In einer ausweglosen Falle … ?

Tag 21 in Calw. Es ist kurz vor Ein Uhr, also mitten in der Nacht. Gestern Abend bin ich so um 19:00 Uhr ins Bett gegangen, nachdem ich viereinhalb Stunden in der Notaufnahme im Krankenhaus verbracht hatte. Ein Bandscheibenvorfall hat mich am Sonntagabend noch erwischt und die darauf folgenden Schmerzen, vom Ischiasnerv ausgehend, waren unerträglich, obwohl ich relativ schnell meine Schmerzmittel nahm, welche auch, wenigstens teilweise wirkten. Nach einem Einkauf am Montag habe ich mich aber dann wieder übernommen, durch schwer tragen und heben. Ich schätze mal, ich bin daran, wie üblich, einfach selber schuld, dass ich mich nicht zurückhalten kann, wenn es um Tätigkeiten geht, welche über lange Jahre ja auch Selbstverständlichkeiten waren. Nur bin ich inzwischen aber auch ‘gealtert’ und kann dies auch so einfach nicht akzeptieren. Ich will ja Inge und mich aus der völlig verfahrenen Situation ‘befreien’.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine Lücke, so breit wie der Atlantik zwischen USA und €uropa.

Am Zustand der Wohnung lässt sich sowieso nichts mehr ändern. Wir beide, also Inge und ich, sind einfach körperlich nicht in der Lage, Abhilfe zu schaffen und tätige Hilfe durch Fremde oder Bekannte sind heutzutage auch nicht mehr zu erwarten und wahrscheinlich hat es solche ‘Träume’ auch nur in Kitschromanen gegeben.

Frost – WIR frieren uns den Arsch ab in einer ‘Wohnung’ in Calw

Wer die vorherigen Calw-Beiträge gelesen hat, weiß ja wahrscheinlich, was jetzt kommt.

Hier sitzen zwei Frostbeulen, zittern vor sich hin und … dadurch werden die Betroffenen auch nicht auf geheizt. Du kannst gar nicht so schnell zittern, wie Du frierst. Außerdem müssen wir wahrscheinlich stinken wie Pavianärsche, denn wir können uns in dieser eiskalten Wohnung nicht waschen, baden oder duschen. Hinzu kommt noch, dass ich auch keinerlei Klamotten dabei habe zum wechseln. Wie gut?!?, dass ich selbst nichts rieche, ich würde dann vor mir selbst kotzen. Ist wohl aber der einzige Pluspunkt bei Parkinson.

Inzwischen habe ich auch schon ganz extrem ‘böse’ Gedanken gegenüber unserem sogenannten Vermieter. Aber es ist wie mit einer Geschichte von einem Professor – selber schon alt und Jahrzehnte mit der selben Frau verheiratet – der über das Alter vor jungen Leuten doziert. Einer der jungen Männer fragt ihn, wie das denn mit dem Sexleben sei, das ja auch nicht mehr so funktioniere… Der Herr Professor lächelt und sagt: “Davo schwätza ko mer emmer no.”

So geht es mir auch, wenn ich von Dachlatten und Baseballschlägern träume, welche den Vermieter traktieren.

Wie es zur Zeit in meinem eigenen Kopf aussieht, lässt sich so einfach wie die Einleitung leider nicht beschreiben. Drei sehr widersprüchliche Gedanken beherrschen den ‘inneren Friederich’ und sie haben keine wirklich positiven Aspekte in Aussicht.

Da ist zunächst mal die unbändige Wut auf den Mann von Inge, der sich über Jahre quasi einen Lenz gemacht hat, indem er Inge mit anderen Frauen beschissen hat und als er keine Chance mehr sah, dass sich Inge frühzeitig in die ‘ewigen Jagdgründe’ verabschiedete, da ließ er sie einfach alleine in einer völlig derangierten Wohnung zurück und verschwand. Aber meine Wut gilt nicht alleine diesem Vollpfosten der Evolution, sie gilt auch im ganz besonderen der Stadt Calw, ihren hohlköpfigen Einwohnern und auch ganz ‘besonderen’ Menschen, welche die ihnen vorgetragenen Tatsachen eiskalt ignorierten und keinen Finger zur Hilfe rührten.

Ulf Lamparter, Sozialarbeiter beim sozialpsychiatrischen Dienst,

die Diakonie in Calw

und Margit Fercher vom Landratsamt, Soziale Dienste – zuständig für die bürokratischen und finanziellen Abwicklungen von Empfängern der Grundsicherung im Alter.

