Offener Brief an Frau Merkel:

Offener Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel – angeregt durch diesen Artikel:

http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59004

Inge Jurk-Prommersberger

An:
Frau Bundeskanzlerin
Angela Merkel

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel
Die Meldungen in der Presse besagen, dass Sie sich – bzw. die Beauftragten – der Stimme enthalten haben, als es darum ging einem russischen Antrag bei den UN abzustimmen, in dem es darum ging, faschistische Machenschaften abzulehnen – grob ausgedrückt. Es wird auch berichtet, dass Sie nicht zustimmen wollten, weil dieser Antrag von Russland gestellt worden war.
Warum haben Sie – bzw. die Leute, welche dafür zuständig sind – keinen eigenen Antrag gestellt? Fehlt Ihnen dazu die Fantasie und das Vorstellungsvermögen darüber, wie so ein Antrag zu gestalten wäre? So, dass er sich von jenem der Russen abhebt und eventuell noch besser wäre, noch hilfreicher bei der Bekämpfung faschistischer Umtriebe?
Es fällt allmählich auf, dass unter Ihrer Ägide der Schutz vor Faschismus meistens nur in Sonntagsreden vorkommt, ansonsten aber heftig abgebröckelt ist. Vieles dabei mutet schizophren an: Zum Beispiel die zu befürwortende Ablehnung jeglichen antisemitischen Anscheins in Äusserungen und Taten, und andererseits das zunehmende Aufkommen von eben solchen Faschoumtrieben. Die Gedenkkultur, die sich erschöpft in den Gedenktagen – welche aber auch schon der Missachtung allmählich anheim fallen. Andererseits die Mühseligkeit der Aufarbeitung der damaligen Zeit in allen Facetten, mit allen Beteiligten, auch wenn es unbequem ist,- welche dadurch bedingt ist, dass diese Aufarbeitung anscheinend nicht unbedingt erwünscht zu sein scheint. Sie selber forcieren diese auch nicht gerade.
Wäre der UN-Resolution gegen die Verherrlichung faschistischen Heldentums von Seiten Deutschlands zugestimmt worden, hätte das bedeutet, dass in den Ländern der EU eine Menge zu hinterfragen gewesen wäre. Es hätte auch bedeutet, sich Auseinandersetzungen zu stellen – darüber, dass eben diese Heldenverehrung in diversen Ländern der EU wieder zunimmt,- die Leugnung des Holocaust beliebt zu werden scheint,- und, dass Faschismus, wie auch das Gedankengut daraus, zunimmt.
Das passt Ihnen anscheinend – und einigen anderen Regierenden auch – in das altüberkommene Rezept der Gegnerschaft zu allem was „rot“ – also, sozialistisch, kommunistisch – anmutet. Das soll vollends verschwinden, wenn es nach Ihnen und einigen anderen Regierenden geht,- und anscheinend ist kein Preis zu hoch dafür. Will bedeuten: Sie spielen mit dem Krieg, den so etwas nach sich ziehen kann. Und, es bedeutet, dass die Bekämpfung alles dessen, was sozialistisch – kommunistisch – rot anmutet, wichtiger erscheint, als Frieden und die Bekämpfung faschistischer Wiederauferstehungen und Umtriebe.
Es gab in früheren Jahren, als Sie noch in der DDR waren, den albernen Spruch: „Lieber rot als tot“. Unter Ihrer nunmehr andauernden Regierung dieses Landes hat sich das gewandelt, und der Spruch mutet schon heftig antiquiert an. „Lieber braun als rot, und im Zweifelsfalle tot“, das würde heute wieder passen, leider.
Wie rechts darf es bei der CDU und bei Ihnen noch sein, Frau Merkel? Wann wird etwas dagegen getan, damit das „nie wieder“ nicht umkippt in „schon wieder zu spät“?

Mit freundlichen Grüssen
Inge Jurk-Prommersberger

2 Kommentare

  1. Elisabeth Schwabe

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.