Gastbeitrag: Noch mal zum Thema Helfen

Wenn die Leute der Behörden zu viert antanzen, verbal über Dich herfallen, und Dir mit Maßnahmen drohen, steht erst einmal der Verstand still. Wie dieser dann wieder in Bewegung kommt, und wie er arbeitet, ist eine andere Sache als zuvor.

Vor allem ist es dann anders, wenn Du körperlich so behindert bist, dass es schwer ist etwas in Angriff zu nehmen. Und, wenn Du die Hilfestellen die aufgezählt werden schon alle abgeklappert hattest und nur Ablehnungen erhalten hast.

Trotzdem danke an Gitta Peyn für ihre Hinweise:

Gitta Peyn – auf Facebook

 

Ich habe mal eine Bitte an alle meine deutschen Freunde, bitte nehmt Euch diese fünf Minuten und lest das hier gründlich, so könnt Ihr Menschenleben retten:

Gestern Abend, kurz vor Dreiundzwanzig Uhr, ist es wieder passiert. Ich hatte einen Notfallanruf. Diesmal ging es um eine bevorstehende Räumung und zwar gleich Montag früh.
Immer wieder passiert es, dass sich Menschen durch eigene Nachlässigkeit und durch Hilflosigkeitsgefühle, die in Vermeidung aktiver Abhilfe führen, in riesige Schwierigkeiten bringen.
Briefkästen werden nicht gelehrt, nicht gezahlte (oder unvollständig gezahlte) Mieten ignoriert, unbezahlte Nebenkosten versucht man zu vergessen.
„Aus den Augen, aus dem Sinn“ funktioniert leider in dieser Welt nicht.
Widersprüche gegen Jobcenterentscheidungen werden zu spät eingereicht (oder gar nicht), mündliche Ablehnungen von Ämtern akzeptiert, Aussagen von Anwälten in bedrohlichen Zweifelsfällen nicht doppelt-geprüft und so weiter und so fort.
In der ganzen Zeit, die wir das jetzt machen, können wir die Fälle, in denen tatsächlich durch Sanktionen Probleme verursacht wurden, an zwei Händen abzählen, die aber, in denen die Leute sich selbst in Schwierigkeiten gebracht haben (teilweise auch durch überzogene Anspruchsvorstellungen), sind an der Tagesordnung. Und teilweise dann eben so schlimm – wie in dem von gestern -, dass wir dann gar nichts mehr machen können, mit dem Resultat, dass Tiere ins Tierheim müssen und Menschen obdachlos werden.

Das hier geht nur gemeinsam! Es reicht einfach nicht, ständig die Hartz IV-Gesetze zu kritisieren und immerzu nur „die da oben“ verantwortlich zu machen. Ich wünschte, es wäre so, aber die Realität sieht so aus, dass genau dieses Denken die Menschen dazu motiviert, selbst dann, wenn ihnen etwas so Schlimmes passiert, noch zu glauben, irgend jemand könne dafür verantwortlich gemacht werden außer ihnen selbst, und das ist nicht so! Tatsächlich gehen auch viele wirklich nachlässig mit ihrem Geld um. Wenn es dann zum Schlimmsten kommt, heißt es „Der Anwalt hat“, „Der Jobcentermitarbeiter hat“, „Die Krankenkasse hat“ und so weiter. Die Menschen lernen nicht mehr, eigenverantwortlich selbstbewusst zu agieren, und die Folgen sind teilweise katastrophal. Manche fangen an, in vollkommene Rage zu geraten und versuchen sich den Weg durch die Ämter zu klagen, schreiben ganze Litaneien bis hin zum Bürgermeister, und wenn man in den Fall dann hinein schaut, ist es wie mit dem Luftballon und der Stecknadel: „Puff“, selbst verschuldet. Das gefällt natürlich nicht, aber – verdammt – es ist wahr, es passiert und zwar jeden Tag.
Ihr wisst, dass ich absolut an freilassendes Helfen glaube, aber ich glaube auch daran, den Leuten zu sagen, wenn sie sich dumm verhalten oder wenn sie sich selbst Schaden zufügen. Eine Menge reagieren darauf dann mit „Der Sadist beim Jobcenter ist Schuld“, aber oft ist das tatsächlich nicht der Fall. Ich habe dann auch schon Vorwürfe zu hören bekommen, ich sei ein „Systemsklave“, wenn ich nicht der Meinung bin, dass sie bis zur Selbstvernichtung untätig sein sollten, während sie über Politiker zetern.
Vernünftige Hilfe wird wie von trotzigen Kindern oft sogar abgelehnt, weil man glaubt, jemand sei schuld und das könne das magisch irgendwie doch noch ändern. Das bekommen wir nur gemeinsam in den Griff, nicht aber, indem wir die Menschen in ihren Leben allein lassen, die sie nicht mehr unter Kontrolle haben.

Mir ist sehr wohl bewusst, wie eng der Leistungsbezug berechnet ist. Auch ist mir bewusst, wie viele Mehrkosten haben, die der Staat nicht deckt. Das Problem jetzt aber der Politik zu überlassen, scheint mir nicht wirklich menschenfreundlich. Die Leute brauchen Hilfe bei der Finanzplanung und ihrer Lebensführung. Wo sollen sie die herbekommen, wenn wir nur darauf warten, dass der Staat was unternimmt? Schimpfen ist leicht. Handeln, darauf kommt es an.

