Auf der Schlagsahne durch die Welt paddeln …

4:00 Uhr. Gerade aufgestanden. Wurde wach und sitze schon wieder vor der überdimensionierten Schreibmaschine.

Habe mich jetzt entschlossen, den Computer mit dem neuen Betriebssystem Windows 8.1 Update 1 zu betreiben. Ganz frisch installiert. Es soll ja nicht völlig umsonst gekauft sein, auch wenn ich wirklich nur ganz wenig Geld dafür aus gegeben habe. Mit der neuen Kacheloberfläche brauche ich mich jetzt nicht mehr anzufreunden. Durch das Update 1 kommt man auf einem relativ ‘normalen’ Laptop wieder direkt auf den Desktop, muss sich nur noch marginal mit Veränderungen rum ärgern, welche sich Kleinweich so für die Kuhzunft ausgedacht hat. Die Welt dreht sich ja einfach weiter, ohne dass sie Rücksicht auf die Befindlichkeiten nimmt, welche meinem inzwischen erreichten Alter geschuldet ist.

Seit über 30 Jahren sitze ich jetzt vor den gestern im TV genannten Möhren, die man im Alltagsdeutsch auch Computer nennt. Angefangen mit dem Commodore 64, teuer erkauft damals und ohne jegliche Vorkenntnisse, aber mit einer Neugier aus gestattet, welche für mindestens zwei Generationen reicht. Die Welt soll nun mal wissen, dass auch Menschen an diesen Kisten ihren Platz finden können, welche nicht mit den Segnungen der höheren Bildung ausgestattet sind.

Eigentlich müsste ich mich ja um einen angefangenen Beitrag kümmern, der jetzt schon seit fast 20 Tagen angefangen auf der Festplatte sein Dasein fristet. Fast 3000 Worte sind da schon geschrieben, aber das Thema “Leben und Erwerbsarbeit” ist nicht gerade als Roman an zu sehen, den man so einfach aus dem Bauch heraus erfindet.

Für mich gibt es heute einfach auch Zeiten, in denen ich nichts schreiben kann, auch wenn die Gedanken immer weiter fließen und man diese dann doch nicht in die Kiste hackt, denn man ist immer wieder einmal blockiert in seinem Schreibfluss. Es kommen ja auch ständig neue Themen hinzu, die Welt, die Nachrichten, die Sauereien laufen immer weiter und wenn man dann noch ständig durch seine Kontakte in den sozialen Medien abgelenkt wird, kommt man auch einfach mal aus seinem eigenen Marschtritt, obwohl die Zeit des Marschierens ja eigentlich ad acta gelegt ist. Wenigstens für mich.

Eigentlich nutze ich diese sozialen Medien wie Facebook und Google Plus eher als Werbeplattform für den FIWUS, denn wenn man sich auf diese dort gegebenen Möglichkeiten voll ein lässt, hängt man wohl den ganzen Tag dort rum, macht hier und da seine mehr oder minder dummen Bemerkungen, aber ansonsten haben sie nicht besonders viel mit kreativem Schreiben und publizieren zu tun. Sie sind Werkzeugkästen, mehr oder weniger gut aus gestattet, aber sonst nicht viel mehr, zu mindestens aus meiner Sicht.

Es sind jetzt eineinhalb Stunden vergangen, ich habe etwas über 400 Worte geschrieben und muss gerade daran denken, dass es Menschen gibt, die in dieser Zeit mehr als das Doppelte in ihren Computer ein tippen, wenn sie denn tippen gelernt haben. Bei mir ist dies nicht der Fall. Ich tippe immer noch im 2-Finger-System, auch Adlersystem genannt; über der Tastatur schweben und dann runter stürzen. Nicht gerade die schnellste Art, zu schreiben, besonders nicht, wenn die Gedanken schon einen Kilometer weiter sind. Und dabei stellt sich dann auch zwischen durch immer wieder mal die Frage, wofür dass alles gut sein soll. Gibt es auch genügend Leser und Leserinnen, welche meine Ergüsse auch zu schätzen wissen? Es sind ja auch nur die Gedanken eines einzelnen Menschen auf dieser Welt, bei ca. 7 Milliarden Konkurrenten – die aber Gottseidank nicht alle schreiben.

Das Internet gibt mir aber die Möglichkeit, meine Gedanken für lange Zeit auf zu bewahren und wenn dann in Hundert oder Tausend Jahren jemand über meine Texte stolpert, habe ich mir selbst auf meine Weise so was wie eine Unsterblichkeit erarbeitet, welchen nur ganz wenigen Menschen vergönnt ist. Wie viele Autoren, Schreiber und Schriftsteller, wie viele Publizisten es überhaupt auf der Welt gibt, ist mir dabei eigentlich völlig schnurz egal, in dieser Beziehung bin ich mir selbst der Nächste und ich sehe meine mir selbst gestellte Aufgabe als etwas nützliches an, auch wenn andere Menschen da ganz anderer Meinung sind.

