Ein Gastbeitrag – aus Facebook übernommen

Für alle, welche nicht auf Facebook zu Hause sind …

 

Als ich vor wenigen Tagen auf einem Empfang in der amerikanischen Botschaft zu Gast war und dort über das Freihandelsabkommen und andere Themen der sogenannten …„besseren Gesellschaft“ diskutiert wurde, habe ich mir insgeheim so meine Gedanken zum Thema Kapitalismus gemacht und mich gefragt: Ist es eigentlich in Ordnung, dass 1 Prozent der Menschen mehr Vermögen besitzen als die übrigen 99 Prozent?

Diese Frage wird je nach Standpunkt anders beantwortet werden. Ich selbst bin zwar nicht reich an Geld und Gold und Gut, dafür aber an Liebe, Erfahrung und Erkenntnis. Und genau deshalb mache ich mir Gedanken über die ungerechte Verteilung der Güter auf der Welt. So wenige besitzen soviel und so viele so wenig. Das kann nicht gerecht sein. Und doch halten etliche an dieser Ordnung fest, so als wäre sie gottgewollt und unabänderlich.

Der Großkapitalist Waren Buffett nimmt die Kritik am Kapitalismus und der Schieflage im Verhältnis der Verteilung des Vermögens sportlich. Er juxt sogar, dass es doch für jeden Armen ein großer Ansporn sei, einmal zu den superreichen 1 Prozent zu zählen.

Was aber, wenn das Gros der Menschen sich überhaupt nicht auf eine solch perfide, ja perverse Art und Weise bereichern möchte? Was, wenn die Menschen keinen Wert auf Reichtum im finanziellen Sinne legen und sich auf andere Dinge in ihrem Leben besinnen?

„Aufstiegsresistenten“ nannte Ulf Poschardt von der Zeitung „Die Welt“ in einem seiner Artikel jene sozial schwachen Menschen, deren Lebensziel es nicht ist, einmal zu den Reichen und Mächtigen zu zählen. Diese Bezeichnung machte mich sehr betroffen. Ich komme schließlich aus einem Viertel, in dem Prostitution und Drogenhandel ebenso alltäglich waren wie Künstler, Idealisten, Träumer und unzählige andere, die lieber ein gutes und schönes Leben führen wollten und nicht den Drang verspürten um jeden Preis das Bankkonto zu füllen. Einige der besten Freunde und beeindrucktesten Persönlichkeiten, die ich das Glück hatte in meinem Leben getroffen zu haben, zählten zu den „Aufstiegsresistenten“, zu den „Verlierern“.

Sie und ich, wir wurden in eine Lebenssituation hineingeboren, die andere Grundsätze und ein anderes Verständnis von Glückseligkeit vermittelt haben. Auch hier in Berlin Mitte und im Prenzlauer Berg wurden nach dem Mauerfall nur wenig junge Leute reich. Na und? Sie und ich, wir waren auch ohne dicke Brieftasche, fetten Job und krasse Karre unterm Arsch echt reich! Reich an schönen Erlebnissen, ausgelassenen Feiern, tiefschürfenden Liebesbeziehungen, echten Freundschaften und unendlich vielen Stunden des Müßiggangs, in denen wir über das Leben philosophiert haben wie die Bohème zu ihren besten Zeiten in Paris.

So möchte ich weder meine Zeit auf St.Pauli noch mein Leben in Berlin gegen ein Dasein in einem Villenviertel unter lauter Privilegierten eintauschen. Damals waren wir ein bisschen „Aufstiegsresistent“ und auch heute noch sind 1001 Dinge im Leben mir mehr wertvoller und wichtiger als alles Geld der Welt.

Aber eine solche Einstellung ist natürlich gefährlich. Für die Politiker und ihre heimlichen Herren in den Chefetagen der Banken und Konzerne. Wenn die Menschen erkennen, dass man auch ohne Geld und Statussymbole glücklich und zufrieden sein kann, ist das System in Gefahr.

Die Religion des Profits, die Waren Buffett ebenso huldigt wie unsere Politiker hier in Deutschland, wird auf dem Rücken der übrigen Gesellschaft begründet und vorwärts gepeitscht. Die Ärmsten der Armen werden genauso ausgebeutet wie die übrigen 99%, die „resistent“ sind, sich zu den erhabenen 1% auszuschwingen.

Man erfindet immer mehr Gesetze, die uns Menschen die Erde, die Natur wegnehmen und einem Großkonzern übereignen. Wasser wird abgegraben, um es danach teuer zu verkaufen. Menschen die sich selbst versorgt haben, werden gezwungen patentiert „natürliche“ Landstriche von Großkonzernen zu kaufen. Was anderes ist das als moderne Sklaverei?

Glaubt auch nur einer von Euch, die Reichen und Mächtigen interessieren sich ernsthaft für Umweltschutz oder das Wohle der Menschheit?

Natürlich nicht

So entsteht ein von Großkonzernen global gesteuerter Sozialismus!

„Der Mensch rennt hinter dem Glück her und das Glück rennt hinterher“ hat der gute Berthold Brecht ganz richtig erkannt und er hat auch völlig richtig ausgeführt: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“.

Was ist der Unterschied zu den Menschen, die niemals genug haben und für die Teilen ein Zeichen von Schwäche und „Aufstiegsresistenz“ ist?

…und jetzt schnell einen Champagner!

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Über den Autor

AlterKnacker

AlterKnacker
Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.