Mit was ich mich in der letzten Zeit befasst habe:

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Inge Jurk-Prommersberger
Meine Aufzeichnungen im Ganzen:
Betr.: Anhörung meines Mannes Siegfried wegen Sanktion.
Es erstaunt mich, dass Sie eine Anhörung abfordern von meinem Mann Siegfried. Er wurde gekündigt, obwohl er alles was er wußte versucht hat, den Arbeitsplatz zu erhalten.
Ich habe ihm ein wenig assistiert dabei, viel zurück gesteckt, damit er seinen Job erledigen konnte.
Mein Mann ist 40 % behindert – ich selber bin 90 % schwerbehindert, mit Kennzeichen G. Das müßten Sie wissen, eine Kopie meines Ausweises habe ich vor längerer Zeit bei Ihnen im Jobcenter abgegeben.
Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses kehrte ein anderer Ehemann nach Hause zurück, als es jener war, der einmal dort angefangen hatte zu arbeiten. Es wird dauern, bis er sich von den Beschädigungen erholt hat, die ihm zugefügt wurden. Auch das Jobcenter Calw hat seinen Anteil an diesen Geschehnissen.
Mein Mann hat sich seine Behinderungen so wenig ausgesucht, wie ich, oder andere Behinderte. Eine Behinderung geht auch nicht so einfach weg. Es ist bei ihm unter anderem eine Entwicklungsstörung. Das bringt es zum Beispiel mit sich, dass er lernbehindert ist. Also, lesen und schreiben sind stark beeinträchtigt – aber auch das Verständnis von Sprache und Geschriebenem.
Sie – also das Jobcenter und darin die Fallmanager, etc., wären dazu verpflichtet, meinen Mann mindestens dabei zu beraten, welche Hilfen es gibt, damit er mit seiner Behinderung besser in der Arbeitswelt zurecht kommt – wenn nicht, für diese Hilfen zu sorgen. Leider ist in dieser Hinsicht nichts passiert.
Das ist weder ein Grund, um über ihn zu lachen, genauso wenig wie es ein Grund ist, über mich zu lachen, weil ich seine Frau bin. Warum das so ist, das geht andere Menschen im Grunde genommen nichts an. Leider ist das auch passiert.
Mein Mann Siegfried  bestreitet, dass er die orangene Weste seinem Chef an den Kopf geworfen haben soll. Er habe diese mit einer heftigen Geste auf dem vorhandenen Tisch abgelegt.
Zum zweiten Vorwurf übersende ich Ihnen einige Links mit der Bitte, den Inhalt dahinter durchzulesen: http://www.theologe.de/theologe4.htm
http://www.deutschlandfunk.de/wie-irma-sperling-starb-euthanasiemorde-unter-der-obhut-der.media.e67d8d0a2419861fac7f18448c0173ef.pdf
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-mit-dem-schwarzen-winkel
Es sind jene Dinge, von denen mein Mann erfahren hatte, und die er erst einmal verarbeiten mußte. Der Ausdruck „herumkuranzen“ den er verwendet haben soll, existiert im Wortschatz meines Mannes nicht, und ich kannte ihn auch nicht.
Seit dem Jahr 2012 war nichts mehr recht, was immer mein Mann Siegfried auch tat.
Sollten Sie meinen Mann sanktionieren, werden wir gegen Sie gerichtliche Schritte unternehmen.

Wo war und ist Ihre Mitwirkungspflicht ?
Mein Mann hat eine Patientenverfügung. Er lehnt den „Psychokram“ als sinnlos ab. Dies vorneweg.
Wo waren Sie, als die Persönlichkeit meines Mannes zerstört wurde?
Mein Mann Siegfried  ist entwicklungsgestört und hat eine Lernschwäche. Dazuhin wirkt sich auch eine posttraumatische Belastungsstörung heftig aus. Mit dem Sprachverständnis hapert es manchmal.

Was macht es mit einem Menschen, wenn dieser – seit er denken kann – nur harte Worte zu hören, und Prügel bekommt? – Also, schon als Kleinkind. Die Mutter hatte multiple Sklerose, und dadurch Sprachstörungen, sie konnte dem Jungen also nicht das vermitteln, was nötig gewesen wäre. Der Vater verhöhnte die Mutter oft dafür. Die sonstige Frustabfuhr dieses Vaters bestand darin, seine Kinder zu verprügeln, mit Kochlöffeln z. B., sie ohne Essen ins Bett zu schicken, und ihnen zu drohen. Z. B. unter Anderem wörtlich: „Ich schlage Dir die Haxen ab, dass Du auf den Stumpen daher kommst!“ Dieser Drohsatz begleitete meinen Mann seit er die ersten Schritte tat, bis er erwachsen war, und davon lief.
Eine solche Vorgeschichte, die dann irgendwann in die nächsten Greuel übergeht, läßt einen Menschen nie ganz sicher sein. Immer dann, wenn es ihm gerade besser geht, – wenn er sich erholen könnte,- erwartet er den nächsten Schlag.