Diese genannten Herrschaften werden einer Anzeige mindestens für ‘unterlassene Hilfeleistung’ entgegen sehen. Sie waren über die Zustände in der Wohnung informiert und die Diakonie und Herr Lamparter haben diese Zustände mit eigenen Augen gesehen. Von Kreativität und Phantasie hält und hielt man gerade in Calw noch nie besonders viel, was schon Herrmann Hesse veranlasste, diesem grauseligen Ort und seinen Bewohnern den Rücken zu kehren. Fassade, also der ‘schöne Schein’ nach außen, wird hier ganz besonders gepflegt.

Nach der Notaufnahme gestern Abend saß ich mit Inge in der Küche, rekapitulierte die Gesamtsituation und verfiel dann ziemlich schnell in einen depressiven Zustand von Katatonie, denn ich sah einfach keinen Ausweg mehr. Völlig ohne Mobilität und auch wieder ohne das Internet sitzen wir hier absolut fest. Wir werden wohl nicht über Weihnachten verhungern, dafür habe ich ja gesorgt und selbst wenn das Internet und die Telefonie wieder funktioniert – irgendwann im Januar ist dann endgültig “Ende der Fahnenstange” und wir werden dann in Müll und Dreck irgendwann gefunden, vielleicht nicht tot, aber ansonsten völlig Gaga und reif für die Klappsmühle.

Was einem da für Gedanken so durch den Kopf gehen, werden ich hier garantiert nicht äußern, denn noch habe ich nicht völlig auf gegeben, aber ‘nette’ Gedanken sind es sicherlich nicht. Nur, Selbstmord oder ähnliche Scheiße ist es auch wieder nicht. Diese beschissene Stadt Calw wird mich NICHT umbringen, vorher werden auf die eine oder andere Art einige dran glauben müssen, aber nicht durch meine Hände oder meine Wut, sondern durch ihr eigenes Ignorieren und Versagen. Auch wenn ich mich gedanklich zur Zeit ständig im Kreis drehe, so geben ich doch nicht einfach auf.

Der Backofen bullert jetzt schon mehr als 20 Tage in der Küche und versucht, eigentlich erfolglos, die winterliche Kälte zu vertreiben. Nur, es gelingt ihm einfach nur sehr unvollständig, aber immerhin kann ich noch schreiben, besonders wie jetzt, wenn ich so völlig alleine in dieser Küche vor dem Laptop sitze, um alle Gedanken und Gefühle auf zu zeichnen.

Niemand hat mich vorbereitet

5:44 Uhr am 19.12.2016. Die Dunkelheit draußen wird nur von fernen Lichtern durchbrochen und ab und an sehe ich Scheinwerfer von vorbeifahrenden Autos.

Der Kater erledigt gerade seine ‘Geschäfte’ im nachbarlichen Bad im Katzenklo und kratzt am Plastik dieser Kothöhle. Neben mir bullert der Backofen, um Wärme in den Gefrierschrank Küche in der eiskalten Wohnung zu bringen. Von Wohnung kann eigentlich keine Rede mehr sein, bis vielleicht auf die Türen und Durchgänge. Schon wieder ist mein Zigarillo aus gegangen und ich zünde ihn wieder an. Microsoft nervt mal wieder mit Bildschirmmeldungen, dass ich endlich die Virendefinitionen updaten soll. Inzwischen bin ich wirklich gut im Ignorieren von Meldungen auf dem Laptopbildschirm, denn erst morgen wird das Internet und die Telekommunikation von der Telekom geschaltet. Bis auf das laute Gebläse des offenen Backofens ist es sonst ruhig in der Wohnung, denn Inge und Dany schlafen noch.

Gestern war Sonntag und Inge und ich haben leidige Geschäfte am Computer erledigt. Brief an den Vermieter, dann Installation des Druckertreibers auf Inge´s Laptop. Das Formular vom Landratsamt für meine sogenannte Grundsicherung hat Inge noch für mich ausgefüllt, denn meine Handschrift wäre gar nicht mehr zu entziffern. Parkinson halt.

