Bundespräsident Gauck und die bequeme Freiheit

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Bundespräsident Gauck und die bequeme Freiheit.

Pressestimme: ‘Kölner Stadt-Anzeiger’ zu Gauck/Bundeswehr

KÖLN (dpa-AFX) – “Kölner Stadt-Anzeiger” zu Gauck/Bundeswehr:

“Weder die politische Zweckmäßigkeit noch das Gebot der Moral kann einen Auslandseinsatz der Bundeswehr legitimieren. Dafür genügt nicht einmal eine Volksabstimmung, kein Parlamentsbeschluss oder ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts.

http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Pressestimme-Koelner-Stadt-Anzeiger-zu-Gauck-Bundeswehr-3659951

Während den Bürgern häufig nahegelegt wird, dass sie es sich nicht bequem machen dürfen mit der eigenen Freiheit, – dass sie sich nicht zu viel herausnehmen sollen, ist das offenbar für einen Ex-Pfarrer und Bundespräsidenten etwas gänzlich Anderes. Jedenfalls kommt das bei vielen Menschen in diesem Land inzwischen so an.

Der Ex-Pastor und inzwischen Bundespräsident von Deutschland, Herr Gauck, plädiert für mehr Einsatzfreude im Ausland, auch kriegerischer Art, mit der Bundeswehr.

Was ist das mit der Freiheit, Herr Gauck?

Wenn Freiheit bedeutet, dass sie nicht nur von allem frei machen soll, das einschränken kann, sondern auch eine Freiheit auf etwas hin ist, – eine, die auf etwas ausgerichtet ist,- und, dass sie ihre Grenzen an der Freiheit anderer Lebewesen hat, dann bedeutet Freiheit auch, dass sie dem Leben selber unterworfen ist, diesem dienlich zu sein hat.

Vor mir haben schon andere nachdenkliche Menschen über Freiheit nachgedacht. Erich Fried zum Beispiel, der sich die Frage stellte, ob Freiheit Zugeständnisse machen kann. Und ich denke, dass dies nicht der Fall ist, dass gerade in Bezug auf das Töten diese Freiheit der eigenen Entscheidung dagegen und für das Leben radikal, umfassend, grundsätzlich sein muss. Schluss mit den Versuchen einen Krieg auch nur ansatzweise für gerecht erklären zu wollen. Aufhören damit, andere Menschen für lebensunwert und lebensunwürdig zu halten, egal welche Verfehlungen dieser Leute angeblich dazu geführt haben sollen.

Das größte Verbrechen ist, den Tod zum Mittel zu machen, der dem Zweck des eigenen Vorteils dient. Gerade darum sind die heutigen Kriege so verdammenswert – auch die kriegerischen Handlungen, die Handelswege frei bomben,- auch das Wegräumen der Armen und Slumbewohner, damit der Profit einer Gegend zur Geltung kommen kann, weil diese dann verwertet werden kann.

Wer zum Beispiel an einem Bettler nur vorbei geht, nichts tut, tötet eventuell. Um wie viel mehr ist die Tötungsabsicht in der geplanten Veschärfung der Hartz IV Gesetze enthalten, die Sanktionen rascher noch anwenden will auf Menschen, die sowieso dem Mangel an allen Lebensgrundlagen ausgesetzt sind?

Du sollst nicht töten und Deine Freiheit zur Förderung jeglichen Lebens nutzen, so gut Du es vermagst. Freiheit bedeutet auch, sich dafür einzusetzen mit aller Kraft und Macht, die der Mensch hat, andere leben zu lassen. Das Töten fängt ja nicht beim Griff zur Waffe an, sondern damit, dass ein Mensch einen, oder viele andere, nicht mehr leben lassen will,- oder, dass in Kauf genommen wird, dass Menschen getötet werden.

Freiheit kann nicht losgelöst von menschlicher Verantwortung gesehen werden. Die Liebe zum Frieden gehört dazu, zur Wahrhaftigkeit, zur Nächstenliebe. Und es gehört der Mut dazu, für diese Überzeugungen einzutreten, egal in welcher Position ich mich befinde. Sich einsetzen für die noch Schwächeren, für jene denen Unrecht widerfährt, ohne sich einer anderen Macht zu beugen.

Genauso wenig wie der einzelne Mensch eine Insel ist,- genauso wenig kann die Freiheit losgelöst von allem anderen existieren. Gerade der Pfarrer Gauck müßte dies wissen, aber vermutlich hat er es rasch und gerne vergessen, als die Macht ihn versuchte.

Es ist so einfach, sich christlich zu nennen,- aber das wirklich zu leben, was jener Christus zum Ausdruck brachte, ist eine ganz andere Angelegenheit. Sei was Du bist in aller Freiheit, aber niemals losgelöst von dem, was Leben und Lebendigkeit bedeutet. In diesem bedeutet Freiheit auch bedingungslose Liebe dem Leben an sich gegenüber. Genau daraus ergibt sich aber der berechtigte Anspruch: „Du sollst nicht töten!“ – egal, ob direkt oder indirekt. Das Elend ist ja gerade, dass sich der Mensch um seines Vorteils willen der Macht beugt, und dass auf diese Weise sich nicht einmal die Pfarrer verpflichtet fühlen, das zu verteidigen, was eben der Christus von dem sie die Bezeichnung „christlich“ ableiten, geboten hatte.

„Du sollst…“, aber nicht der Macht dienen, die gerade opportun ist. Wenn dem Menschen von einer anderen Macht, als jener seines eigenen Seins, befohlen wird, dann hat der Mensch seine eigene Moral weggeworfen. Wer sich von anderen Mächten befehlen läßt, lebt selber sittenlos, gehorcht nur. Wer sich nicht selber und seiner Vernunft und Moral gehorchen kann, der ist nicht frei.

So lange, wie gerade die Liebe zum Leben in Verbindung mit der Vernunft der eigenen Moral in Mitmenschlichkeit eine bejahende Verbindung zur Freiheit eingeht, und mit dem Mut bedingungslos dazu zu stehen, führt nichts hinaus aus den Abhängigkeiten. Herr Gauck hat sich angesehen, welchen Preis das kostet, und war nicht bereit diesen zu bezahlen. Denn, in dieser Welt in der es keinen Frieden gibt, keine Freiheit, die nicht etwas kostet – weil dumme Menschen im Wahn der Macht das so eingerichtet haben – muss um alles dies gekämpft werden, und das ist der Preis dafür. Herr Gauck hat es sich bequem gemacht.