Das zur Vorgeschichte in Kürze. Als ich meinen Mann kennenlernte, verwechselte er noch „Ich“ und „Du“. Das besserte sich sehr schon in den ersten Jahren der Ehe, verschwand die meiste Zeit sogar ganz – bis heute. Er war überwiegend unternehmungslustig, fröhlich, fürsorglich und fleissig.
Doch dann kam Hartz IV:

Wenn sich Menschen die Frage in die Vergangenheit hinein stellen, wie damals – vor Hitler – es möglich war, dass sich nicht genug Leute aufbäumten gegen dessen Zumutungen, müßten diese Leute die heutige Zeit ansehen. Peter Hartz und seine Kommission hat Hartz I bis IV nicht erfunden. Da gab es den Gustav Hartz, ein intellektueller Wortführer der Bewegung zur Zerschlagung des Weimarer Sozialsystems. Den im Unternehmerlager favorisierten Privatisierungsplänen entsprechend, schlug Gustav Hartz in seinem Buch „Irrwege der deutschen Sozialpolitik und der Weg zur sozialen Freiheit“ im Jahre 1928 vor, die Sozialversicherung à la Bismarck durch persönliches Zwangssparen zu ersetzen. Gerhard Schröders „Agenda 2010“ ist mit der Denkschrift „Aufstieg oder Niedergang“, auch herausgegeben im vorigen Jahrhundert vom Reichsverband der Deutschen Industrie (RDI), dem Spitzenverband der industriellen Unternehmerverbände, fast identisch. Erstaunlich viele Elemente aus dem Dritten Reich sind wieder populär oder werden es noch. Erschreckend sind die Parallelen zur Gegenwart. Die Vorschläge, mit denen Unternehmerverbände und Politiker das System der sozialen Sicherung verschlanken wollen, gleichen den schon damals diskutierten und ergriffenen Maßnahmen teilweise bis ins Detail.
Gustav Hartz, gehörte der DNVP an und war 1924 für ein paar Monate Reichstagsabgeordneter. 1928 erschien sein Buch „Irrwege der deutschen Sozialpolitik und der Weg zur sozialen Freiheit“, in dem
Hartz viele Fragen stellte, die heute neoliberalen Kritikern des Sozialstaates auf den
Nägeln brennen, auch wenn er noch nicht dieselben Antworten (z.B. Einführung der
Praxisgebühr) wie sie gab: „Geht man nicht bedenkenlos ein dutzendmal zum Arzt,
wenn einmal genügte – nur weil es die Kasse bezahlt?“ Hartz sah überall „Faulenzer
und Drückeberger“ den Sozialstaat plündern, für die „kein denkender Arbeiter einen
Pfennig Arbeitslosenbeiträge bezahlen“ wolle. Überhaupt stelle der damals gerade
erst geschaffene Versicherungszweig für die Lohnarbeiter „kein gutes Geschäft“ dar.

Um „den Mißbrauch der ungerechten und unnötigen Inanspruchnahme“ unterbinden
zu können bzw. „asoziale Elemente“ nicht mehr „auf allgemeine Unkosten reisen“ zu
lassen, wollte Hartz die Hilfe auf Bedürftige konzentrieren, was er in seinem nächsten
Buch „Neue Wege der Sozialpolitik“ sozialdarwinistisch begründete: „Eine soziale
Politik darf nicht mit der Sorge um die Kranken, Invaliden, Witwen, Waisen und
Arbeitslosen die Förderung der Lebenstüchtigen, Leistungsfähigen und Arbeitenden
vergessen.“
Und, dieser Gustav Hartz war evangelisch.
http://www.nachdenkseiten.de/?p=2020&output=pdf
https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Hartz
Hartz IV aus faschistischem Gedankengut heraus kristallisiert:
Dieses System für Arbeits- und Erwerbslose vorgesehen wirkt sich schleichend aus. Wie sich dieses System auf einen Menschen auswirkt, der vorgeschädigt ist, der schon schwarze Pädagogik erfahren hat, das ist einfach nur verheerend.

Wie sich die heutige Arbeitswelt mit ihren Tücken und Fussangeln auf einen Menschen mit den Behinderungen wie sie mein Mann hat, auswirkt, ist mehr als perfide. Besonders dann, wenn andere Menschen denken, dass diese Art Behinderte nur dumm sind, nur ihren Vorurteilen zu entsprechen haben, oder in irgendwelche Klischees passen sollen.
Das alles ist meinem Mann widerfahren, hat ihn systematisch unter Druck gehalten, zermürbt und fertig gemacht. Und das Jobcenter, als es endlich beteiligt war, hat noch einen Trumpf sozusagen obenauf gesetzt.

Als Siegfried  bei der Stadt Calw zu arbeiten begann, zuerst auf 1.—Euro-Basis, lief alles gut. Er freute sich auf seine Arbeit, und es gab in dieser Zeit auch keine Beschwerden. Danach wurde er übernommen:

