Samstag am Morgen

Heute länger geschlafen, erst erwacht, als das Frühstück gebracht wurde. Die anderen im Zimmer wohl auch. Businesswoman geht heute nicht joggen…

Sie hat das Kopfende ihres Bettes hochgestellt und starrt aus dem Fenster, während dann die Inhalte diverser Tropfbeutel in ihren Arm rinnen. Gestern war der Himmel draußen eine Sensation an sich – zusammen mit den Bäumen. Letztere hatten ein unwahrscheinliches Grün, und der Himmel dahinter über dem Grau der Häuser erstrahlte in einem Gemisch aus brillantem Blau und weißen Wolkenballen davor. Eine Orgie aus Farben und Formen, wie sie nur die Natur komponieren kann.

Heute ist der Himmel bedeckt, die Farben sind gedämpfter. Trotzdem starrt Businesswoman hinaus, träumt von unbeschwerten Samstagsfrühstücken zu Hause. Die Stimmung will sich nicht einstellen. Um es mit Jonny Beyers Worten zu sagen: “Sensenmann ante Portas”, und die Ahnung davon, dass Sterben rascher geschehen könnte, als man dachte. Irgendwie war dieses Feeling gestern bei den beiden anderen Damen angekommen. Reichlich spät – die eine ist schon eine Weile hier, die andere wird demnächst entlassen, falls nichts dazwischen kommt.

“Dass man nicht früher daran denken will, – daran sind auch die Ärzte schuld. Sie klatschen Dir die Diagnose ins Gesicht, wie einen nassen Fetzen, und lassen Dich dann alleine damit. Ja, und überhaupt – überall alle sind so kalt und teilnahmslos in der heutigen Zeit. Dauernd paddelt der einzelne Mensch gegen die heftigen Wellen des Lebens an, ohne Kompass und Absicherung, und dann kommt so ein Eisbrocken wie der Krebsbefund mitten ins Gesicht.” So die Anmerkungen von Businesswoman.

Der Himmel malt Bilder in die bewölkte Gedämpftheit, reißt ein Stück weit auf und gibt Bläue frei – die Sonne kämpft um eine Lücke.

So wie wir darum kämpfen eine neue Lücke für uns im Leben zu finden.

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