Im hohen Alter endgültig allein, und endlích frei?

Sie konnte in den Nächten nicht schlafen. Alle 30 Minuten wollte sie zur Toilette, oder trippelte zum Waschbecken, um sich abzuwaschen. Das große Geschäft verrichtete sie auf einem Toilettenstuhl. Es stank im Zimmer.

Sie selber war grün, gelb und blau geschlagen, um den Kopf einen Verband. Noch erstaunlich fit im Geiste nahm sie an den Unterhaltungen der anderen Mitpatientinnen im Zimmer Anteil. Sie schaute Fußball im Fernsehen. Sie war neunzig Jahre alt.

68 Jahre Ehe, und alle die langen Jahre hatte sie ihren Ehemann ertragen, der sie mißachtete, schlecht behandelte und verprügelte – auch jetzt noch. Ja, auch er sei noch erstaunlich rüstig und kräftig.

Nun kommen beide in ein Pflegeheim, getrennt voneinander. Es geht einfach nicht mehr so weiter. Der Sozialdienst hatte eingegriffen, und diese Frau war endlich ein wenig erleichtert.

Warum hatten die Kinder nichts gesagt, – nicht eingegriffen?

Warum hatten andere Menschen nichts gesagt, nicht früher interveniert?

Wo war die Frauensolidarität? Gibt es diese immer noch überwiegend im gemeinsamen Ertragen und Erdulden?

90 Jahre alt, pflegebedürftig, und dann die Trennung vom Ehemann als Erleichterung, und alle darum herum schweigen immer noch…

Das sind die Trauerspiele mitten in unserer sich human nennenden Gesellschaft.

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.