Abmahnung für den Chef:

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Eine Abmahnung an den Chef:

Mein Mann ist Aufstocker, er arbeitet in Teilzeit an drei Tagen in der Woche. Die Wochenarbeitszeit beträgt 25 Stunden, für Sondereinsätze und Vertretungen ist er auch vorgesehen. Die Arbeit machte Spass, und in den ersten Jahren lief es auch sehr gut. Dann jedoch begann der Chef im Monatstakt ungefähr an den Stunden herumzufrickeln. Er behauptete, dass es den Hartz IV Beziehern noch zu gut gehen würde. Vor allem aber betonte er gerne, dass diese nicht arbeiten wollen, wenn sie nicht dazu angetrieben werden.
Er dachte sich so schöne Dinge aus, wie Zigarrettenkippen gründlich aus den Pflasterritzen entfernen. Am Sonntagmorgen beim Wochenendeinsatz bitte den Hundekot rund um die Kirche entfernen, damit die Gottesdienstbesucher später sauberen Fusses die Kirche betreten können – klar, muss sein…
…aber, es war Nacht, und ohne Stirnlampe sieht man dort nichts. Die Stirnlampe haben wir uns selber beschafft.

Nur kleine Beispiele von vielen.
Dann kamen die Stundenänderungen. Urlaub wurde nicht gewährt.

Mein Mann ist lernbehindert, also assistiere ich ihm bei allem, was mit schriftlichen Dingen zu tun hat, und bei Besprechungen.
Inzwischen ist mein Mann krank, hat kaputte Knie, der Knochen löst sich teilweise auf…
…und das Krankenhaus überlegt sich, wie vorgegangen werden soll.
Trotzdem sandte der Chef am heiligen Abend einen Brief mit Lohnrückforderungen, und am Wochenende ebenfalls. Ich hatte seit Anfang Dezember eine verschleppte Grippe. Auch am Telefon behauptete der Chef, trotz Krankmeldung, dass mein Mann nur nicht arbeiten wolle.

Es war einfach genug.
Wir haben dem Chef eine Abmahnung geschrieben. Namen wurden entfernt.:

An den Chef:

Betr.: Ihre Anschreiben wegen angeblicher Sollstunden, Urlaubsverweigerung, etc.

Widerspruch und Abmahnung.

Sie können zwar die Stundeneinteilung gestalten, aber nicht in einer Weise, welche die Hauptleistungspflichten Lohn gegen Arbeit in Frage stellen. Genau das versuchen Sie seit ca. 2 Jahren, und haben dies nun auch schriftlich getan.
Seit 1 Jahr ungefähr erschweren Sie die Verrichtung der Arbeit durch den Arbeitnehmer – und die Einhaltung der Wochenarbeitszeit. Die Kollegen des mobilen Dienstes haben meinen Mann in den letzten Monaten, in denen er nach seiner Krankheit letztes Jahr wieder arbeitete, nach 1 ½ Stunden vom Auto verwiesen, mit dem Hinweis, Sie hätten das so angeordnet.
In Ihrem meinem Mann zugesandten Arbeitsplan sind aber 2 Stunden angegeben. (Wintermonate). Die Kollegen wiesen meinen Mann an, er solle nach Hause gehen, und erst wieder am Mittag weiter arbeiten. Dass das – in der Woche – zu wenige Stunden ergeben würde, fällt direkt auf.
So viele Sondereinsätze gibt es nicht, um die Differenz der Stunden auszugleichen.
Mein Mann hat trotzdem gearbeitet.

Die Anmerkung: Bereitstellung der Arbeitskraft bezog sich auf diese Vorgänge, und war keinesfalls so gemeint, dass der Arbeitbnehmer seine Arbeitskraft nicht eingesetzt hat. Diese Anmerkung bezieht sich auf folgendes Verhältnis: Dienst (Bereitstellung der Arbeitskraft).
Bei Arbeitsvertrag kommt wirtschaftlicher Erfolg dem
Arbeitgeber zugute.
Eingliederung in die Organisation des Arbeitgebers
Weisungsgebundenheit
Während der Arbeitszeit Pflicht zur ausschließlichen
Bereitstellung der Arbeitskraft für den Arbeitgeber –
kein Recht, in dieser Zeit für einen anderen tätig zu
sein, auch nicht bei Leerlauf.
Maßgeblich ist nicht die Bezeichnung, sondern es sind die
faktischen Verhältnisse.