Heute ist der 19. Tag in der Horrorhölle der Stadt Calw im Nord-Schwarzwald. Dass diese Stadt schon lange existiert, ist unübersehbar, nur diese zum Teil total hinterwäldlerischen Einwohner, darauf war ich bei meiner Ankunft am 1. Dezember nicht vor bereitet. Deutschland im Jahre 2016 ist also doch ein Überraschungsei. Inzwischen wurde ich von Inge informiert, dass sich hier seit Urzeiten calvinistische Sekten wie Unkraut verbreiten und das normale und auch moderne Leben mit einem ‘Glauben’ verunstalten, der einer Sau graust. Glauben heißt für mich persönlich NICHT WISSEN. Mir selbst dürfen solche Fuzzys nicht über den Weg laufen, denn ich bin nun mal kein gläubiger Mensch und ein sogenannter Gott und überhaupt jegliche Überwesen gehören für ich ins Land der Fabeln. Für mich zählt die Ratio.

Gestern habe ich noch Inge erzählt, was ich beim Nachmittagsnickerchen geträumt hatte. Ich sang, aus welchem Grund auch immer, von Freddy Quinn den Song “Junge, komm bald wieder” komplett mit Text. Warum ich gerade diesen Song schmetterte, wohlgemerkt im Traum, entzieht sich meiner Kenntnis. Soll es ein Hinweis sein? Ich werde mir, sobald das Internet wieder funzt, den Text auf den Bildschirm holen. Vielleicht ist im Gesamttext ja eine Botschaft verborgen, aber wenn ich nur daran denke, muss ich schon lachen über meine eigene Blödheit.

Als ich am 1. Dezember nach Calw kam, war mein einziger Grund, Inge in ihrer Not zu helfen. Dass sie von ihrem Mann verlassen worden war, ist ja nur ein Aspekt. Inge ist so krank, dass sie seit einigen Jahren auf den Rollstuhl angewiesen ist, wenn sie längere Strecken zurücklegen muss. Diese Strecken wurden ihr aber auch sein Jahren von ihrem Mann verweigert und man kann sich an den 10 Fingern abzählen, wann sie in den letzten mindestens 6 Jahren das Haus verlassen hat. Diese traumatischen Begebenheiten werden sie wohl noch lange begleiten.

Geradezu wütend bin ich, dass es solche Dinge im Jahre 2016 in Deutschland gibt und der Gedanke, dass Inge keine Einzelfall ist seit dem Sozialkill der verschissenen Partei sPD, zusammen mit den Grünen, lässt mich mehr als ungute Gedanken denken. Da hilft auch kein Schluck kalter Kaffee.

Ich bin wohl jetzt in der Geburtsstadt von Herrmann Hesse, aber wirkliche Inspiration habe habe ich bisher noch nicht erfahren. Auch diesen Schriftsteller muss ich mir wohl auf die harte Tour zu Gemüte führen. Er selbst hat ja diese Stadt auch im Zorn verlassen und ich will wissen, warum. Auch wenn ich inzwischen viele mentalitätsmäßige Infos von Inge bekommen habe, die ja inzwischen seit 18 Jahren hier lebt, so kann ich doch nicht so einfach glauben, dass es hier und in so einigen anderen Gebieten in Baden-Württemberg solche ‘Ignoranten der Realitäten’ außerhalb dieses Gebietes immer noch gibt und … hier treten sie geballt auf. Dass sich einzelne Menschen einem Wahn des Glaubens hin geben, kann ich ja noch irgendwie akzeptieren, dass sich aber ganze sogenannten Volksgruppen daran beteiligen, kann ich eigentlich nur mit einem Gendefekt begründen. Oder mit Blutgruppe I … wie Inzest.

Der Nord-Schwarzwald ist aber kein abgelegenes Reservat irgendwo am Arsch der Welt.

Um 7:00 Uhr werde ich Inge wecken und mich verfluchen, denn ich muss sie heute früh erst mal wieder allein lassen, weil ich in die Stadt ‘spazieren’ muss, um einige Dinge zu regeln und zu erledigen. Ein Spaß wird dies keiner, denn mein Ischiasnerv macht seit vorgestern wieder mal Probleme und die anfallenden Schmerzen sind höllisch. Scheiß drauf, die Pflicht geht vor und die wenigen Zähne in der Schnauze werden halt zusammen gebissen.

Es zieht übrigens in dieser Küche, jedoch konnte ich auch in 18 Tagen bisher nicht heraus finden, woher diese Zugluft kommt und meine rechte, zum offenen Badezimmer hingewandte Seite friert, denn die linke Seite wird vom Luftstrom aus dem offenen Backofen ‘gegrillt’. Die Tür vom Badezimmer kann ich aber auch nicht schließen, denn dann können die beiden Katzen nicht aufs Klo.

