Jonny war bei der AOK und ich habe die blauen Damen benachrichtigt…

…und plötzlich geht etwas.

Heute wurde Wäsche bei mir abgeholt, – soll gewaschen werden. Zwei Oberteile haben sie mitgebracht. Es tut sich etwas, damit das verblutete Zeug sauber wird, oder ersetzt.

Die Magensonde war heute Prüfungsaufgabe für eine Schwesterschülerin. Es wurde alles sehr sorgfältig und liebevoll erledigt. Ich wollte Ihr die Freude daran nicht verderben, sonst hätte ich ihr sagen können, dass sie dann im Schwesterndienst genauso schludern wird, wie alle anderen auch, dass der Patient aus dem Trinkwasser im Glas oder Krug die Spritze aufzieht und die Sonde selber spült…

…Naja, er soll ja üben für später.

Aber am besten nur stilles Wasser…

lautes blubbert so. Macht Blähungen, die dann wieder dem Linearbeschleuniger bei der Bestrahlung in Form von entfleuchenden Winden in die Quere kommen.

Wir riechen nicht immer gut, zu viele Öffnungen im Körper.

Und überhaupt.

Aber, es tut sich etwas. Eine neue Mitbewohnerin ist da, und die Businesswoman wurde entlassen heute. Abwechslung auf dem Zimmer. Die Neue ist 75 Jahre alt, vorübergehend war sie in einem Heim untergebracht. Sie hat eigentlich eine Eigentumswohnung – und Kinder…

Naja. Sie will zurück in ihre Wohnung, die anderen alle wollen, dass sie im Heim bleibt. Bisher geht der Streit darum noch friedlich ab. Warum ist sie hier? Hier hat jede/r irgendwie Krebs, sagte die Schwester….

…ja, und sie hat nun Krebs zum zweiten Mal – ein Rückfall, sozusagen.

Nein, sie verzweifelt nicht – ist gelassen und fröhlich.

Sie hat auch noch mehr Behinderungen und Krankheiten, nimmt alles mit Humor. Wir sind stark, wir Alten und Kranken, – ich erlebe selten jemand ganz am Boden. Und fast alle haben gekämpft, um ihre Existenz, um ihr Leben, gegen fiese Ehemänner… Ja, auch sie – neben mir – wenn sie auch ein wenig materielles Glück mehr hatte, als ich.

Neidisch bin ich nicht – es war kein Honiglecken, mit mehreren Kindern und einem scheußlichen Ehemann.

Schicksale hinter den Mauern der Krebsklinik – und nicht nur hier. Leben, über die sich andere noch lustig machen, – Kämpfe, die gerne ignoriert werden. Diese Frau neben mir sagte auch: “Noch sind wir ein Sozialstaat – noch… Aber viel dürfen sie nicht mehr daran herumschrauben, dann ist er vollends kaputt.”

Wen würde sie wählen?…

“Am liebsten keinen”, sagt sie. “Die Wagenknecht ist zu intelligent, bringt alles überdeutlich auf den Punkt, das kann der deutsche Bürger nicht verkraften. Das geht gegen das Zack-Zack-Gehirn, das immer noch nach dem alten Marschtritt voranrennen will. Das ist auch bei den jungen Leuten mit den Handys so. Da können sie darauf schauen, müssen nicht viel denken, und können dahintraben. Merkel macht ihren Kram nicht schlecht, der Trott geht weiter, christlich kulturell ist sie auch – wird gesagt – also, lasst uns Merkel wählen. Dann können wir wenigstens weiterhin sagen: Deutschland geht es gut. Der Augenblicksbefund der ungeheuren Leichtigkeit des Seins in der Schwebe, wie es in Deutschland so oft war – unter irgendeiner Knute. Und Krieg… Ja, der gehörte ja auch immer irgendwie dazu.”

Und die Schänder- und Schindereien, die Qualen, vertrieben werden, und vieles mehr. Alles zusammen geballt in dem Stadium das man nun Alter nennt, – das Hitler ja auch weitgehend ausmerzen wollte,- das deshalb in dieser gehäuften Form, wie es heute vorkommt, anscheinend ungewohnt ist. Es ist auch darum ungewohnt, weil früher alles innerhalb der größeren Familien erledigt wurde – auch das alt werden, gepflegt werden, krank sein, und so weiter.

Nachdem das alles zerschlagen ist, wird es auffällig. Einzeln gab es das früher auch schon, wenn alle Verwandtschaft weggestorben war. Sonst aber fühlte sich fast immer wer verantwortlich. Das war auch nicht immer gut und der Himmel auf Erden war es auch selten, aber es war nicht ganz so leer und trostlos wie heute. Es war nicht besser, nur anders – aber eben gravierend anders.

Doch, die Menschen wissen es, aber sie wissen nicht, wie sie darauf reagieren sollen. Wen sie wählen sollen ist ihnen noch mehr ein Rätsel. Konservativ sollte bewahren, aber von dem Bewahrenden ist nicht mehr viel zu spüren – schon gar nicht für die, welche es heute brauchen würden. Doch, die Kinder sind sehr interessiert, vor allem an der Eigentumswohnung…

Wir sind stark, sonst würden wir das alles gar nicht mehr erleben und oft noch überleben. Einreden will man uns aber etwas anderes: Wir sind die Schmarotzer, die Betrüger, die Abstauber, wenn wir alt und krank werden. Die Jungen sagen dann, sie würden gar nicht so alt werden wollen wie wir…

…das haben wir auch gedacht, als wir jung waren.

Blödsinn, denn alt wird der Mensch von selber.

Der Dank gilt jenen, die uns – manchmal nach Widerständen – doch immer wieder unter die Arme greifen, ein wenig anheben helfen.

So, wie heute.

7 Kommentare

  1. alfred e neumann
      1. AlterKnacker:
        Ich …

        Ich wünsche einen schönen Sonntag!

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