Arme und behinderte Menschen galten als unehrenhaft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da wagen es welche, gegen die gängigen Gewohnheiten mit Aufmüpfigkeit zu reagieren. Sie wollen sich nicht in ein Pflegeheim verfrachten lassen, in dem ihnen vorgegeben wird, wie sie zu leben haben. Sie wollen nicht in einer begleiteten Horde ab und zu eine Stunde Ausgang gewährt bekommen. Und vor allem wollen sie nicht weggesperrt werden.

Doch woher kommen die Tendenzen zu solchen Vorgängen, woegegen sich arme, alte und behinderte Menschen immer wieder wehren müssen?

Es ist der Versuch einer Antwort:

Seit wann genau arme und behinderte Menschen als unehrenhaft galten ist wohl nicht so genau belegt. Seit dem Mittelalter jedoch fiel es besonders auf. Deshalb bekamen diese Menschen keinerlei Unterstützung. Die Ansicht herrschte vor, dass diese Leute an ihrem Schicksal selber schuld seien, und dies war vorwiegend religiös begründet. Leider hält sich diese Sicht auf Behinderte hartnäckig bis heute, trotz aller Inklusionsversuche, und wird inzwischen mit mancherlei anderen Begründungen unterfüttert. Schließlich sollen ja auch Atheisten an der Verachtung der Ausgegrenzten teilhaben können.

“Erst um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert bahnte sich unter dem Einfluss des Pietis-mus eine durchgreifende Wende an. Not, Armut und Behinderung wurden nicht mehr primär als Strafe oder unabänderliches Schicksal begriffen. Vielmehr propagierten die Hauptvertreter dieser neuen Richtung nun, dass es die Pflicht eines Christen sei, zum Wohle seines Nächsten die Initiative zu ergreifen. Die neu gegründeten Häuser, zunächst für die Aufnahme und Ausbildung von Waisen vorgesehen, betonten vorallem die Bedeutung von persönlicher Ausbildung für die Insassen, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen und sie in die Gesellschaft einzugliedern. Dass vor allem im 19. Jahrhundert nicht wenige dieser karitativen Einrichtungen eher wirtschaftlichen Zwecken folgten, indem sie die Arbeitskraft der ihnen Anvertrauten ausbeuteten, muss daneben jedoch festgehalten werden.”

Anlässlich einer Feier in einem Heim für Behinderte wurde zu Geschichte des Themas ein Vortrag gehalten, der hiermit verlinkt wird:

http://stuzzel.info/media/Vortrag$20f$C3$BCr$20das$20100$2002.pdf

Trotz allen modernen Anstrichs der Bemühungen um Behinderte, trotz allen Geschreis für Integration bleibt unverkennbar, dass sich die Grundstimmung zum Wegsperren und / oder Ausbeuten der Armen und Behinderten erhalten hat.

Trotz der Wandlungen auch in der christlichen Sicht auf Betroffene hält sich – auch in Calw – noch unerschütterlich die Ansicht, dass arme und behinderte Menschen selber schuld sind an ihren Schicksalen. Sie werden beobachtet, kommentiert, kritisch beäugt, verdächtigt – und vor allem ausgegrenzt.  Auch darum wird in dieser Stadt rasch auf politische Vorgaben reagiert, welche die selbe Tendenz haben: Keine Selbstbestimmung für arme und behinderte Menschen, und am besten wieder weg sperren, dann ist Ruhe für alle anderen.

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