Im Grunde genommen kann mich die Welt als solches inzwischen sowieso ziemlich am Arsch lecken. Darum ist der FIWUS ja eigentlich entstanden. Auch wenn ich so ganz nebenbei immer wieder gewisse Träume von der Schriftstellerei habe, so weiß ich doch als Realist, dass ich nur ein ganz primitiver Stümper auf diesem Gebiet bin und nie in irgendwelches Ruhmeshallen zu finden sein werde. Nur ist dies mir wirklich scheiß egal, denn niemand sonst steckt nun mal in meiner Haut. Meine Kreativität hält sich einfach nun mal in engen Grenzen, die ich auch kenne und akzeptiere, so wie sie sind.

Oft genug schreibe ich meine Meinungen zu gerade aktuellen Themen, welche sich in den verschiedensten Medien immer wieder darstellen, tagtäglich. Wäre ich jetzt der Herausgeber einer Zeitung oder eines sonstigen Organs aus diesem Metier, müsste ich mich auch darauf ein stellen, dass mein Blatt nach spätestens zwei Tagen Schnee von gestern ist und das Papier zum Einpacken von irgendwelchen Dingen Verwendung finden würde, die aber dort abgedruckten Texte keine Sau mehr interessierten. Die dort tätigen Autoren und Schreiber aber leben davon, sie werden für ihre Texte bezahlt, aber das Transportmittel einer Zeitung ist heute nicht mehr besonders an den Texten interessiert, sondern nur noch am Verkauf von gedruckter Werbung, denn die spült das nötige Geld zum Betrieb eines Mediums in die Kassen und nicht die Artikel, welche so ganz nebenbei dort veröffentlicht werden.

Ich habe mit dem Schreiben eigentlich ziemlich spät angefangen, ich war schon knapp Mitte 50 und suchte eine neue Aufgabe, um meinem Leben wieder einen gewissen Sinn zu geben. Zu Anfang überwog das Biographische, denn es war auch gleichzeitig die Aufarbeitung meines bisher vergangenen Lebens, nach zu lesen hier im FIWUS, aber nur, wenn man wirkliches Interesse hat und sich auch die Mühe macht, danach zu suchen.

Tag 2. Ich bin am überlegen, ob ich hier nicht doch den auf Halde liegenden Text über das Leben als solches und die inzwischen von allen so hochgelobte Erwerbsarbeit einfügen soll. Dann kommen aber auch die Überlegungen, dass der Text dann aber ziemlich lang wird. Es gibt ja inzwischen regelrechte professionelle Unterstützer von Schreibenden, die meinen, damit ein Stück vom finanziellen Kuchen für sich ab schneiden zu können. Ich habe mir diese Seiten an geschaut. Inzwischen kann ich nur jedem Schreibwilligen anraten, Finger weg. Wer schreiben will, soll es einfach versuchen. Sich hinsetzen und seinen Gedanken und dabei natürlich seinen Tipp-Fingern freien Lauf lassen und vor dem Veröffentlichen einfach den gesamten Text noch einmal Revue passieren lassen. Da ist ja gerade der Computer eine große Hilfe, denn es wird ja kein Papier verschwendet. Natürlich muss man ständig daran denken, das Speichern nicht zu vergessen. Aber diese Routine kommt mit der Zeit von alleine. Es ist ja nur eine Tastenkombination. Natürlich sind jedes Wort, oft genug auch ganze Sätze, schon einmal irgendwann, irgendwo geschrieben worden, mit oder ohne Interpunktion. Es kommt halt immer darauf an, was man so in seinen Ergüssen aussagen will.

Schreiben ist Kreativität, aber auch Arbeit. Es gibt Tage, da sitze ich vor dem Computer und bekomme kein einziges Wort auf den Bildschirm, auch wenn ich vorher schon seitenweise andere Texte gelesen haben. Keine Ideenlampe geht an. Aber schon das Lesen der Nachrichten-Schlagzeilen kann, muss aber nicht, dies ändern. Wer sich nicht auf solche Krücken verlassen will, kann sich seinen eigenen Stil erarbeiten. Kurzgeschichten sind immer ein guter Einstieg, besonders, wenn sie autobiographisch sind. Hat man eine Ideen-Quelle aufgetan, kann man auch seinem eigenen satirischen Affen Zucker geben. Wird immer gerne gelesen.

In Blogs wie dem FIWUS hat man immer die Möglichkeit, sich seine Bestätigung, aber auch die Resonanz dessen, was man so veröffentlicht, wiedergeben zu lassen. Man hat im Hintergrund die Statistik, wie viele Klicks man zu seinen eigenen Beiträgen bekommt. Das Interesse am Geschriebenen hängt von vielen Faktoren ab.

Eine bisher ungestellte Frage will ich aber auch gleich beantworten: Der Titel dieses Beitrags ist mir gleich zu Beginn gekommen, denn Sahne ist wohl für die meisten Menschen sehr wohl schmeckend, aber sie ist auch eine zähe Masse. Und wer es jetzt bis hierher geschafft hat, zu lesen, dem sind die kleinen Ratschläge aus diesen Beitrag möglicherweise eine kleine Hilfe, es selbst einmal zu versuchen. Mir selbst hat es ja auch Spaß gemacht, auch wenn so manche Stunde dabei vergangen ist. Für mich selbst war es aber keine vergebliche Zeit.