Ja, und ? Bei der Verbreiterung des Risses durch die Gesellschaft konnte schon seit längerer Zeit zugesehen werden.

Genau das wurde auch getan: Zusehen, wie sich die Spaltung etabliert – vergrössert und verbreitert – wie der entstehende Riss immer mehr auseinander klafft. Dies registrieren, immer wieder, mit den Schultern zucken, weiter gehen, und den eigenen Anspruch durchsetzen, dass das sich vermehrende Elend genauso zunehmend vor den eigenen Augen verborgen wird. Schliesslich hat der Leistungserbringer, der noch auskömmlich arbeitende Mensch, das dringende Bedürfnis danach, diesen Anspruch durchzusetzen. Er will eine heile Welt, wenn er aus seiner stressenden Leistungswelt hervortritt.

Deshalb die Flaschenringe um die Abfallbehälter für die Flaschensammler. Die besser Gestellten wollen nicht mit ansehen müssen, wie die Armen im Dreck wühlen. Darum das oft krasse Vorgehen gegen Obdachlose, Bettler, Strassenmusikanten. Wegen dieser Anspruchshaltung auch der Hass und die Verachtung gegenüber Asylanten – und die Ablehnung gegen alle jene, bei denen die Armut sichtbar wird.

Armut bekämpfen bedeutet in Deutschland immer noch, dass die armen Menschen bekämpft werden – ohne Ansehen der Person. Das bedeutet, dass nicht danach gefragt wird, wie es passieren konnte, dass diese Menschen arm wurden – arm sind. Jeder wird gleichermassen schlecht behandelt – darin sind dann alle diese Leute wieder gleich. Der Unterschied besteht zu den Reichen, zu denen die noch mit ihrem Geld einen guten Lebensstandard wahren können. Und genau hier findet sich der Riss zwischen den Menschen, der unsere Gesellschaft spaltet.

Wer forderte, dass das Elend sich einen “humanen” Anstrich gibt, so dass der Anblick in den Strassen der Städte nicht getrübt wird, dem war es auch egal, dass der Riss immer breiter wurde. Die meisten Leute lehnen sich gemütlich zurück, wenn sie von ihrem Leistungsort nach Hause zurückkehren, und geniessen das, was ihnen das Ergebnis der Leistungsgesellschaft ermöglicht, und wollen dabei nicht beeinträchtigt werden. Für jene mit zu kämpfen, die immer mehr abrutschten, ausgespuckt wurden, – überhaupt danach zu fragen, warum das so geschah,- das fiel nur wenigen Personen aus dem Kreis der noch Etablierten ein.

In einer Gesellschaft der Voyeure, die der Sensation bedürfen um überhaupt noch irgendwo hinzusehen, – um es dann mit dem Handy, bzw. Samrtphone zu filmen, oder zu fotografieren, – ist das selbstverständlich geworden.

“Die Armut erreicht in Deutschland einen Rekordstand, mit großen regionalen Unterschieden. Der paritätische Gesamtverband spricht von einer zerklüfteten Republik.”

http://www.fr-online.de/arbeit—soziales/armut-in-deutschland-so-viele-arme-in-deutschland-wie-noch-nie,1473632,29904640.html

“Ein armutspolitischer Erdrutsch”

http://www.focus.de/finanzen/news/paritaetischer-wohlfahrtsverband-studie-belegt-armut-in-deutschland-auf-historischem-hoechststand_id_4487257.html