Aus dem Arbeitsvertrag:
Auszug aus dem Arbeitsvertrag, nach den Bestimmungen des Gesetzes über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge – Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) – vom 21. 12. 2000 (BGBI.IS.1966)
Der Beschäftigte wird eingestellt:
Als Teilzeitbeschäftigter mit einer durchschnittlichen regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit von 25 Stunden für die Dauer der Bewilligung des Beschäftigungszuschusses nach § 16e, Absatz 6 SGB2.
Der Beschäftigte ist im Rahmen begründeter betrieblicher, dienstlicher Notwendigkeiten zur Leistung von Bereitschaftsdienst, Rufbereitschaft, Überstunden und Mehrarbeit verpflichtet.
Das Arbeitsverhältnis bestimmt sich nach dem Tarifvertrag öffentlicher Dienst (TVöD) und den diesen ergänzenden, ändernden oder ersetzenden Tarifverträgen in der für den Bereich der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) jeweils geltenden Fassung einschliesslich des Tarifvertrages zur Überleitung der Beschäftigten der kommunalen Arbeitgeber in den TVöD und zur Regelung des Übergangsrechts (§ 1. Abs.2 TVÜ-VKA). Ausserdem finden die im Bereich des Arbeitgebers jeweils geltenden sonstigen einschlägigen Tarifverträge Anwendung.
Das Arbeitsverhältnis endet mit dem Wegfall des Beschäftigungszuschusses. Tritt dieser Fall ein, wird es mit sofortiger Wirkung fristlos gekündigt.
Die Probezeit entfällt.
Der Beschäftigte ist in der Entgeltgruppe 1 eingruppiert (§ 17 TVÜ-VKA). Sonstige Abreden sind unwirksam, wenn sie nicht schriftlich vereinbart werden.
Zu Beginn dieses Abschnitts – also, mit Vertrag – riet der Chef dazu, mein Mann solle sich nicht allzu tüchtig loben, das könnte seinen Arbeitsplatz gefährden. Merkwürdig, oder? Ich kann es nur so verstehen, dass befürchtet wurde, er verliere dann die Förderung, an die der Arbeitsplatz ja sozusagen gekettet war.
Es ist nett, dass bei der sogenannten „Aktivierung“ des in Arbeit zu Vermittelnden – um Hindernisse und Behinderungen abzubauen, oder auszugleichen, die Bedarfsgemeinschaft eingebunden werden soll. Die Sippenhaft wird auch hier angewandt, wenn ich persönlich mich selbstverständlich eingebunden habe, so weit wie möglich dies meine eigenen Behinderungen zugelassen haben. Ich habe in weiten Teilen mich selber zurückgestellt, um die Chance meines Mannes zu erhöhen, und habe meine schriftlichen uns sonstigen Fähigkeiten zur Verfügung gestellt.
§16e, Absatz 6 SGB 2 – es fällt auf, dass dieser Absatz 6 nur noch schwer aufzufinden ist, wenn man danach sucht. Fündig geworden bietet sich folgender Text:
(5) Bei einer Fortführung der Förderung nach Absatz 4 Nummer 1 Satz 2 kann der Beschäf-tigungszuschuss gegenüber der bisherigen Förderhöhe um bis zu 10 Prozentpunkte vermin-dert werden, soweit die Leistungsfähigkeit der oder des erwerbsfähigen Leistungsberechtig-ten zugenommen hat und sich die Vermittlungshemmnisse verringert haben.

(6) Werden erwerbsfähige Leistungsberechtigte für die Dauer der Erbringung des Beschäfti-gungszuschusses eingestellt, liegt ein sachlicher Grund vor, der die Befristung des Arbeits-verhältnisses rechtfertigt.
Ab 2012 gab es dann eine neue Fassung:
(5) Eine Förderung ist ausgeschlossen, wenn zu vermuten ist, dass der Arbeitgeber
1.
die Beendigung eines anderen Beschäftigungsverhältnisses veranlasst hat, um eine Förderung nach Absatz 1 zu erhalten, oder
2.
eine bisher für das Beschäftigungsverhältnis erbrachte Förderung ohne besonderen Grund nicht mehr in Anspruch nimmt.

Der Absatz 5 hat einen völlig anderen Text, und der Absatz 6 ist total weg gefallen.
Ab dem Jahr 2012 fiel also die Befristung weg, sozusagen, was sonst noch weiss ich nicht. Jedenfalls ging ab diesem Jahr nichts mehr den normalen Gang, wie zuvor.

Einen Auszug aus einem neueren Arbeitsvertrag habe ich nicht im Moment – aber die Umstände der Arbeit – abgesehen von diesem Paragraphen 6 und dem Wegfall der Befristung blieben ja gleich. Ich habe erst da Einblick in den Arbeitsvertrag bekommen, was eine Katastrophe darstellte. Wäre das gleich zu Beginn des Arbeitsverhältnisses geschehen, und wäre darüber gesprochen worden, hätten sich so manche Differenzen eventuell vermeiden lassen.

Wie gesagt, ich habe mich freiwillig eingebracht – von der Arbeitsagentur bekam ich keine Aufforderung.
Es hätte sich vermeiden lassen, dass es Querelen wegen der Handy-Nutzung gab. Mein Mann kann nicht mit Handys umgehen. Abgesehen davon, dass er sich unter Zwang fühlt, klappt es auch mit der Bedienung nicht optimal. Wir haben in der Zeit, in der es unter dem Druck seines Chefs darum ging, ein Handy zu benutzen, 4 Handys verschlissen. Immer wenn es nicht klappte damit, warf mein Mann die Dinger einfach weg. Das Firmenhandy blieb in der Schublade zu Hause, er wollte ja die Firma nicht schädigen, und sich selber auch nicht, wenn er wieder nicht damit zurecht kam.

Mein Mann hat Tagesstruktur – seine. Das bedeutet, dass er früh aufsteht, durcharbeitet, und sich erst dann auf den Hosenboden setzt, wenn er fertig ist. Diese Art Durcharbeitungs-Struktur braucht er, mit Unterbrechungen kommt er nicht sehr gut klar.
Ab 2012 wurde durch den Chef permanent an den Stunden herumlaboriert, zu Ungunsten meines Mannes.
Bei einer Besprechung deshalb im Jobcenter wurde meinem Mann geraten, einfach alles zu machen, was der Chef anordnet. Im Klartext: Nichts hinterfragen.
Ich fragte – und frage – mich: Wozu gibt es Arbeitsgesetze – ein Arbeitsrecht – wenn dies dann nicht angewandt wird ? – Oder wenn dieses sogar hintertrieben wird?
Nachdem mein Mann den Halt für sich im ganzen Kuddelmuddel gesucht hatte, riet ich ihm, er solle sich ans Arbeitsrecht halten. Oha ! – Das war wohl nicht so ganz erwünscht.

