Der Totentanz der leeren Phrasen

Nur einer von Vielen hatte wirkliches Interesse und hat nachgefragt, wie es uns ergeht – ob sich etwas tut, und hatte sich nach einer Wohnung umgesehen.

Viel leeres Stroh wurde gedroschen, dann fühlt sich wieder mal wer bemüßigt, uns als “Messis” zu bezeichnen, ohne realisieren zu wollen, was wirklich Sache ist. Aber, wer zuletzt lacht, der lacht am Besten – und wenn es das Letzte ist, was ich tun werde – ich werde lachen über alle und den ganzen Schrott.

Auch über jene Betroffenheitsschwurbler, denen nichts Anderes einfällt, als eben dies. Über die Übereifrigen, die helfen wollen, und beim ersten Lüftlein, das gegen sie anweht, in die Knie gehen. Und über die, welche Behinderte und alte Menschen nicht akzeptieren können, weil es sie an die eigene Zukunft erinnert, die sie noch vor sich haben – jedoch diese weit von sich wegsperren wollen. Manche wollen sich ja lieber umbringen, als behindert und/oder alt werden.

Es gibt wieder welche, die Behinderte, Alte, und manche auch die Flüchtlinge schon wieder als “unwertes Leben” einstufen, wenn diese alle nicht nach “deutschem Vorbild” noch leistungsfähig sind. Es gibt sie ja, die flotten Alten auf den Werbeplakaten, die noch allerlei vorturnen können. Es gibt aber auch die anderen, die nicht so prominent abgelichtet werden, die immer noch gerne versteckt, oder weggeräumt werden – in Heime.

Und überall gerne gesehen ist der Vorzeige-Behinderte, der Super-Alte, überschüttet mit dem üblichen hohlen Geseiere und etwas Anstandsgemüse, wenn es etwas zu feiern gibt. Da sind dann oft auch die Lokalpolitiker gerne dabei. Das, was Gesellschaft genannt wird, ist ein einziges Theater, und nicht einmal immer komisch. Gerade deshalb wohl, und weil Behinderte und Alte der Anteil sind, die das Unkomische voll abbekommen, wollen sich die anderen Anteile nicht stören lassen.

Über allem schweben die Phrasen: “Ihr müsst Euch eben auch im Alter anpassen können.” “Ihr müsst Hilfe annehmen können.” “Ihr müsst eben schauen, was geht…”

Und hinter dem Rücken erst, und dann offener von der gehässigeren Seite: “Die sind doch nur Simulanten.” Auf einer Ebene mit den Asylanten als Hassobjekte, entmenschlicht, beschimpft, weil wir nichts mehr vorturnen können.

Nein ! – Das müssen wir nicht. Eben weil wir alt sind, behindert. Wir müssen unseren Tageszustand nicht mehr beweisen. Die, welche so sehr bemüht sind darum, die Alten und Behinderten noch zu scheuchen, und am liebsten noch irgendwie zu verwerten, übersehen dabei geflissentlich, dass so etwas schaden und die Zustände verschlimmern kann. Doch, umso besser, wenn der alte und behinderte Mensch dann schneller drauf geht. Und schon wartet die nächste Phrase: “Es ist ihm/ihr viel erspart geblieben.” Und wenn es schnell ging: “Ein schöner Tod !” Pfui Deibel, und nicht ein einziges Mal wurde mit den Betroffenen direkt geredet, wurden sie gefragt, oder gar beachtet.

Das Leben wert schätzen, von Anfang bis Ende, sieht anders aus – und ich meine nicht nur das eigene Leben, sondern auch das eines jeden anderen Menschen, und auch das der Lebewesen. Wenn das so wäre, sähe unsere Welt und unser Miteinander darin – das der sogenannten Gesellschaft – anders aus.

Wie in der Politik die Verachtung Phrasen drischt, so ahmt es die Gesellschaft nach. Immer abgeschotteter, immer mehr um sich selber und das erraffte bessere Leben kreisend, nimmt der Totentanz der Phrasen den letzten Totentanz vorweg.

Danach — sind alle gleich…

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