Die unvollkommene Zeit

Es ist jetzt 6:15 Uhr und mein Aufwachen war heute von Brechreiz gekennzeichnet. Mir war und ist auch jetzt noch zum kotzen übel. Da setzt man sich nicht so einfach hin und schreibt, was auch immer und über wen auch immer. Ich habe zuvor die letzten 30 Minuten zwei Artikel gelesen, die mir bei der morgendlichen Nachrichtenlektüre eigentlich sofort ins Auge fielen und meinen Denkapparat anregten.

Der erste Artikel handelt von einem Fundstück, der zweite von Verbreitung von Nachrichten. Beide Artikel zusammen geben jetzt den Grundstock für diesen Beitrag im FIWUS.

Da ich selbst aus der Filmbranche komme, kam ich nicht umhin, mich für den Beitrag über den Fund einer alten Winchester 73 zuerst zu interessieren. Die Geschichte dahinter ist aber noch nicht geschrieben, denn sie wird sich in den Köpfen der Leser und Leserinnen in unzähligen Variationen abspielen, wie der berühmte Film von Anthony Mann mit James Stewart in seiner wichtigsten ‘Nebenrolle’, da das Gewehr ja die Hauptrolle in diesem Film spielt. Ich persönlich habe diesen Film erst viele Jahre später zum ersten mal gesehen, aber mein erstes Filmerlebnis, 1954, war ebenfalls ein Film mit James Stewart in der Hauptrolle, vom gleichen Regisseur. Ich selbst war damals 6 Jahre alt und dieses erste Filmerlebnis hat mein ganzes weiteres Leben geprägt. Dass ich überhaupt in einem Film damals, der erst ab 12 Jahre frei gegeben war, rein kam, habe ich meiner Mutter zu verdanken, welche mich damals in diesem Film mit nahm. Aber diese Geschichte wird noch an anderer Stelle im FIWUS veröffentlicht.

Ich komme jetzt ganz unvermittelt zum zweiten Artikel, den ich heute Morgen gelesen habe, obwohl es ganz sicher wichtigere Nachrichten gibt, die mich aber sofort mehr als nur lang weilten, denn diese lese ich täglich in verschiedensten Portalen.

Vor 235 Jahren begann das, was die ehrwürdige Zürcher Zeitung in ihrer Erstausgabe vom 12. Januar 1780 „die Beschleunigung der Pränumeration“ nannte, die Herausgabe eines Blattes mit Tagesnachrichten. „Es wird uns zwar, so wie anderen Zeitungs=Schreibern, nicht möglich sein, die Weltbegebenheiten früher anzuzeigen, als sie geschehen sind; oder, als sie auswärtige Zeitungen der Welt berichten. Aber doch haben wir Anstalten getroffen, vermittels der besten Französischen, Englischen, Italienischen, Holländisch= und Deutschen Zeitungen, und auch durch zuverlässige Privat=Correspondenz die Nachrichten immer so bald zu erhalten, und in unsere Zeitungen einzurücken, als es andere von unseren Nachbarn thun können.“ Das ist umständlicher formuliert als das bekannte „All the news that’s fit to print“, mit dem die New York Times im Jahre 1851 an den Start ging, aber weitaus ehrlicher. Denn Nachrichten waren zunächst einmal Nachrichten, die in anderen Zeitungen standen und übernommen wurden. Man hatte ja kein Internet, das alle darüber aufklären konnte, wie alle von allen abschreiben. Wie Tom Standage in seiner Geschichte über „Das Viktorianische Internet“ launig erzählt, machten sich bereits die ersten Telegraphen in ihrer Community darüber lustig, dass alle dieselben Nachrichten morsten.

Quelle: Hier weiterlesen

 

Hal Faber, der Kolumnist einer Technikseite, schafft den Sprung von der Vergangenheit ins Jetzt absolut mühelos, denn er lebt nun mal in beiden Welten, genau wie ich selbst. Darum sind für mich auch beide Artikel heute wesentlich wertvoller, als sämtliche aktuellen Nachrichten. Sie verbinden Vergangenheit und Gegenwart und lassen eine Menge Spielraum für Interpretationen, besonders im Kopf.

