Wolf Rajszár-Kruse über Kenan Ormanlar; Ein Nachruf

 

Kenan Ormanlar *17.06.1937 in Skopje,

† 17.03.2015 in Istanbul, Filmemacher

msohtmlclipclip_image001

 

Als Kenan Ormanlar mit Anfang Zwanzig aus Istanbul nach Berlin kam, hatte er einen Intensiv Deutsch Sprach-Kurs im Goethe Institut absolviert. Im Gepäck die Vision Filmemacher zu werden.

Wir trafen uns vor über 50 Jahren an der FOF, wo wir beide Filmtechnik studierten. Berlin war damals schon, trotz Mauer, ein multikultureller Schmelztiegel vieler Nationen ohne Integrationsprobleme. Den Mazedonier aus der Türkei und den Österreicher aus Graz verband eine große Freundschaft. Durch viele Auslandsaufenthalte trennten sich unsere Wege, doch sie führten uns immer wieder in München zusammen. Dort, wo er nach Berlin nun an der HFF (Hochschule für Fernsehen und Film) studierte.

Mit seinem Abschlussfilm „Venceremos“ (Wir werden siegen) erlangte er seinen künstlerischen Durchbruch, seine Vision wurde Realität. Schon bald wurde aus ihm ein viel beachteter, engagierter Kameramann. Mit einen der wichtigsten Regisseure aus der Türkei, dem gleichaltrigen Yilmaz Güney drehte er 1974 seinen ersten Spielfilm „Die Armen“ („Zavallilar“). Es folgten u. a. die Filme „Lebensangst“, „At – Mein Pferd“ und der fantastische Film „Eine Saison in Hakkari“ (Regie: Erdan Kiral – Silberner Bär, Berlin).

Mitte der siebziger Jahre lernte er seine Frau Elly kennen und mit der Geburt seines Sohnes Atila erfüllte sich ein weiterer Traum. Von 1975 bis 1991 war er u.a. auch erfolgreicher Dozent an der Filmhochschule in München. Mit dem Politdrama „Das blaue Exil“ 1993 blieb er weiter seinem Credo des engagierten Filmemachers treu und erhielt viele internationale Auszeichnungen und Filmpreise. 2005 drehte Kenan Ormanlar als Kameramann seinen letzten Spielfilm „Die Pseudo-Braut“.

Die letzten Jahre war er weiterhin als Produzent, Verleih KenMovie und Autor tätig. Es gäbe noch viel über den Menschen und Künstler Kenan Ormanlar zu erzählen; ich bin traurig, dass ich einen meiner besten und ältesten Freunde verloren habe, doch diesen Schmerz tragen viele in sich, die ihn gekannt haben. Unsere aller Anteilnahme gilt der Familie, Elly, Raoul und Atila, die Kenan bis zur letzten Sekunde beigestanden hat.

Seine Visionen haben sich in seinem Werk realisiert und verbleiben uns als sein Vermächtnis.

Wolf Rajszár-Kruse (Mallorca/Graz)

Über den Autor

AlterKnacker

AlterKnacker
Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.