Inge und ich suchen jetzt eine neue Bleibe, aber die Zeit zwischen den Jahren wird zum Beispiel erst mal tote Hose sein, denn solche intensiv zu behandelnden Faktoren werden erst einmal ins Leere laufen. War wohl gerade für drei Stunden in der Stadt, aber alles nur wegen Lebensmittel-Einkäufen, damit die kommenden Feiertage nicht mit knurrendem Magen verbracht werden müssen. Es fehlen jetzt nur noch die Getränke, aber da haben wir uns schon eine Möglichkeit aus gedacht, um die 24 Flaschen Spezi und Sprudel nicht alleine nach Hause schleppen zu müssen. Immerhin müssen so einige offizielle Stellen mehr als nur Abbitte bei Inge leisten. Tätige Hilfe muss man in Calw mit dem Lasso einfangen und Alt werden ist und bleibt gleichermaßen Scheiße.

Noch vor 30 Jahren war ich um diese Zeit im Fürstentum Liechtenstein und habe nicht im Traum an eine solche Situation wie zur Zeit gedacht und habe auch damals mit Wolfgang Kruse so einiges in diesem kleinen Land auf die Beine gestellt und unsere Kunden für die damals erstellten Videokassetten, aber auch für Filmaufträge in der Schweiz konnten immer prompt bedient werden und die Kohle war auch nicht von der Hand zu weisen. Heute muss ich mich halt mit Behörden und Ämtern herum schlagen und mich Gesetzen unterordnen, welche meinen Gerechtigkeitssinn mehr als nur beleidigen. Die Parole hieß ja, “die Rente ist sicher”. Ohne uns selbstständige Filmschaffende wäre die Filmindustrie in Deutschland schon lange den Weg alles Irdischen gegangen. Nur gedankt wird es keinem. Aber die 20 Jahre von 1972 bis 1992 werde ich nicht vergessen, denn solche 95% der positiven Erfahrungen machen wirklich nur wenige Menschen in ihrem Leben. Dass ich mich auch gleichzeitig für Beruf und Berufung entschieden hatte, geht wohl nur in Beamtengehirne nicht hinein.

Tag 17 in Calw

Samstag, den 17. Dezember – noch 7 Tage bis Weihnachten oder Heilig Abend, wie im sogenannten christlichen Abendland genannt, denn von christlichen Tugenden ist weit und breit nichts zu erkennen. Im realen Leben nichts und schon gar nichts mehr im gesellschaftlichen Kontext, auch wenn noch so viele sogenannte Brüllaffen dies lautstark immer wieder zitieren.

An der Wohnsituation von Inge und mir hat sich nichts geändert. Außer, während der Schlafenszeit frieren wir uns in der Wohnung den Arsch ab und auch das Chaos und der Saustall würde auch nicht durch die Zuführung von Alkohol oder Drogen wenigstens zum Stall von Betlehem werden. Eine der E-Herd-Platten läuft mit voller Power und die Backofentür ist mit eingeschalteter Bruzzelpower ständig offen, aber gegen die total unterkühlte Wohnung ist das nur der berühmte ‘Tropfen auf den heißen Stein’.

Inge und ich reden viel mit einander, aber auch, weil wir sonst nur wenig unternehmen können, da erst am kommenden Dienstag das Internet geschaltet wird. Die Vorbereitungen unsererseits sind bis auf ein Stromverlängerung ab geschlossen.

Der Vermieter hat Inge einen ‘wunderschönen’ Antwortbrief auf mein schon veröffentlichtes Schreiben geschickt und … er wird von Inge die passende Antwort schon noch bekommen.

So einige Stellen wurden von mir schon informiert, aber kurzfristige Reaktionen sind absolute Fehlanzeige. Da die Kommunikation nach Außen, ins Land und in die Welt, durch den Provider Telefonica (O2, E-Plus usw.) ebenfalls eine Katastrophe für sich ist und längere Telefonate mit den Handys werden sich da im Freien bei Minustemperaturen garantiert nicht ab spielen.

Aber es gibt auch kleine Freuden, denn die beiden Hauskatzen und auch Dany versuchen immer, wenn wir denn mal wieder total down sind, uns aufzumuntern. Vom Umgang der drei ‘Mitbewohner’ untereinander können wir Menschen uns so manche Scheibe ab schneiden.

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AlterKnacker

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Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.