Die Welt des Geldes – aus den Fugen

Nur wer Geld hat, bekommt auch Kredit. So war es bisher, aber wird es so bleiben?

Im Geldgewerbe verschieben sich durch die Niedrigzinsphase die Horizonte. Zu viel Geld ist im Umlauf. Jetzt werden auf einmal Fragen aufgeworfen, welche bisher quasi ein Tabu waren. Nur sind leider wieder mal Millionen Menschen davon gar nicht betroffen. Sie werden einfach aus geklammert und nicht berücksichtigt.

Was uns zum Beispiel fehlt, sind sogenannte Mikrokredite. Genau diese Kleinkredite könnten Millionen Menschen helfen, sich aus der staatlich verordneten Armut zu befreien. Nur wird genau hier in keiner Weise darüber nach gedacht. Dies wird so hingestellt, dass dies nur etwas für Drittweltländer ist. Hier würde ja nur der Konsum angefacht und die Ausfallrate wäre entsprechend exorbitant. Diese Argumente hört man immer wieder. Aber stimmen sie auch?

Während Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) von Investoren in einigen Fällen sogar Geld fürs Schuldenmachen bekommt, müssen Verbraucher für Kredite daher noch Zinsen bezahlen. Das liegt auch daran, dass Banken bei Privatkunden einen Aufschlag einpreisen für den Fall, dass der Kunde seine Kreditraten nicht mehr zahlen kann. Dies macht Zinsprämien für geliehenes Geld unwahrscheinlicher. Doch das muss nicht immer so bleiben, glaubt Frank Kohler, Vorstand bei der Sparda-Bank Berlin: “Negativzinsen sind sowohl auf der Anlage- als auch auf der Kreditseite möglich.”

Geld ist in rauen Mengen vorhanden. 15 bis 20 Millionen Menschen haben in diesem Land keine Möglichkeit, auf ehrliche Weise an Geld zu kommen. Viele würden sich damit eine Existenz auf bauen, viele würden aber einfach nur konsumieren. Ist der Konsum so schlecht? Selbst wenn der Rücklauf nur 70% ausmachen würde, wäre es immer noch ein Gewinn für die heimische Wirtschaft.

Die DZ Bank beziffert die Einsparungen deutscher Privathaushalte bei den Kreditzinsen in den vergangenen fünf Jahren auf 78 Milliarden Euro – verglichen mit einem unterstellten “Normalzinsniveau”. Allerdings: Gleichzeitig kostete die Mini-Zins-Politik der EZB die Sparer im selben Zeitraum gut 190 Milliarden Euro.

Wer als Investor jetzt in dieser Situation überhaupt noch leistungsloses Geld ‘machen’ will, muss neue Wege beschreiten. Aber diese Wege müssen sich auch wirklich in den Köpfen dieser Investoren verfestigen.

Ein weiterer Aspekt wäre das wiedererstarkende verlorene Vertrauen in die Finanzwirtschaft, denn die hat es mehr als bitter nötig. Dankbarkeit ist unbezahlbar und nicht alle armen Menschen sind undankbar. Aber dass braucht ja ein totales Umdenken in dieser Branche.