Ich will einen Denkfehler, den Viele machen, auf den Punkt bringen in der Hoffnung, dass wenigstens hier ein paar verstehen, dass es so nicht geht: Den Menschen ist nicht damit geholfen, wenn Ihr ihnen sagt: „Der Staat ist Schuld an Deinem Dilemma, also kannst Du rechtschaffen untergehen.“ Mit dem Finger nach oben zu zeigen, ist nicht genug – vor allem nicht, wenn das mit dazu beiträgt, dass Menschen handlungsunfähig werden. Jeder Mensch kann für sich selbst Verantwortung übernehmen, aber das kann er nur, wenn wir ihm das erlauben und ihn dazu motivieren. Mit „Die da oben“ wird die Sklavenmoral doch nur noch gefördert, wird Eigenverantwortlichkeit blockiert. Ich sehe hierin einen der Gründe für viele schlimme Lebenszusammenbrüche.

Wie Ihr helfen könnt?
Wenn Ihr von Menschen hört, dass sie im Leistungsbezug sind und Stromrechnungen nicht bezahlen können, Mieten aus irgend einem Grund anteilig selbst übernehmen müssen (wie die Wohnung zu groß oder zu teuer ist) und nicht können, Gasrechnungen nicht zahlen können, wenn sie mit Elektroheizkörpern zuheizen – in allen Fällen, in denen EUER gesunder Menschenverstand und EURE Erfahrung wissen: Das wird Probleme geben: Sprecht es an. Motiviert die Leute dazu, sich Hilfe zu suchen. Sie können sich an uns wenden:
www.dienotbremser.de oder an die vielen Beratungsstellen vor Ort, die Caritas, die Diakonie, aber sie sollen um Gottes Willen nicht die Dinge einfach so laufen lassen, denn das geht nie gut aus.

Wir haben eine Gesellschaft von Eltern-Ichs geschaffen, die den „Kids“ Vorschriften machen, wie sie sich arbeitsmarkttechnisch zu benehmen haben, aber dann lassen wir sie mit den Restproblemen allein mit dem Resultat, dass Viele an sich selbst untergehen – oft sind auch Kinder noch mit betroffen.

Es ist wunderbar, wenn Du wachsam der Politik gegenüber bist, aber der Staat, das sind wir, und wenn wir uns nicht um unseren Nächsten kümmern „sein Problem, geht mich nichts an“, während wir sehen, dass da dunkle Zeiten im Aufzug sind, sind wir meiner Ansicht nach dazu verpflichtet, darauf wenigstens hinzuweisen.

Ich habe gestern in der Situation gestanden, dass alles so verwurschtelt und verfahren war, dass ich nicht mehr helfen konnte. Auch unsere Anwältin konnte nichts mehr machen. Ich weiß, dass Viele von Euch so etwas gar nicht richtig mitbekommen, und ich wünsche keinem von Euch dieses Gefühl. Ich habe alles versucht, das Wenige, was ich tun konnte, wurde aber nicht angenommen – auch das passiert. Ich habe letzte Nacht bis fünf Uhr morgens wach gelegen. Das Bild dieser beiden betroffenen Frauen (Mutter und Tochter), wie sie nun aus der Wohnung auf die Straße gejagt werden, es hat mich nicht mehr losgelassen. Und all das hätte man verhindern können. Ein halbes Jahr vorher schon hätten wir gut eingreifen und den Schaden abwenden, vor einem Monat, ja vor einer Woche noch begrenzen können. Zwei Tage vorher? Kaum zu schaffen, es sei denn natürlich, mein Traum wird wahr, und ich kann die Stiftung aufbauen und Unterkunft anbieten oder einfach mal eine große Summe für einen Pensionsaufenthalt irgendwo locker treten. Kann ich aber noch nicht.

Dies hier geht uns alle an. Hoffe ich jedenfalls. Wir haben uns eine Gesellschaft gebaut mit Menschen, die ihr Leben nicht mehr bewältigen (können), die oft die einfachsten Sachen nicht mehr schaffen (wie mit Vermietern was auszuhandeln zum Beispiel, sich umzumelden, was auch immer, oder sei es auch nur, jemanden um Hilfe zu bitten). Wir setzen sie unter Druck, was sie noch denkeingeschränkter macht (das meine ich nicht böse, es ist einfach eine Tatsache). Und dann häufen sich Fehler auf Fehler, und es passiert eine Katastrophe die überhaupt nicht notwendig wäre. Wie oft mich Leute anrufen, bei denen „morgen“ der Strom abgestellt wird oder sogar gestern schon wurde, obwohl kleine Kinder im Haus sind (wo man eben den ganzen Stress eh hätte verhindern können), mag ich gar nicht sagen, nicht einmal dran denken.

Schaut Euch bitte um. Sprecht mit Leistungsempfängern oder Menschen in sehr knappen Einkommensbereichen, findet heraus, wie sie klar kommen, und wenn Ihr merkt, dass da was nicht stimmt, schickt sie zu solchen, die ihnen helfen können.
So kann viel Elend vermieden, viel Not abgeholfen werden.

Danke.

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