Bei Arbeitsbeginn konnten sich die Arbeitenden des Öfteren gleich eine Rüge vom Chef anhören, vor den anderen die auch schon anwesend waren. Ja, dabei wurde auch geschrien – vom Chef. Und, später über Funk konnte sich mein Mann anhören, dass er einer sei, der nicht mache, was man ihm sage. – Das, obwohl andere über Funk mithören konnten.
Warum die Arbeitszeiten nicht einfach belassen wurden, wie sie zuvor waren, entzieht sich meiner Kenntnis. Im September 2012 mußte mein Mann dann bei seinem Chef zu einem Termin erscheinen, ich begleitete ihn.

Leider kam ich bei diesem Termin nicht zu Wort. Auch vermittelnd konnte ich nicht eingreifen, denn dazu gaben mir die Herren keine Gelegenheit. Der Chef sprang sofort verbal in’s Volle, und beschuldigte meinen Mann – Arbeitszeitbetrug, falsche Angaben, etc., und sich nicht an die Zeiten halten. Hier muss ich anmerken, dass mein Mann keine Lohnzettel ausfüllen kann. Ich hatte früher damit nie etwas zu tun, wir stempelten noch, als ich arbeiten ging. Aber, es blieb an mir hängen – ich mußte die Lohnzettel zwangsläufig für ihn schreiben. Und, egal wie ich es machte, immer war angeblich etwas verkehrt.
Bei diesem Termin drohte der Chef mit Kündigung, – wollte Schadensersatz in Form von Lohnabzügen, usw., und er äußerte sich diskriminierend, indem er behauptete, mein Mann wolle nicht arbeiten. Das war eine glatte Lüge, denn ich erlebe meinen Mann, wenn er zur Arbeit geht – und wann er aufsteht – und wie er es angeht. Der Herr Chef ist um diese Zeit nicht dabei. Und, ich wußte wann er zurückkommt. Auch von den Menschen in der Stadt war zu erfahren, wie diese meinen Mann sahen, und dort war es meistens Lob, was zu hören war.

Bei diesem Termin sprang der Chef dann nach einigen Minuten auf, behauptete, man könne nicht reden, und verliess den Raum. Nachdem wir – mein Mann und ich – dann auch gingen, behauptete der Chef noch einmal, mein Mann wolle sicher nicht arbeiten – es ging um eine Vertretung. Hier widersprach ich, und auch mein Mann sagte, dass er die Vertretung machen wolle, und nichts vom Ggenteil gesagt habe. Das war das Einzige, wo ich auch etwas sagte – später behauptete der Chef, mit mir könne man auch nicht reden.
Diese und andere Pressuren verstärkten sich mit der Zeit – und steigerten sich. Der Chef zuvor wurde versetzt, es kam der neue Chef. Besser wurde es nicht.

Als meinem Mann – auch vom Jobc enter, – geraten wurde, nichts zu hinterfragen, war damit zum Beispiel auch Sonntagsarbeit gemeint. Dass diese, samt Zeiten der Rufbereitschaft, arbeitsrechtlich gesehen, eigentlich geregelt gehören, ist wiederum eine Sache für sich. Über Regelungen war aber mit den Chefs nicht zu reden. Der Herr  vom Jobcenter sagte wörtlich: „Wenn mich mein Chef zum Wochenende hin anruft, dass ich arbeiten soll,- dass ich zum Beispiel nach Nagold soll,- dann mache ich das einfach.“
Ich wurde dafür gerügt, dass ich die eMails für meinen Mann nicht immer am selben Abend noch abgerufen hatte. Mir war nichts davon bekannt, dass ich einen Vertrag mit der Stadt gehabt hätte.
Mein Mann mußte dann im Personalbüro erscheinen. Als Begleitung hatte er eine gemeinsame Bekannte dabei. Diese ist ebenfalls behindert, aber sie kann verständlich schreiben, ist also etwas fitter in dieser Hinsicht als mein Mann. Dies darum, weil ich aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage war, mitzugehen. Ich weiss nicht mehr, worum es eigentlich ging, aber die wichtigste Frage von der Personalrätin und seinem damaligen Chef war, ob mein Mann mit dieser Frau ein Verhältnis habe. Das wurde er offen gefragt.
Meinem Mann wurden Verhältnisse angedichtet, über die geredet wurde,- ihm wurde Schwarzarbeit angedichtet,- und ihm wurde nachgesagt, dass er gar nicht wirklich krank sei, auch dann, wenn er wegen Gelenksschäden gerade im Krankenhaus war.
Das Einzige, was zählte war: Wir sind bei der Stadt so lange der Arbeitsvertrag läuft – der mit der eingebauten Kündigung – und dafür reissen wir uns den A…. auf. Vor allem als Bild in der Öffentlichkeit. Das kann auch lange Zeit gut gehen. Aber, dann kommen die Momente, wo es doch nicht so ganz befriedigt für einen Hungerlohn mit noch mehr gekürzten Stunden sich vom Chef diskriminieren, und von Kollegen mobben zu lassen, und die Gewerkschaftler sehen irgendwie auch nur zu.

Es wird getrickst und zurechtmanipuliert, bis die Sonderschichten quasi umsonst abzuleisten sind. Angeblich hat man zu wenig gearbeitet, und soll nachleisten. Andererseits fordert die Betriebsleitung noch mehr Arbeit in weniger Stunden. Alles was behauptet wird, widerspricht sich diametral und in sich selber, aber es wird durchgepaukt.

