Wegen einer Handvoll Holzspäne

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Das auf den Bildern ist die Idylle der anderen, egal wie häßlich, und wo sie ihr Holz verarbeiten – keiner darf ihnen hinein reden. Okay, einverstanden, aber gilt dann für mich nicht das gleiche Recht, da wo ich lebe und meinen Platz habe?

Du bist nichts als ein Wurf in die Zeit, und das kann positiv sein. Leider ist das viel zu selten der Fall, denn die vielen anderen Würfe in die Zeit – alles das Leben neben Dir – kann Deinen Wurf entscheidend verleiden.

Ich bin schwerbehindert, brauche für draussen einen Rollstuhl. Auf den Vorplatz, der wie eine Terrasse ist, darf ich schon lange nicht mehr in die Sonne – mein Anblick stört die anderen offenbar, oder das, was ich dann dort draussen tue – überwiegend das, was sie als “nichts” bezeichnen.

Sie überwachen, reden, und haben ihre Urteile fertig.

Heute wieder wurde mir das heftig bewußt gemacht. Die lieben Mitbewohner fühlten sich bemüßigt, altes Holz – ganz wenig – so ungefähr ein kleines Spankörbchen voll – von meinem Vorplatz vor der Türe wegzuräumen, und einige Zeitungen, die direkt neben dem Briefkasten auf einem Podestchen lagen. Beides hätte noch zum Anzünden des Ofens zweimal gereicht.

Es sei Frühjahr, und da räume man alles auf. Und, wenn ich und mein Mann das nicht machen, dann übernähmen eben die anderen dies, schliesslich sei man eine Hausgemeinschaft. Der eigentliche Hausmeister hatte das Telefon auf nicht erreichbar, – der Vermieter hatte, wie immer, keine Ahnung. Andere Mitmieter gaben Auskunft, sie waren auch an der Aktion beteiligt gewesen. Wenn sie nur sonst auch so “hilfsbereit” wären. Was haben sie aufzuräumen, wenn sie nicht darum gebeten wurden? Was haben sie an meiner Türe, am Briefkasten zu schaffen? Ich empfinde so etwas, das wortlos geschieht, als übergriffig und massregelnd.

Die Grenzen werden abgesteckt für den Sommer, damit ich den Vorplatz nicht benutze – als Behinderte im Rollstuhl. Und, dass mein Mann kein Holz draussen hackt, nichts hinterläßt – das stört die anderen. Wir sind kein Anblick für sie. Das Ganze versteckt hinter Pseudo-Hilfsbereitschaft die keine ist. Vielleicht wollen sie diesen Platz ja auch noch haben.

Wegen einer Handvoll Holzspäne und etwas Papier wurde eine Aufräumaktion gemacht, die keine ist. Es war die deutlichste Zurückweisung, deren die freundlichen Mitbewohner fähig waren. Denn, sie haben ganz andere Hinterlassenschaften rund ums Haus drapiert. Unter fast allen Fenstern meiner Wohnung befinden sich grosse Holzstösse. Als Fluchtweg kann ich im Notfall also die Fenster vergessen.

Und, es gibt noch mehr Unordnung und Hinterlassenschaften, die weithin sichtbar neben dem Strassenrand lagern. Das macht aber alles nichts, es ist ihr Grund und Boden, und nicht gemietet, sondern gekauft – und sie dürfen das, wir nicht.

Film:

So ist Calw – heute noch.Gerbersau ist Calw – das hat Hermann Hesse einst so festgelegt in seinen Werken.Nachdem August Staudenmeyer als junger Erwachsener von seinem Vater verstoßen und enterbt worden war, hat er sich erfolgreich im Ausland durchgeschlagen. Nach langen Aufenthalten in Russland und den USA kehrt er 30 Jahre später als wohlhabender Mann in seinen Heimatort Gerbersau zurück. Die Ankunft des „verlorenen Sohnes“ spricht sich in der kleinen Stadt schnell herum. Während sich August vor Einladungen und Freundschaftsbekundungen kaum retten kann, wird die Witwe Katarina Endriss öffentlich geächtet.
Sie lebt mit ihrer geistig behinderten Schwägerin Berta in einem kleinen Haus mit angeschlossener, stillgelegter Spinnerei. Die Ortsverwaltung möchte die Alleinerbin Berta in ein Heim verfrachten, um frei über das gewinnversprechende Grundstück verfügen zu können. Katarina fürchtet um das Schicksal ihrer geliebten Schwägerin, lehnt aber ein zweideutiges Angebot des Bürgermeisters, der ihr für eine gewisse Gegenleistung seine Unterstützung anbietet, kategorisch ab.
Bald kreuzen sich die Wege von Katarina und August. Dass sich August augenscheinlich für Katarina interessiert, spricht sich wie ein Lauffeuer in Gerbersau herum. Durch seine Gefühle für Katarina gerät der Heimkehrer aber in einen Konflikt mit seinem alten Schulkameraden und einzigen wirklichen Freund, dem erfolglosen Gelegenheitskünstler Hermann Mohrle. Hermann, der heimlich schon lange ein Auge auf Katarina geworfen hat, fühlt sich von dem erfolgreichen August übertrumpft; und so gibt August dem treuherzigen Hermann sein Ehrenwort, ihm die Witwe nicht wegzunehmen. Das Schicksal hat jedoch andere Pläne …

Es ist, als käme Hermann Hesse heim und müßte doch wieder gehen. Vermutlich wäre es auch so gewesen, wenn Hermann Hesse eine Heimkehr versucht hätte.
Und, es ist heute noch so. Behinderte, eigenwillige Frauen, Schreibende Menschen, Künstler sind Geächtete – ausser sie haben viel Geld, haben es zu etwas gebracht und sich angepaßt. Das Städtchen ist moderner, aber die Menschen sind die gleichen geblieben.
Überwiegend jedenfalls ist es so, trotz einiger Ausnahmen.