Der Wert von Lohnarbeit – ein Treppenwitz

Als noch in DM gezahlt wurde, war eine Arbeit mit 1.500 Mark bezahlt, schon mal auch ein mittleres Einkommen, denn auch die Ausgaben waren ja auf DM ausgerichtet. Erst die Umstellung auf den €uro hat sich auf den Werteverlust eingependelt, den wir auch heute noch kennen. Und dass dieser Werteverlust sich auch auf Staaten wie die USA ausgewirkt haben, sollte dabei nicht verwundern, denn gerade dort war der Dollar plötzlich nichts mehr wert, das Tauschverhältnis war plötzlich gleich. Der Leitindex des Dollar war quasi geschrumpft und die Arbeit gerade dort hatte den Stellenwert von Billigarbeit. Dollar und €uro waren plötzlich im Hase und Igel-Wettbewerb. Ein wenig zu viel ‘plötzlich’, aber anders lässt es sich nicht beschreiben, denn der sogenannte Billiglohnsektor nahm in €uropa immer mehr an Fahrt auf und ließ die Amerikaner erst mal auf der Strecke ziemlich schnell hinter sich, nur die €uropäer mit ganz dicken finanziellen Polstern profitierten noch, konnten sie doch auf den Finanzmärkten das sogenannte freie Spiel der Kräfte, nämlich die Marktwirtschaft einfach nutzen, um die Nase immer ein wenig vorne zu haben.

Erst als auch China auf den Weltmärkten erschien, änderte sich dieses Verhältnis, denn die Chinesen konnten mit ihren Menschenmassen die €uropäer und Amerikaner noch unterbieten.

Heutzutage führt dies alles zu einem ungleichen Unterbietungswettbewerb, der große Volkwirtschaften quasi in den Ruin treibt, da die einzelnen Arbeitnehmer dazu gezwungen waren, sich, was Lohnforderungen angeht, immer weiter einzuschränken, besonders gefördert von Gewerkschaften, welche sich den politischen Zwängen unterordnete und ihre Mitglieder, was den sogenannten ‘gerechten Lohn’ ausmachte, an die Politik verriet.

Ganze Städte wie Detroit zum Beispiel waren in den USA plötzlich zahlungsunfähig und gleichen heute Städte wie nach dem 2. Weltkrieg in €uropa und Deutschland, nur konnten sie nicht mehr auf gebaut werden, denn die amerikanische Bundesregierung hatte nur noch Konzerne im Visier (hier ganz besonders das Silicon-Valley), die sich in relativ kurzer Zeit an die Spitze der Großverdiener setzten und der Hauptteil der Gesamteinnahmen floss in quasi private Hände, aber nicht in Haushaltsbudgets. Die komplette Infrastruktur erodierte.

€uropa geht es inzwischen nicht besser, denn der Wettbewerb der Staaten nahm ja ebenfalls Fahrt auf und die Steuern flossen wohl in Prestigeobjekte, aber nicht mehr in Städte und Gemeinden. Als dann auch noch der sogenannte Turbokapitalismus mit seinen von der IT-unterstützten Algorithmen die Macht übernehmen, war die Gier Tür und Tor geöffnet, was sich im Zusammenbruch der Finanzmärkte äußerte, welche von Zockern beherrscht werden.

Und dies alles wird dann im Alter auch noch mehr beschleunigt, denn die Renten und zukünftigen Pensionen gehen ja auch nicht im Gleichschritt, sondern schaffen neue Ungerechtigkeiten, diesmal bei den sinkenden Rentenniveaus der Arbeiter und Angestellten. Und natürlich vertraut die aktuelle Politik darauf, dass sich diese zunehmenden Massen friedlich verhalten, da sie doch meist auch rein körperlich nicht mehr auf begehren können. Doch er ist auch ein ziemliches Vabanquespiel, denn diese Hoffnung kann sich schnell selbst ad absurdum führen, werden die sogenannten Alten nicht unbedingt als körperliche Krüppel in Rente gehen. Und da diese auch noch zusätzliche Wähler sind, neigen viele inzwischen zu sogenannten extremen Gruppierungen und Parteien, welche aber außer heiser Luft nur noch Plattitüden versprechen, sich aber nicht zu schade sind, auch große Waldbrände zu entfachen. Nur die Bonzen sitzen dann in sicheren Bunkern, wie immer. Und wenn reguläre Arbeiter und Angestellte und die Rentner (nicht die Pensionäre) erst mal erkennen, dass sie die Mehrzahl sind, dann sehe ich für die derzeitigen Politiker schwarze Zeiten am Horizont aufziehen.

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AlterKnacker

AlterKnacker

Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.