Damit das auch ganz klar wird, dass es nichts zu widersprechen gibt, macht die Geschäftsleitung bei jeder Gelegenheit und auch vor anderen Leuten und Kollegen klar, welcher miese Arbeiter man angeblich ist.
Es wird diskriminiert, herabgesetzt, schlecht gemacht. Hartz IV Aufstocker gelten als das Allerletzte, schliesslich sagt das auch die BILD-Zeitung, und darum wird es auch betont. Meinem Mann wurde offen gesagt, – und auch mir am Telefon,- dass diese Arbeitsstelle seine letzte Chance sei. Er solle sich nicht zu sehr hervortun, sonst sei die Förderung gfährdet.

Wegen des Geschwätzes habe ich dem damaligen Chef eine Mail zugesandt:

Inge Jurk-Prommersberger – im Auftrag von:
Siegfried
Betr.: Diverse Vorkommnisse in letzter Zeit.
Sehr geehrter Herr
Meine Mail an Sie, mit der Bitte um etwas Rücksichtnahme auf die Schonfrist von Siegfried – und darum, dies an den Gruppenleiter  weiter zu geben, da er ja die Arbeiter einteilt – war lediglich zur Kenntnis für Sie und Herrn GRPL bestimmt.
Das Gleiche galt auch für den weiteren Inhalt der Mailpost.
Dass der Inhalt der Mailpost dann von vielen Mitarbeitern der sonstigen Belegschaft der SBC diskutiert wurde, ist seltsam, und mir unverständlich.
Auf Grund dieses Vorkommnisses werde ich nicht mehr auf dem Weg der eMails mit Ihnen kommunizieren, sondern nur noch auf brieflichem Wege.
Meinen Account: Nord löschen Sie bitte aus Ihren Kontakten.
Ein wenig hatten wir gestutzt, als wir in Ihrer Weihnachtspost mit den Genesungswünschen für Siegfried diesen Satz lesen konnten: „Es war uns nicht bewusst, dass Siegfried ernsthaft krank ist.“
Das kann man ja – bevor es zur ernsthaften Erkrankung und also zum Arztbesuch und zur Krankmeldung kommt, auch nicht wissen.
Traurig hingegen ist, dass verbreitet wurde und wird, Siegfried sei gar nicht ernsthaft krank, – auch nicht trotz Arzt und Krankmeldung – sondern habe sich krank schreiben lassen, um angeblich schwarz zu arbeiten. Auf dieses Gerede wurde auch ich telefonisch von einer Bekannten angesprochen, und Siegfried ebenfalls – auch von diversen Geeschäftsleuten in Calw, in deren Läden dieses Thema offenbar offen angesprochen worden war.
Solche Vorgänge sind ein ernstes Problem,- bedeuten üble Nachrede und Rufschädigung.
Wir erwarten keines Falls, dass andere Leute meinen Mann unbedingt mögen müssen. Allerdings kann erwartet werden, dass derlei Lügen unterbleiben.
gezeichnet – im Auftrag:
„Es war uns nicht bewusst, dass Siegfried ernsthaft krank ist.“
Dieser Satz ist vielsagend, und drückt das aus, was als Unterstellungsklima fast täglich vorhanden war: „Solche, wie der, die wollen nur nicht arbeiten.“ Und, wenn das Klischee nicht passt, dann wird es eben passend gemacht.
Es ist doch so, dass man sich nie bewußt sein kann, ob ein Mensch krank ist. Im Allgemeinen nimmt man an, dass das nicht der Fall ist – bis eben eine Krankmeldung erfolgt. Mein Mann war wegen Herzproblemen beim Arzt und im Krankenhaus. Mehrmals auch wegen Knieproblemen.
Immer wurden ihm danach mindestens die Sondereinsätze, die angefallen wären, als Sollstunden angerechnet. Nach einer längeren Krankheitszeit sollte mein Mann wieder langsam eingearbeitet werden. Der Chef verweigerte dies, mit der Begründung, mein Mann arbeite sowieso schon so wenig. Das hatte den Vorteil für den Chef, dass die Krankenkasse weiter bezahlen mußte, und er nicht beteiligt wurde an den Kosten.

Meinem Mann wurde gedroht, dass man ihm die Polizei hinterher schicken würde, ob er auch arbeite. Danach wurde diese Drohung wieder zerredet und bestritten.
Kippen sollten aus den Ritzen der Pflastersteine entfernt werden. Eigentlich macht das die Kehrmaschine, weil diese Zigarrettenkippen extrem schlecht zu entfernen sind. Der Chef verlangte dies von meinem Mann aber mehrmals. Er ging mit Bürstchen und Zahnbürste zu Werke, denn die Stadt  verfügt zum Beispiel nicht über eine Glutton-Maschine. Selbstverständlich kann mit Klein-Handwerkszeug kein Wunder vollbracht werden.

Mein Mann fand verschlossenes Arbeitsgerät vor,- oder es hatte dieses Arbeitsgerät eine andere Person. Der Chef bestritt, dass mein Mann seine Arbeitskraft zur Verfügung gestellt hatte – er bestritt Arbeitseinsätze meines Mannes, obwohl dieser anwesend gewesen war und gearbeitet hatte. Über ein Jahr lang wurde ihm der Urlaub versagt, und er – und ich – wurden in diesem Zusammenhang auch veräppelt. Der Gruppenleiter rief an und sagte, wir könnten nun Urlaub beantragen. Nachdem wir das getan hatten, wurde doch wieder abgelehnt. Das war der Grund, warum die Worte gefallen waren: „Du kannst Dir den Urlaubsschein unter die Vorhaut jubeln.“
Das ist keine Beleidigung, sondern eine unangemessene Äußerung.

