Bestie Mensch?

WIR werden alle alt, können uns zum Teil nicht mehr selbst versorgen, werden hilflos und von anderen Menschen abhängig. Was wir dann als Würde so alles erfahren, wird immer wieder in den letzten Jahren angesprochen und zum Teil auch als Dokumentation gezeigt, wohl aber noch nie mit dieser Brutalität und Grausamkeit, wie jetzt hier durch das Team Wallraff. Doch es geht dabei nicht mehr ausschließlich um den einzelnen Menschen, welcher seinen an sich verdienten Lebensabend in Ruhe und Würde erleben will, an erster Stelle steht über allem die Kostenfrage. Diese entscheidet auch über wohl und Wehe der einzelnen Patienten. Und als sogenannte Oberaufseher sind es unsere eigenen Politiker, welche wohl gut betuchten Kunden jegliche hochpreisigen Waren in alle Welt verkaufen, aber für einen würdevollen und gesicherten Lebensabend schlimmer um jeden Cent feilschen, als ein Händler in einem orientalischen Basar.

Das Personal in diesen Einrichtungen, besonders in den Staatlichen, werden inzwischen so schlecht entlohnt, dass sie zum Teil schon wieder über stattliche Zuschüsse aufstocken müssen. Dass diese Pflegekräfte, welche auch noch zum Teil gar nicht richtig ausgebildet sind, sondern eigentlich nur Hilfsdienste leisten, um die echten Pflegekräfte zu entlasten, ist durch die Vorgaben der Politik absolut gewollt. Das Fehlen von qualifizierten Personal hat in erster Linie mit der miesen Bezahlung und Vergütung zu tun, sodass die dort Arbeitenden eigentlich nur noch Dienst nach Vorschrift machen und machen können, sonst würden noch viel schlimmere Zustände herrschen, wie bei dem derzeit aufgedeckten Skandal in München.

Ganze 9 Monate hat es gebraucht, damit der Wallraff-Zögling und Sidekick des Verbrechensbekämpfers Robin alias Osterhaus als Praktikantin folgendes heraus findet: Eine 92 jährige liegt 3 Stunden in ihren eigenen Exkrementen.  Lebensgefährliche Noroviren werden vertuscht, Pflegeberichte und Atteste werden gefälscht. Emotionalisierende Beats von Massive Attack versüßen Pöbeleien gegenüber den älteren Menschen, den Gestank und die Fäkalien im Zimmer. Es herrscht Ahnungslosigkeit beim Verabreichen von Medikamenten, Mangel an Geld, Zeit und Pflege. Genauer: 5-7 Minuten pro Patient, 3 Pfleger für 37 Patienten. Zeit-, Akkord- und Schichtarbeit, 40 Stunden Woche, 900 EUR im Monat netto. „Ich möchte sterben,“ meint eine Patientin. Unterbrechung: RTL-Werbung. Weiter: „Ja, sind wir denn hier im Zoo?“, fragt eine Pflegerin als eine alte Frau vermutlich schon die halbe Nacht verdreht am Boden liegt. Noch eine Frage obendrauf: „Geht es ihnen gut?“. Gelächter. Sehr richtig bemerkt schließlich eine alte Frau im Rollstuhl: „Hier ist es nicht lebendig“.

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Wirklich geschlampt wurde bei der Ausarbeitung und Verabschiedung von Gesetzen zur Pflege von älteren und alten Menschen. Dass sich Parlamentarier nicht besonders Sorgen machen bei ihrem Lebensabend, liegt ja nun mal auf der Hand. Sie haben für ihr Alter einfach von Haus aus ausgesorgt. Aber Wissen um dass Dilemma von alten Menschen haben sie ganz sicher nicht, denn es ist nicht gerade einfach, diese doch etwas anderen Bedürfnisse überhaupt in ihren Schädel zu bekommen, ist mühsame Kleinarbeit. Und hier kommen dann die sogenannten Experten ins Spiel, denen es eigentlich noch mehr am Arsch vorbei geht, wie mit diesen hilflosen Menschen umgegangen wird.

Über 200.000 Pflegekräfte fehlen in Deutschland und dass ist nur geschätzt.

Dass man auf Günther Wallraff rum hackt, ist nicht besonders neu, wie man an dem zitierten Text leicht erkennen kann, nur vergisst der Kritiker anscheinend, dass die in diesen Beitrag geschilderten Zustände inzwischen der sogenannte Normalfall sind. Die Leidtragenden sind in erster Linie die Insassen und Patienten und dann natürlich auch die Pflegekräfte, welche als die Buhmänner und -frauen  abgestempelt sind. Ich werde hier für unmenschliche Verhalten von deren Seite keine Lanze brechen, denn diese Art der Höhlenbewohner haben garantiert nichts in der Pflege verloren. Wer aber trotz dieses ganzen Wissen ganz bewusst diesen Beruf ergreift, verhält sich, zumindest zu Beginn seiner Laufbahn nicht wie eine Wildsau. Anders verhält es sich mit Mitarbeitern, welche eigentlich völlig ungeeignet sind für diesen Beruf sind und von der Arbeitsverwaltung in diesem Land gezwungen werden, in solchen Jobs ihren Unterhalt zu verdienen. Vielen geht sehr schnell die Empathie quasi ‘flöten’, wenn sie wie die Bekloppten schuften und dann anschießend noch aufs Amt müssen, um aufzustocken. Dass diese Saubären dann ihren Frust an den ihnen Anvertrauten aus lassen, sollte eigentlich nur wenige Menschen verwundern, denn es war eigentlich schon immer so, dass sich die Wehrlosen nur höchst selten wirklich beschweren. Dies nimmt auch die Politik ganz bewusst in kauf, besonders die sogenannten christlichen Parteien.

Nur ist dass alles bisher der Anfang, denn in den nächsten 10 bis 20 Jahren werden wir hier in Deutschland unter eine Pflegemisere quasi zusammen brechen und die Betroffenen werden noch mehr leiden müssen, wenn sich in der Politik nicht etwas grundlegend ändert. Heftpflaster, wie bisher, werden da aber nicht mehr mehr helfen, denn der sogenannte Gesetzgeber wird sich dabei immer mehr den Gerichten, auch den europäischen, unterordnen müssen, welche solchen Zustände immer mehr auf den Tisch bekommen. Reine Ökonomie wird da nicht mehr von nutzen sein. Noch haben wir sehr viele Möglichkeiten, dass Ganze umzusteuern, denn jeder von uns kann in diese Situation kommen und genau dies dürfen WIR niemals vergessen.

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AlterKnacker

AlterKnacker
Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.