Ihr Weisungsrecht, Herr Chef, geht nicht so weit, dass Sie an den abzuleistenden Stunden in einer Art und Weise herumfrickeln, in der sich dann im Endergebnis ein Minus ergibt, falls sich der Arbeitnehmer an die Vorgaben hält.
Erforderlich für die Ausübung des Direktionsrechtes ist aber, dass der Arbeitgeber einen sachlichen Grund für die Änderung der Lage der Arbeitszeit anführt. Inwiefern dies der Fall ist, erschließt sich nicht, indem Sie dem Arbeitnehmer einen Arbeitsplan aushändigen.
Der Arbeitgeber kann somit nicht wilkürlich die Arbeitszeiten ändern, sondern nur nach “billigem Ermessen.
Bestimmte Fristen für die Änderung der Arbeitszeit bestehen nicht, aber auch hier ist wieder das “billige Ermessen” zu berücksichtigen.Der Arbeitgeber hat die wesentlichen Umstände des Falles abzuwägen und die beiderseitigen Interessen angemessen zu berücksichtigen. Ist dies nicht der Fall, ist das Direktionsrecht des Arbeitgebers nicht wirksam ausgeübt.
Aus allen diesen Fakten geht hervor, dass Sie nicht dazu berechtigt waren und sind, in den Stundenzetteln herumzustreichen, und neue Sollstunden zu kreieren.
Zu den Stundenzetteln im November ist zu sagen, dass beide krank waren – mein Mann und ich auch. Es wurden die falschen Zettel abgegeben, die nicht richtig ausgefüllt waren. Bevor wir nun dies mitteilen und eine Korrektur vorschlagen konnten, hatten Sie schon das nächste Schreiben zustellen lassen.
Die Schreiben kamen bei uns an: Am heiligen Abend – und zum Wochenende.

Die Förderung für den Arbeitnehmer Siegfried Prommersberger wird gerne in Anspruch genommen, wofür er eine Deckelung seines Lohnes in Kauf nimmt. (Nicht freiwillig, aber das ist für die Sache an sich uninterressant.) Die Arbeit erfordert es auch, dass sich ein Arbeitnehmer darin entfalten kann, und nicht immer durch Merkwürdigkeiten in der Arbeitszeitgestaltung dabei verwirrt und behindert wird. Das war in den letzten Jahren nicht unbedingt der Fall.

Sollte das stimmen, was die Kollegen vom mobilen Dienst meinem Mann sagten, (dass er nach 1 ½ Stunden schon gehen sollte – und zwar nach Hause – und, dass Sie Herr Chef dies veranlasst hätten), gibt das doch Anlass zur Verwunderung. Da die Arbeit meines Mannes gefördert wird, ist eben die Frage, wem damit gedient ist, wenn er zu Sollstunden und Wenig-Arbeit veranlasst werden soll.

Sie haben im vergangenen Jahr 2013 keinen Mindesturlaub gewährt. Die Anträge wurden mehrfach abgelehnt, und der Anruf Ihres Stellvertreters, wegen Urlaubs-Inanspruchnahme, kann im Nachhinein nur als schlechter Witz betrachtet werden. Auch der auf diesen Anruf hin gestellte Urlaubs-Antrag wurde von Ihnen abgelehnt – weil sich mein Mann geweigert hatte, dem abgeforderten Bereitschaftsdienst während des Urlaubes zuzustimmen. Sie – Herr Chef – und auch Ihr Stellvertreter müssten wissen, dass diese Forderung an den Arbeitnehmer nicht mit dem Arbeitsrecht übereinstimmt, und also nicht zulässig ist. Als wir dann ab März 2014 Urlaub beantragten, wurde auch dieser abgelehnt.

Inzwischen hat sich der Zustand meines Mannes wieder verschlechtert, und er ist krank gemeldet. Die dauernden Querelen um Arbeitszeit, angebliche Sollstunden, deren Kosten die mein Mann erstatten soll, tragen nicht gerade zu Optimismus und Lebensfreude bei.
So, wie das Stundenmanagement bisher betrieben wurde, funktioniert es nicht. Mein Mann hat darum meistens wie gewohnt – also, voll gearbeitet. Das heisst, Montags und Dienstags 8 Stunden, Freitags 9 Stunden. Dies tat er auch dann, wenn er dabei behindert wurde.
Zum Beispiel hatte er sein Arbeitsgerät nicht immer zur Verfügung.
Die Wägelchen waren abgeschlossen.

Sie, HerrChef, nehmen ja grundsätzlich an, dass der Arbeitnehmer nicht arbeiten will. Dies haben Sie ja auch schon geäußert. Dass das eine Diskriminierung dem Arbeitnehmer gegenüber ist, stellt eine Tatsache dar.

Mein Mann muss erst mal gesundheitlich wieder so weit hergestellt werden, dass über einen Arbeitseinsatz geredet werden kann. Wenn dann allerdings die Wiedereingliederung in den Betrieb und dessen Arbeitsabläufe wieder so ein Kuddelmuddel ergeben, wie beim letzten Mal, dürfte das nicht erfreulich werden.

Es gibt keinen Arbeitsunwillen bei meinem Mann. Allerdings ist er keine Maschine, und andererseits auch nicht dazu da, Ihre eventuellen Vorurteile zu bestätigen.
Tragen Sie dafür Sorge, dass die Querelen und Behinderungen in Bezug auf die Arbeitszeiten ein Ende haben, die Diskriminierungen aufhören, und der Urlaubsanspruch meines Mannes erhalten bleibt.
Geben Sie einfach mal Ruhe, bis die Krankmeldungen meines Mannes zu Ende sind. In dieser Zeit können Sie ja zur Aufklärung der Verwirrungen beitragen:
Klären Sie bitte auf, wie es zu den angeblichen Sollstunden gekommen sein soll – mit Beweisen.
Andernfalls müssen wir annehmen, dass die Beschuldigungen und Behinderungen beabsichtigt sind.

Unterschriften: