum mehr ist – in keiner Herberge und Nirgendwo – wo “so einer” noch unterkommen könnte? Es ist ja so, dass die Menschen heute zu den Standards der Hilfen passen müssen, und nicht umgekehrt die Hilfen zu den Bedürfnissen der Menschen. Was also soll gesehen werden? Wie viele Leute für gute Standards lobzupreisen sind, die sie angeblich zur Ehre Gottes voran gebracht haben?

Oder jene, die durch alle Notfallroste fallen, und von denen weg- und abgesehen wird?

Wenn es ganz kritisch wird, werden viele Leute zu Atheisten – dann kann wenigstens ordentlich alles in Frage gestellt und abgelehnt werden. Vor allem ist Mensch dann nicht einmal mehr einem Gott gegenüber verantwortlich, das eigene Gewissen ist längst ruhiggestellt.

“Du siehst mich, vielleicht… Aber, will ich so von Dir gesehen werden? Will ich überhaupt noch gesehen werden unter dem Standard-Blick, der heute auch von den Kirchen und deren Einrichtungen angewandt wird?” Das war die Frage, die heute über unserem Zimmer in der Krebsstation schwebte.

Ein älterer Beitrag von mir hat nichts verloren an Aktualität, und deshalb erinnere ich an diesen noch einmal.

http://freies-in-wort-und-schrift.info/2015/09/26/der-kuss-von-jesus/

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