Mein eigenes Leben wird durch ganz andere Einflüsse ‘befruchtet’, da der FIWUS ja kein Nachrichtenportal ist, auch wenn hin und wieder aktuelle Nachrichten in die Beiträge einfließen. Schon seit Weihnachten 2014 ist der nachfolgende Abschnitt in Arbeit, aber eben noch nicht abgeschlossen, bis heute:

Es weihnachtet ganz fürchterbar. Eigentlich wollte ich jetzt schon seit Tagen über meinen Familienzuwachs etwas schreiben, aber die kleine Dani ist noch nicht reif für die Öffentlichkeit. Wir können uns zum Teil nur schwer an einander gewöhnen und mein Part ist insofern schon wesentlich leichter, denn ich kann mich auf Tiere jeglicher Art ein stellen. Ich habe mich inzwischen nach 4 Jahren ohne Hund schon wieder daran gewöhnt, mit Hund zu leben.

Dani ist 10 Jahre alt und ihre Prägung ist schon ziemlich intensiv. Was sie so in ihrem Hundeleben durchmachen musste, entzieht sich meiner Kenntnis. Sie ist immer noch sehr ängstlich, auch nach inzwischen 4 Wochen und es wird wohl noch Monate an dauern. Autos zum Beispiel sind ein Horror für sie und da liegt auch die Gefahr, dass sie, wenn sie ohne Leine ist, mal von einem erwischt wird.

Ich habe sie inzwischen auch schon mal ohne Leine laufen lassen, aber es ist halt jedes mal ein Vabanque-Spiel, denn ich kann sie nicht ein fangen, dass lässt mein Körper nicht zu. Aber sie weiß inzwischen schon, wo sie zuhause ist, nur sie dann auch ins Haus zu bekommen, bedarf eine Unmenge an Geduld.

Wenn sie frei läuft, ist sie wohl ein zeit lang in meiner Nähe und sie gibt dann zum Teil richtig Gas und rast über die Rasenflächen in unserem Wohngebiet. Dann aber nach einiger Zeit, wenn ich dann pfeife, weil ich sie ja nicht immer sehen kann, kommt sie erst ein mal nicht und sie weiß ganz genau, dass sie damit Mist baut und erwartet irgend wie, dass sie bestraft wird. Kommt aber bei mir so nicht in Frage, da ich ja nichts von ihrem Vorleben weiß.

Wenn ich es dann wieder geschafft habe, sie in die Wohnung zu bekommen, ist sie erst mal nur ein Häufchen Elend, denn sie erwartet wohl, dass ich sie bestrafe, nur tue ich ihr diesen ‘Gefallen’ garantiert nicht.

Wichtig ist für mich, dass sie 100% Vertrauen zu mir auf baut, aber all dass wird noch eine ganze Weile dauern. Auch merke ich natürlich, dass sie immer wieder gegen die Leine angeht und versucht, mich aus zu tricksen, aber dass wird natürlich immer schwerer für sie, denn solche Tricks kenne ich von meinen anderen Hunden zu genüge.

Heute hat sie, nur als Beispiel, ein Auto, dass etwas lauter und schneller fuhr, regelrecht attackieren wollen und auch an gekläfft. Vor solchen Gefahren werde ich sie wohl immer schützen müssen, denn ihre alte Prägung ist einfach zu stark.

Vor einigen Tagen hatte ich Dosenfutter gekauft und einen kleinen Teil davon unter ihr normales Trockenfutter gemischt, was sie auch relativ schnell mit großem Appetit verdrückt hat. Nur am nächsten Tag hatte sie dadurch Durchfall und sie hat es wohl angezeigt, aber ich habe es zu diesem Zeitpunkt nicht deuten können und sie hat in die Wohnung gemacht.

Natürlich war dies kein Problem für mich und ich könnte es schnell entfernen und auch den Geruch, denn selbst rieche ich ja nichts mehr durch meine Parkinson-Erkrankung. Beim nächsten Mal werde ich aber ihre Anzeigen erkennen und so sofort reagieren können.

Aber schon allein dadurch, dass ich jetzt wieder eine Verantwortung habe und zu jeder Tages- und Nachtzeit mit ihr raus muss, hat mir wieder einen Schubs gegeben und mein bisheriges Leben der letzten 4 Jahre erheblich und zum Positiven verändert.

Jetzt hat es Dani doch noch in den FIWUS geschafft, denn das Meiste war ja schon geschrieben.

Über den Autor

AlterKnacker

AlterKnacker
Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.