Warum geschieht so etwas? Wenn ein Mensch wie mein Mann verunsichert wird, auch gegenüber dem Jobcenter das Gefühl bekommt, dass alle nur eine Linie vertreten, dann verliert solcher Mensch schon nach kurzer Zeit seine berufliche Handlungssicherheit. Mein Mann hat es lange Zeit geschafft, die Schwierigkeiten auszugleichen, und seine Arbeit zu tun. Irgendwann wirken sich die seltsamen Methoden und zusätzlichen Schwierigkeiten, die gemacht werden, eben doch aus.
Das geschieht allerdings auch mit nicht-behinderten Arbeitnehmern, denen solche Methoden widerfahren. Es kann zu Arbeitsfehlern kommen – ein Trumpf für den Arbeitgeber, und die anderen Beteiligten. Meinem Mann fallen sachbezogene Auseinandersetzungen schwer. Also, frisst er alles in sich hinein.

Bevor der Chef  ging, kam es noch zu anderen Vorfällen: Der mobile Dienst, an dem mein Mann teilnahm, sollte laut Arbeitsplan 2 ½ Stunden dauern. Plötzlich wurde mein Mann von den Kollegen die fuhren, nach 1 ½ Stunden vom Auto geschickt – um es genau zu sagen, fast verjagt. Der Chef habe es ihnen so gesagt. Und sie taten es, weil sie selber Angst hatten, Schwierigkeiten zu bekommen.
Wieder ein neuer Kampf gegen Hindernisse. Wem wird letztendlich mehr geglaubt? – Dem Chef selbstverständlich. Denn die mit Hartz IV sind doch alle gleich. Wenn sie sich am Arbeitsrecht orientieren ist das ein Beweis dafür, erst recht, dass sie nichts tun wollen. Genau so sieht das aus – und ihre Behinderungen, sind das nicht nur faule Ausreden? Das ist doch die Grundstimmung hinter allem, auch hinter Hartz IV an sich.

