Die brotlose Kunst …???

Versteckt unter der Rubrik “Gesellschaft”, wobei aber nicht die Gemeinschaft im Allgemeinen gemeint ist, hat sich am 01.06.2015 ein Artikel der FAZ ‘niedergelassen’, der sich mit Filmschaffenden und hier besonders mit Schauspielern und Schauspielerinnen befasst, welche sich im stetigen Existenz- und Überlebenskampf befinden und kein Auge bleibt trocken.

Selbst in den Kommentaren zu diesem Artikel bleibt der Tenor der ‘Handelnden’ fast immer gleich und nur einer hat den wahren Grund erkannt und benannt.

Wir sprechen hier von einem ‘Völkchen’, welches noch vor Hundert, vor Hundertfünfzig und 200 Jahren nicht gerade den besten Ruf in der Gesellschaft genoss, denn meist waren sie das ‘fahrende Volk’, unstet und meist auch noch bettelarm. Nur ganz außergewöhnliche Persönlichkeiten waren weiter bekannt als nur in der Umgebung größerer Städte.

Erst die Erfindung der Cinematographie, der Filmkunst, lies es zu, dass die Damen und Herren Darsteller rund um den Erdball Bekanntheitsgrade erreichten, welche sie zu Ikonen werden lassen konnten. Aber nicht jeder Mann und jede Frau sind zur Ikone bestimmt und nur ganz wenige schaffen diesen Weg in den Olymp. Sie selbst nennen sich Künstler und so einige sind es ja auch. Ganz besonders Schauspieler/innen, welche nicht nur rezitieren, sondern auch selbst verfassen können.

Persönlich habe ich in diesen Kreisen selbst gelebt und gearbeitet und ständig gelernt, von 1972 bis Ende Dezember 1991. Nur war ich der sogenannte ‘Nachspann’, zuständig für die unabdingbare Technik, ohne welche die “Herrschaften” niemals hätten ‘überleben’ können. Natürlich werde ich diese 20 Jahre niemals vergessen, auch wenn der Abspann in einem Film, egal ob für das Kino oder den Fernseher, von 80% des Publikums niemals wahr genommen wird. Allein die Tage mit Hilde Knef werden immer in meinem Gedächtnis verankert sein, denn Hilde war menschlich und ‘göttlich’ in einem und – sie hatte keinerlei Berührungsängste mit ‘uns’ einfachen Leuten von der Technik.

Dass der Beruf und die Berufung des/der Schauspieler -innen immer etwas ganz besonderes sein muss und sein wird, werde ich hier ganz sicher niemals bezweifeln. Dass sie aber in vielen Fällen auch sehr Ich-bezogen sind, muss man ihnen manches Mal schon übel nehmen, denn ohne uns Techniker, also Ton und Kamera, Baubühne und Garderobe, Maske und Licht und viele andere technische Berufe, wären sie eigentlich längst verhungert und verdurstet. Wir leben in einer unentrinnbaren Symbiose.

Und jeder hat einmal ganz klein und mickrig an gefangen. So wie ich selbst als Mikromann in der Produktion “Der Hauptdarsteller”, ausgerechnet ein Film im Film – und es war eine relativ kurze ‘Karriere’, wenigstens bei diesem Film. Genau nach 14 Tagen flog ich aus dem Team, nicht, weil ich mich nicht bemühte, sondern weil mein Tonmeister eine absolut faule Sau war und mir keinerlei Chancen zum Lernen einräumte. Dieser Film wurde, im nach hinein gesehen, ein Flop, trotz einiger herausragender Darsteller. Und wer sich den Link an schaut und die Herstellungsriege anschaut, also die Crew, wird schnell feststellen, dass es die Creme della Creme der linken Filmemacher war, welche sich aber auch als echte Ausbeuter erwiesen. Denn und aber, Film ist in erster Linie Geschäft.

