Chemo stinkt…

…und manches Andere auch.

Wenn Mensch in seinem Leben nur äußerst selten im Krankenhaus war, und in den letzten Jahren gar nicht, kann er sich nicht vorstellen, wie sich die Mediziner auf jedes freigegebene Detail in einer Patientenverfügung stürzen, um es ja für sich und ihresgleichen nützen zu können, oder nutzbar zu machen.

Sich gegen Missbrauch und andere Fehlgegebenheiten abzusichern wird zum Hochintelligenzpuzzle, und irgendwie verliert immer der Patient. Es ist egal, wie er es macht, die Mediküsse finden immer eine Hintertür.

Ja, und dann war also Chemo angesagt. Eigentlich harmloser, als angekündigt, wäre da nicht die lästige Übelkeit. Diese manifestiert sich über einige Zeit nicht nur, wenn die Chemobrühe läuft, sondern auch wenn durchgespült wird. Immer kurz vor dem Kotzlevel, und sie zerren den Menschen erst einmal weg vom Tropf, ab zur Bestrahlung. Anschließend ist der Übelkeitsfaktor noch etwas erhöht. Die Maske nagelt Mensch samt Übelkeit und Blähungen auf der Unterlage fest. Ein Furz lässt sich nicht mehr aufhalten, korreliert wohl mit dem mich umkreisenden Linearbeschleuniger.

Fertig mit Bestrahlung, zurück auf Station, die Übelkeit ist immer noch dabei. Macht nichts, das Mittagessen wird serviert.

Doch, sie sind so nett, und bringen noch eine Tablette gegen Übelkeit, erwähnen so nebenbei, dass auch schon Cortison gegeben wird…

…für was auch immer. Vielleicht wegen der x-mal nicht gespülten Magensonde, keine Ahnung. Die Schwester weiß es auch nicht. Metallischer Geschmack im Mund als Nebenwirkung der Chemo? Haha, es ist als würde das ganze Zimmer wie ein metallbestückter Maschinenpark stinken. Ich komme mir heimisch vor, so ungefähr roch es in der Werkhalle damals bei den Umformern…

Das Einzige, was schmeckt beim Essen ist das Eis.

Duschen und Hilfe dabei ist ab Klasse II vorgesehen, bei Klasse III nicht. Danke, Herr Pfleger, das hilft mir nichts – also weiter müffeln. Auch meine zu gebluteten Oberteile muss ich nach wie vor irgendwie selber waschen. Eine Schüssel dafür wird ja großzügiger Weise zur Verfügung gestellt.

Falls Mensch schon so krank ist, dass er sich nicht mehr rühren kann, wird Zu geblutetes in einer alten Tüte weggeräumt, und darauf gehofft, dass es bald weggeworfen werden kann. Wir sind hier Krebsstation Klasse III – da ist man nicht zimperlich. Warum haben Sie auch keine Angehörigen mehr?

Tja, die haben vorzeitig das Zeitliche gesegnet, Deutschland hochgewuchtet – damals – damit Du später Medizin lernen konntest…

…und? Hat es uns Nachfahren, die wir diese zerschundenen Vorfahren dann gepflegt haben bis sie starben, etwas gebracht? Nein? Interessant…

…das sollte aber so sein. Auch so etwas, wie Generationenabkommen – von Vertrag will ich ja nicht mehr reden – nachdem unsere Politiker alles schrotten, was auch nur entfernt nach Abkommen riecht. Spalten – zerschreddern – ist angesagt. Volk war gestern und vorgestern, Hochleistungskrümelchen Mensch ist heute – abgespalten, vereinsamt, vereinnahmt…

…und dann wieder ausgespien, wenn er beginnt Geld zu kosten.

Chemo stinkt wie ein Maschinenschrottlager – wie alles stinkt in diesem System.