Der ‘menschliche’ Unterschied …?

Schon als Kind wurde mir durch meine Umwelt vermittelt, dass Homosexualität, schwul sein, ‘Igitt’ ist. Auch wurde darüber von den Erwachsenen im Beisein von Kindern fast nie gesprochen. Natürlich hatte die Schule bzw. der Schulhof auch hier einen großen Anteil an der sogenannten Aufklärung. So Mitte der 50er Jahre wurde dabei immer wieder mal der Paragraph 175 erwähnt, welcher Homosexualität zu diesem Zeitpunkt noch unter Strafe stellte, was man aber in dieser Zeit halt noch nicht googeln konnte. Es mussten schon noch Bücher und Lexika herhalten, aber nur die wissensdurstigsten unter uns Kindern machten von dieser Möglichkeit gebrauch.

Bei mir selbst kommt auch noch hinzu, dass ich als Kind von einem Mann angefasst wurde und darüber dann Jahrzehnte nicht darüber sprechen konnte.

Schwul sein war also ein echtes Problem für die Männer und, wie ich dann später heraus fand, auch für die Frauen. Die gesellschaftliche Ablehnung war fast wie fest betoniert. Menschen mit dieser Veranlagung (und es gefällt mir inzwischen gar nicht mehr, von Veranlagung zu sprechen, denn Heterosexualität wird ja auch nicht als Veranlagung an gesehen) waren quasi gezwungen, sich im sogenannten Untergrund zu bewegen und sich so zwangsläufig auch in der Kriminalität wieder zu finden. Zugleich wurde alles in dieser Richtung mit einer sogenannten einseitigen Wortakrobatik mehr als nur verächtlich abgehandelt. Diese Menschen wurden noch schlimmer ‘behandelt’ als Aussätzige.

Heute, mit meinen 66 Jahren, hat sich wohl im Toleranzfaktor des Zusammenlebens zwischen Menschen einiges geändert, aber es gibt halt immer noch Tabu-Zonen. Bestimmte Lernprozesse brauchen wohl in bestimmten Zusammenhängen einfach mehr Zeit, als andere Lernphasen. Ein Großteil wird dabei auch von ganz bestimmten Politik-Ideologien gesteuert, was ich besonders verwerflich finde. Gerade bei dieser Klientel gehen ja viele Mitmenschen davon aus, dass sie sich mit der menschlichen Geschichte doch etwas mehr auskennen, als Otto-Normalo, aber oft ist das Gegenteil der Fall, wie es die Tausendjährige Geschichte der Menschheit beweist. Und obwohl es unter den Menschen und ihren sogenannten Veranlagungen immer schon Unterschiede gab und auch weiterhin gibt, so werden menschliche Verhaltensweisen doch immer sehr genau und kritisch, aber niemals objektiv beurteilt.

Homosexualität war schon immer vorhanden, denn sie ist nun mal keine Krankheit. WIR stecken Menschen in Schubladen, nicht die Natur. Toleranz aber ist erlernbar, genau so, wie andere Fähigkeiten. Nur die Intoleranz der Majorität der Gesellschaft verhindert immer wieder, dass sich solche Lernprozesse schneller durch setzen, als neue Technologien. Die Masse Mensch lernt einfach viel schneller, mit einem Smartphone umzugehen, als mit menschlichen Unterschieden. Ist aber auch von ganz bestimmten Gruppen von Menschen genau so gewollt, denn nichts ist leichter zu führen als eine Hammelherde. Trotzdem mehr als gut, dass es Ausnahmen gibt. Genau diese Ausnahmen sind es, die ihre Einstellungen nicht nach Normen leben und damit, wie auch in der Technologie, immer wieder neue Wege aufzeigen. Leider sind solche Prozesse mehr als langwierig. Echte Toleranz, sowie auch Liberalität, hat halt auch was mit dem Bildungsniveau jedes einzelnen zu tun. Dieser Beitrag wird aber die echte Misere der menschlichen Toleranz nicht zum positiven befördern.