Es wird immer angenommen , dass keiner arbeiten wolle, falls er auf andere Art zu Geld komme. Ich habe im Bekanntenkreis herum gefragt, und Antworten bekommen. Ich fragte danach, was diese Bekannten machen würden, wenn sie im Lotto gewinnen würden – so viel, dass sie eigentlich ausgesorgt hätten. Es waren 10 Leute, und alle wollten weiter arbeiten. Selbst mir würde unter diesen Umständen eventuell noch etwas einfallen…
Aber, es wird ja angenommen, dass die Menschen nicht wollen. Die gibt es vielleicht auch – ich habe noch keinen getroffen, der noc h halbwegs irgend etwas tun kann.
Es ist allerdings traurig, wenn statt der angesagten Förderung ein behinderter Mensch über Jahre hinweg verunsichert wird. Es gab nun häufiger lang dauernde „Personalgespräche“ in denen sich Herr Siegfried rechtfertigen sollte. Herr Siegfried kam nicht genügend zu Wort. Seine Meinung wurde nicht mehr für bedeutsam gehalten. Er erhielt Abmahnungen. Er wurde nicht mehr für Sondereinsätze angerufen, auch nicht für die spärlicher werdenden Winterdienste. Hinterher wurde behauptet, dass er nicht gewollt hatte. Die Personalleiterin sagte, es gäbe Beschwerden von Kollegen. Herr Siegfried fragt nach. Die Personalleiterin verrät nicht, welche Kollegen konkret was beanstandet haben sollen. Sie verweist auf Datenschutz. Außerdem vermisse sie bei Herrn Siegfried leider die nötige „Einsicht“.
Herrn Siegfried gelingt keine wirksame Gegensteuerung, schon gar keine „Konfliktlösung“. Der Konflikt lässt ihn schon auch privat nicht mehr los. Er entwickelt Krankheitssymptome. Ihn begleiten jetzt Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Schlafstörungen, psychosomatische Erkrankungen, Durchfälle, Ängste und Verstimmungen. Sein Hausarzt schlägt vor, ihn für einige Zeit krank zu schreiben. Der Arzt meint, so könne Herr Siegfried erst einmal zur Ruhe kommen. Vorerst will Herr Siegfried sich aber nicht krankschreiben lassen. Er will nicht aufgeben. Noch nicht.
Irgendwann wurde er krankgeschrieben. Wer einem Arbeitsplatzkonflikt ausgesetzt ist, müsste üblicherweise sein Arbeitsverhältnis selbst kündigen, um dem Konflikt zu entgehen. Das geht aber nicht, weil sonst die Lebensgrundlage auf dem Spiel steht. Arbeitgeber und Vorgesetzte können die Arbeitsumstände der Arbeitnehmer im Wege des Weisungsrechts regeln. Dies ermöglicht zwanglos Machtge(miss-)brauch: Die Arbeitsbedingungen eines in Ungnade gefallen Arbeitnehmers können ohne Aufwand so gestaltet werden, dass der Betroffene erheblich unter Druck gerät.
Es gibt immer irgendwelche „sachliche Gründe“ mit denen das Ganze unterfüttert werden kann. Wenn dann ein davon betroffener Mensch, wie mein Mann, auf der sprachlichen und verstehenden Ebene behindert ist, ergibt sich daraus doch eine wunderbare Grundlage für das Spiel mit dem Druck und der Weisungsmacht. Und genauso spielte es sich auch ab. Der Chef betont sein Weisungsrecht und sagt seinem Arbeiter, er solle doch selber Chef werden, dann könne er selber bestimmen.
Was nicht erreicht wird: Den Betroffenen wird kein Weg gezeigt, sich im Konflikt erfolgreich zu behaupten.
Fürsorgepflicht des Arbeitgebers?
Arbeitgeber sind verpflichtet, auf das Persönlichkeitsrecht, die Gesundheit und andere berechtigte Interessen ihrer Arbeitnehmer angemessen Rücksicht zu nehmen.
Der Begriff Fürsorgepflicht ist sprachlich überholt. Es geht bei der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers nicht um „Sozialfürsorge“. Auch nicht um bloße „Höflichkeiten“. Die Fürsorgepflicht ist eine gesetzlich geregelte Rechtspflicht (§ 241 BGB). Es geht es darum, ein angemessenes Mindestmaß an Schutz und Rücksichtnahme durchzusetzen. Traditionell werden diese Pflichten zusammenfassend als Fürsorgepflicht des Arbeitgebers bezeichnet.
Aufgrund des verfassungsrechtlich gewährleisteten Persönlichkeitsschutzes ist der Arbeitgeber verpflichtet, Personalinformationen vertraulich zu behandeln (BAG vom 15.07.1987 – 5 AZR 215/86- AP BGB § 611 Persönlichkeitsrecht Nr. 14). Personalangelegenheiten, insbesondere Kritik am Verhalten des Arbeitnehmers, hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer grundsätzlich unter vier Augen mitzuteilen – und nicht etwa in Anwesenheit oder Hörweite von Kollegen (vgl. BAG, vom 18.12.1984 – 3 AZR 389/83 – AP BGB § 611 Persönlichkeitsrecht Nr. 8).
Welche rechtlichen Folgen hat die Verletzung der Fürsorgepflicht?
• Die Verletzung der Fürsorgepflicht kann zur Haftung des Arbeitgebers führen. Es geht um Schadensersatz, Schmerzensgeld oder eine Entschädigung wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechts.
• Die Verletzung der Fürsorgepflicht kann den Arbeitnehmer auch berechtigen, das Arbeitsverhältnis außerordentlich fristlos zu kündigen. Dem Arbeitgeber kann dann Abfindung abzuverlangen (§§ zustehen (§§ 626, 628 BGB).
So. Kann das ein behinderter Arbeitnehmer leisten und durchsetzen? Ohne Anwälte? Wohl kaum. Und Sie kommen an, und wollen wen sankionieren, der sich nicht auf angebrachte Weise wehren kann. Wenn ein Anwalt das merkt, dass einer darin nicht so beschlagen ist,- dass er beschädigt ist, dann kann es sein, dass dieser auch nicht viel unternimmt. Bei Hartz IV lohnt sich das eben nicht sonderlich – auch nicht für einen Anwalt unbedingt.
Finale:
Bevor der alte Chef, Herr Rentschler vollends versetzt wurde, war er der Meinung, wir – also, mein Mann und ich – wollten ihn los werden. Ich bin zumeist der Meinung, dass selten etwas Besseres nachkommt, lasse mich aber gern überraschen. Mein Mann war schon zu erledigt, um noch darüber nachzudenken. Mir persönlich war es auch egal, welcher Chef, oder was – ich arbeitete nicht dort, – ich pflege einen höflichen Umgangston, und das war es für mich. Deshalb war diese Unterstellung etwas, das eigentlich für einen Chef nicht angemessen ist.
Er drohte auch an, dass er den neuen Chef schon instruieren werde, wie das alles so sei auf dem Bauhof…
Dann kam der neue Chef, und neue Verständigungsprobleme. Diesmal wurde ich nicht einbezogen, ausser wenn  etwas Belangloses zu regeln war.
An einem Morgen unterhielt ich mich online mit einer Bekannten, die künftig auch einige Mitarbeiter haben würde, als Filialleiterin. Sie las gerade einen Artikel in einer der grossen Zeitungen zum Thema, und ich las dann mit. Dort war von Führung die Rede, Führungskraft, etc. Vermutlich aus diesem Hintergrund heraus benutzte ich dann in einer Mail an Herrn Gunzenhäuser in der Adressierung „Führung“ – also, an die Führung oder den Führer des Bauhofs… etc. Daraufhin unterstellte mir Herr Gunzenhäuser faschistische Tendenzen. Ich habe mir diese Anwürfe verbeten.
Mein Mann Siegfried mußte dann wieder einmal zum Chefgespräch. Leider nahm er mich nicht mit. Er hat eine Menge davon verdrängt, also nehme ich an, dass es um die alten Geschichten und angeblichen Sollstunden ging, denn der alte Chef war auch dabei. Mein Mann sollte so eine Art Selbstbezichtigung und Schuldbekenntnis unterschreiben, wie bösartig und aggressiv er sei. Das tat er Gott sei Dank nicht – und meine Reaktion darauf war der Ausruf:
„Ja, sind wir denn in China?“

Er sollte am Morgen nach dem mobilen Dienst jedesmal im Bauhof erscheinen – damit er die vom Chef angegebenen Zeiten ja einhielt. Das Arbeitsgerät der Leute, wie mein Mann, die dann in der Stadt Müll beseitigen, befindet sich aber nicht im Bauhof – sondern in der Stadt am Zob in einem Kämmerchen. Es wäre – wieder – eine zusätzliche, unbezahlte Belastung gewesen. Und, es stellte eine Behandlung meinses Mannes ähnlich einem Kleinkind dar, der nur er Folge leisten sollte.

