Was sich einbildet, ein Mann zu sein.

Sich die Männlichkeit zu beweisen, egal in welcher Form, für was auch immer, ist rar geworden. Die Frauen wollen als gleichberechtigt nicht nur gelten, sondern möglichst so leben und behandelt werden. Die Natur soll nicht mehr nur besiegt und überwältigt, sondern bewahrt, geschützt und geachtet werden. Nirgendwo ist Wildnis, die gerodet, ist Unbezähmtes, das unterworfen werden will.

Bevor sich die Schutzkreise sämtlich schliessen, unter Missachtung der schon vorhandenen Abkommen, schleicht sich der Männlichkeits-Suchende durch die Lücken der Gesetze und Regelungen nach Afrika. Grün behost und geshirtet – doch, ein wenig Grün darf schon sein – schnuppert der zur Jagd Angereiste in das satte Licht des Landes. Nur hier ist noch eines jener Tiere, die einem richtigen Mann noch ein Gegner sein können.
Was ist dagegen schon die Macht in einem der Bundesländchen eines Landes, das mit dem sonst gerne beschworenen Gott aller Geschöpfe nicht mehr viel zu tun hat. Es ist eher verborgene, wenn auch wirkliche Macht. Er verdient nicht schlecht dabei, darum kann er sich eine solche Jagd nach bestätigter Männlichkeit auch leisten.
Ansonsten wacht er über Regelungen, Gesetze, die schützen sollen, die Ordnung schaffen sollen gegenüber allem ungeregelten Vorgehen. Nun aber steht er in Afrika, er wollte es so – er wollte diesen gigantischen Gegner, den er erlegen will. Nur dieser ist ihm angemessen.

Hinter ihm versank jene Welt, in der er behüten sollte. Jene, die auch korrupt ist, verlogen, unfähig, schlecht…
Mit den gemieteten Helfern wartet er auf das Ungetüm, das er zum Tode verurteilt hat. Nein, ein Jäger der früheren Zeiten ist er nicht, da hätte er im günstigsten Fall einen Speer, oder ein Steinbeil zur Verfügung gehabt, und hätte also sein Leben riskieren müssen. Das ist hier und heute kaum der Fall. Präzisisonsgewehre sorgen dafür, dass ein Jäger kaum noch gefährdet ist.
Nein, hier ist kein Messen der Kräfte mehr, das auch nur annähernd gleich wäre zwischen zwei Lebewesen. Tatsächlich kämpft der Jäger nicht mehr um sein Überleben, auch nicht um Fleisch. Er hat den Elefanten zum Tod verurteilt, weil ihm danach war, etwas mächtig Erscheinendes, das er eigentlich schützen sollte, zu töten. Es gibt die Reservate für die gefährdeten Tiere, die eigentlich nicht mehr in diese Menschenwelt passen, in der jene Menschen leben, die sich das Recht herausnehmen, sich als solche zu bezeichnen. Er, der Jäger, hat sie mitgeschaffen, denn er ist ja einer jener Leute, die Tiere schützen.
Aber, diese Tiere, diese unpassenden Ungetüme, dieses Wilde in allem Bezähmten, lebt auch nur noch vom Wohlwollen der Menschen. Da steigt kein Engel vom Himmel herab, um sich zwischen Jäger und Tier zu werfen, da gibt es keine wilde Herde mehr, die ihn – den Jagdlüsternen – davon abhalten könnte, den Elefanten zu töten. Und er – der Jäger – ist zu diesem geworden, und hat den Schutz weggezogen.

Der Elefant kommt…
Klein noch, grösser werdend, angezielt zwischen den grossen Ohren – ein Knall, ein Rückstoss, und der Elefant stürzt.
Nach der Sicherheitspause, in der abgewartet wird, ob der Elefant auch wirklich tot ist, das Siegerfoto. In diesem Augenblick ist der Jäger der Grösste – und das will er festhalten, bildlich.
In seinem Gesicht ist das Grinsen, das auch noch da sein würde, wenn die Erde krepiert.
Nichts hat er verstanden, und männlicher ist er auch nicht geworden…
http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Thueringens-Leiter-fuer-Artenschutz-bruestet-sich-mit-totem-Elefanten-1191538220

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.