Dass ich dann immerhin noch 20 Jahre insgesamt durch hielt, war nur meiner eigenen Sturheit zu verdanken. Die fünf Jahre vor dieser ersten direkten Produktion habe ich als Techniker in diversen Ton- und Synchronstudios verbracht und mir meine ersten Sporen verdient. In der Filmvorführung bei der Synchronisation hatte ich mich zu einem der Schnellsten entwickelt und mir auch einen Namen gemacht. So mancher Darsteller oder auch Darstellerin ‘verflucht’ heute noch mein Arbeitstempo, was aber den zuständigen Producern mehr als oft genug entgegen kam, sparten sie doch so einiges an Kosten. Aber ich wollte in die Produktion, nur hatte ich keinerlei Vorstellungen, wie knochenhart dieser Beruf sein würde. Und es ist nicht der Beruf allein, der Substanz kostet.

Als ich selbst in dieser Branche 1972 an fing, konnte man, wenn man arbeitslos wurde, sofort Arbeitslosengeld beantragen und bekommen, auch wenn man, nicht wie heute, weniger als ein bestimmtes Quantum an Arbeitszeiten vorzuweisen hatte. Dies wurde dann politisch 1978 zum ersten mal unter Sozialdemokraten und Liberalen, damals noch in Bonn, geändert. Als Freiberufler war dies schon damals sehr hart und viele von uns, ob Schauspieler/innen oder Techniker, hatten danach schon ziemlich zu ‘knabbern’, wenn die Aufträge mal nicht so liefen.

Der Sozial-Kill war also schon lange vor Gerhard Schröder vorprogrammiert, nur wir sogenannten Arbeitnehmer waren darauf nicht wirklich vorbereitet, denn in Westdeutschland herrschte Vollbeschäftigung, aber auch die sogenannte ‘Beamtenmentalität’. Dies konnte man sehr gut am Bayerischen Rundfunk/Fernsehen ablesen, denn plötzlich klagten sich viele vorher Freiberufliche in feste Anstellungen beim Sender ein und hatten danach quasi Beamtenstatus. Ich persönlich kam leider mal wieder zu spät, war aber nicht lange traurig und verbittert, denn meine Karriere ging stetig, wenn auch manchmal langsam, bergauf.

Dass der Artikel aus der am Anfang benannten FAZ nur den Blick auf eine Berufsgruppe wirft, darf man dem Autor nicht besonders vorwerfen, denn er ist wahrscheinlich wirklich nur einäugig.

Film war immer schon seit meinem 6. Lebensjahr mein ‘Leben’ gewesen, auch heute noch, mit knapp 68. Er war Kunst und Erwerbsquelle, aber in erster Linie ein Lebensgefühl, welches weit über den menschlichen Geist hinaus geht. Drama und Tragik, Lachen und Weinen, all dies verkörpern die ‘laufenden Bilder’ und sie verkörpern noch mehr, denn auch die Autoren und Schreiber der Vorlagen für das Endprodukt Film, Theater und Fernsehen werden oft genug jenseits des Rampenlichts mehr als nur stiefmütterlich behandelt. Ihnen ist es zu verdanken, dass wir den Stummfilm überwunden haben. Wie schon an anderer Stelle geschrieben; viele Mitwirkende an einem Werk bilden eine Symbiose. Ohne das Zusammenspiel dieser vielen Rädchen wäre die Uhr des Films, der Darstellung, der Töne, der Musik, der Bilder nicht vorstellbar.

Gerade habe ich fest gestellt, dass der Artikel nicht mehr kommentiert werden kann, obwohl er erst wenige Tage alt ist, aber wahrscheinlich war er auch nur ein etwas knalliger Lückenfüller in der FAZ, für die ich übrigens als Kameramann im Jahre 1990 selbst eine Reportage über die Zustände im Gesundheitswesen der damals noch existierenden DDR gedreht habe. Aber die Fernsehambitionen der FAZ haben sich dann doch sehr schnell wieder zerschlagen. Außerdem wäre dieser Beitrag hier als Kommentar in dieser Länge sowieso niemals erschienen, denn mit Links zu privaten Blogs sind die Herrschaften der FAZ nicht gerade zu begeistern. WIR sind ihre Nemesis, ihre unprofessionelle Konkurrenz.

Über den Autor

AlterKnacker

AlterKnacker
Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

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