Er sollte wieder an den Wochenenden arbeiten. Mein Mann äußerte den Wunsch, dass er wegen seiner Frau – also mir – an den Wochenenden wenigstens überwiegend freie Zeit haben wollte. Daraufhin wollte  der Chef die Arbeitszeit insgesamt kürzen. Ich hatte Bedenken, dass das auch beim Jobcenter Nachteile bedeutet – und mein Mann unterschrieb nur unter Vorbehalt. Er wollte seine 25 Stunden aus dem alten Vertrag behalten.

Ein weiteres klärendes Gespräch, und eine Änderungskündigung erfolgte nicht. Es kam dann zu dem Gespräch, bei dem mein Mann angeblich die Weste irgendwie an den Kopf des Herrn Chefs plaziert haben sollte – was mein Mann bestreitet. Der Chef drohte die Kündigung an, woraufhin es dann wohl zu dem Ausbruch meines Mannes kam – mit dem er sagen wollte:
„Das, was früher in faschistischen Zeiten mit den Juden und auch anderen Menschen gemacht wurde, das ist heute Hartz IV. Und Ihr Evangelischen alle, Ihr wart immer dabei.“
Er ist nicht so gewandt mit den Worten, aber das war es, was er meinte. Das mag unangemessen sein, aber nach zwei Jahren Mühe und Drangsal ist es verständlich.

Siegfried hatte die Schnauze gestrichen voll.

Immer, wenn das Jobcenter den Rücken dreht – sozusagen – gehen die Arbeitsverhältnisse ihre eigenen Wege mit den Betriebsmethoden, von denen der jeweilige Chef sagt – egal wie er heisst: „Bei uns ist das eben so !“ Die anderen ducken sich, und nur der geförderte, behinderte Mitarbeiter ist der „Arsch vom Dienst“.

Ich weiss auch nicht, was 2012 und 2014 bei den Förderbedingungen nicht mehr genehm war, denn in diesen Zeiten wurde das Herummachen an den Stunden und die Bedingungen forciert.
Mein Mann war bei seinen Arbeitseinsätzen hilfsbereit und freundlich, half gestürzten Passantinnen wieder auf, – einer alten Oma ihren Stock wieder beschaffen, den sie stehen gelassen hatte,- usw.
Ich könnte Ihnen noch mehr erzählen, aber ich denke, das Wesentliche habe ich abgedeckt.
Wenn ein Mensch einfach arbeiten will, – wenn er sowieso Frühaufsteher ist,- dazu fröhlich und gerne arbeitet, wenn ihm keine Knüppel zwischen die Beine geworfen werden,- ist er heute in der Arbeitswelt offenbar fehl am Platz.

Wir hatten versucht über einen Gleichstellungsantrag seine Chancen zu verbessern, darauf wurde gar nicht reagiert.

Es muss kompliziert gehandhabt werden, denn einfach wäre ja langweilig – für die Chefs. Also, kann einem Herrn Siegfried nicht gewährt werden, dass seine Bedürfnisse wahrgenommen werden ungefähr – nein, es müssen Konstrukte sein, die ihm den Tag versauen – wie er es letztendlich empfunden hat.
Der halbwegs professionelle Umgang mit Menschen wie meinem Mann Siegfried  ist nicht gewährleistet, es fand keine Kontrolle statt. Er kam sich oft vor, wie das „letzte Aufgebot“ das vorangepeitscht werden soll, damit es irgend etwas macht, was in die Methoden der Chefs passt. Arbeit ist längst nicht mehr für den Menschen da, sondern der Mensch für die Arbeit – egal wie.
Wie ich schon erwähnte, geht die Behinderung eines Menschen nicht einfach weg. Diese ist eine starre Tatsache, deshalb ja Förderung. Wenn diese aber mit an Mobbing gemahnenden Methoden durch die Arbeitgeber gehandhabt wird, und jedes Fehlverhalten, das eben auch zu der Behinderung gehört, zu nicht förderlichen Auswüchsen führt – ist diese Art Förderung eben nic ht gegeben.
Ich habe mir erklären lassen, dass auch nicht behinderte Menschen unter diesen Bedingungen krank werden. Eine Ausnahme wegen seiner Behinderung ist mein Mann unter diesem Aspekt also gar nicht.
Betroffen davon war auch ich. Verwirrung und Scham, Ärger und Frust – wie wirkt sich das aus? Mein Mann schweigt dann tagelang – oft bis zu einer Woche. Er ist erstarrt, verzweifelt. Muss das sein? Dazuhin wird er wieder und wieder getriggert. Wenn sie nicht wissen, was das ist, suchen Sie sich die Erklärung dazu.

Und auch mich triggert es, denn meine Vergangenheit in meiner Familie war auch durch Misshandlungen geprägt – sehr lange Zeit. Und ich habe zehn Jahre lang gebraucht, um darüber hinaus zu wachsen. Allerdings habe ich nicht die Einschränkungen, die mein Mann hat – was es für mich anders machte.
Jede Massnahme, die eingreift – jede „Reparatur“ – ob an der Gesundheit des Menschen, oder in seinem Leben, kann nur eine Krücke sein. Wenn sie passt, kann sie dazu beitragen, dass es besser wird.
Hartz IV ist keine Krücke, sondern etwas ganz Anderes.
Gez.:

7 Kommentare

  1. Anonette Anoona

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