Alt werden ist Scheiße … Teil 4 …

 

Irgend wie … geht das Leben ständig weiter, egal, was einem selbst gerade passiert.

Obwohl ich mal wieder um 05:30 Uhr aufgestanden bin, habe ich dann doch nicht die rechte Lust, meinen Kopf an zu strengen. Muss ich jetzt zu jedem Kapitel dieses Beitrags so was wie ein Vorwort schreiben? Schau ich mir nur die Schlagzeilen in den Google-News an, könnte ich eigentlich heulen. Diese Art der Schlagzeilen inspirieren zu gar nichts.

Hab gerade einen Kommentar meines Bruders frei geschaltet, da kam mir in den Kopf, dass es seit der Bundestagswahl am 22. September keinen Schritt mehr vorwärts geht. Auf den ersten Blick könnte man meinen, Deutschland ist in ‘Schönheit’ erstarrt. Als wäre das Leben in diesem Land ein reines Zuckerschlecken. Mag ja auch für manch einen so gelten, aber ist dass dann gleich ein Grund, sich in eine Art Winterschlaf zu begeben, ganz speziell unsere Politiker gefragt?

Drei Monate haben sie Verhandlungen geführt, mit großem Tamtam, begleitet von unseren ach so unabhängigen Medien. “Warum sich den Arsch auf reißen, das Geld für die Damen und Herren kommt ja pünktlich aufs Konto.” Klar, auch meine ‘überdimensionale Rente’ kommt pünktlich, nur ist die ein Bruchteil dessen, was so ein gewählter Politiker monatlich einstreicht und sich dann drei Monate auf die faule Haut legt. Jetzt kommen auch noch diese dämlichen Feiertage dazu, an denen die Herrschaften keinen Handschlag rühren.

Unsere Politiker haben sich freiwillig entschieden, in diesen Beruf zu wechseln. Ich z.B. wurde 2009 mit meiner Erwerbsminderungsrente zwangsverrentet. Damit schafft man sofort eine quasi ‘neue Statistik, denn ich werde ja nicht mehr als Hartz-Empfänger geführt. Natürlich mit den berühmten Abschlägen. Da bleibt dann gerade mal soviel (oder so wenig) übrig, dass es gerade mal für die berühmte Grundsicherung reicht und ich heute bzw. monatlich zu der phänomenalen Überweisung von 1 €-Cent komme. Für diesen Betrag kann ich mir noch nicht einmal einen Lutscher leisten (ich hab nun mal einen ‘süßen Zahn’).

Eigentlich darf ich mich ja gar nicht aufregen, denn auch ich habe geschludert. Ich habe den FIWUS in erheblichem Maße vernachlässigt, seit eine Mitstreiterin uns verlassen hat. Hat mich schon irgendwie getroffen, da ihre Beiträge im Allgemeinen sehr gut waren und sie mich damit auch etwas entlastet hat von dem Druck, etwas substantielles zu veröffentlichen. Nur war ich für einige Zeit einfach nicht in der Lage, Gedanken so in den Laptop zu hacken, dass daraus ein wirklicher Beitrag wird. Anfänge gab es wohl genug, aber die blieben oft genug als Worthülsen irgendwo stecken. Erst als ich mit der Fortsetzungsreihe “Alt werden ist Scheiße” begann, kam auch wieder meine Tatkraft zurück. Natürlich könnte das Ganze auch ein Teil meines nie behandelten Burn-Out gewesen sein, auf jeden Fall war es mehr als hinderlich, damit vernünftig um zu gehen. Inzwischen habe ich schon zwei Fortsetzungen verfasst und noch reichlich Futter für weitere.

Hab gerade meinen Senf bei einem Blog-Kollegen hinterlassen, der auch was zum alt werden verfasst hat. Natürlich hat er auch recht, aber ganz so pauschal kann man im Alter gewisse Dinge auch nicht nur sehen, wie er Anfangs seines Beitrags ja auch fest gestellt hat.

Wer sich übrigens an meinem Beitragstitel stört, der kann ihn ja mit “Wir haben eigentlich noch viel zu sagen” übersetzen. Ich schreibe bewusst über meine Jugendzeit, denn gerade diese Zeit hatte wohl ständig Höhen und Tiefen, aber gegenüber den 45 Jahren später war von alt werden nicht besonders viel , eigentlich gar nichts, zu spüren. Wir Jungen waren über einen langen Zeitraum einfach unsterblich.

Mache gerade ein Update meiner VMWare-Maschine, in welcher Windows 8.1 pro läuft. Eigentlich wollte ich ja nur ein wenig an dieser letzten Umgebung von Microsoft rum spielen, aber die Meckerei um neue Updates war dann einfach nicht zu ertragen. Knapp 400 MB an Daten wurden dann angekündigt. OK, dann läuft halt der Surfstick heiß.

Heute ist der erste Weihnachtsfeiertag und ich fühle mich, wie so oft, gar nicht feierlich, denn einen Glauben an dies alles ist bei mir einfach nicht vorhanden. Dafür wurden im Namen irgend eines Glaubens einfach zu viele Menschen ‘gekillt’.

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Wo waren wir stehen geblieben? Richtig, das Kapitel Siegburg. Ein Jahr musste ich absitzen. Dazu muss man wissen, das Siegburg ein sogenanntes Jugend-Gefängnis ist, in dem Jugendliche und Heranwachsende nicht einfach nur weggesperrt werden sollen, sondern auch durch Erziehungsmaßnahmen wieder ‘auf den rechten Weg’ geführt werden sollen. Auf dem Papier bzw. in Verordnungen sieht dies garantiert sehr gut aus, nur in der Praxis wird es bis heute nicht in dem Maße umgesetzt, dass man dabei auch Erfolge erzielt. Sozialarbeiter und Jugendpsychologen muss man in Jugendgefängnissen mit dem Hubble-Teleskop suchen und selbst wenn sie vorhanden sind, fragt man sich sehr schnell, wo die sich alle immer verstecken, wenn man sie denn wirklich braucht.

Ich selbst wurde also in dem einen Jahr nicht ‘von ihnen’ gefunden und dadurch auch nicht sonderlich belästigt. Auch nicht, als ich mal für zwei Wochen in den Bunker musste, nachdem ich irgend welche Scheiße gebaut hatte. Um was es damals wirklich ging, ist heute nicht mehr in meinem Kopf, aber so schlimm kann es dann auch nicht gewesen sein, denn dann wüsste ich es noch.

Bunker bedeutet eine Zelle im Keller des Hauses mit einem relativ kleinen Fenster, einer Holzliege ohne Matratze, einem Waschbecken und einer offenen Toilette. Zur sogenannten Unterhaltung konnte man sich eine Bibel geben lassen. Hofgang war in dieser Zeit gestrichen. Gespräche waren nicht möglich, da nur zu den Mahlzeiten Personen zur Ausgabe anwesend waren und die Justizbeamten nicht mit dieser Art von Häftlingen kommunizieren durften. OK, die ersten drei Tage war die ungewöhnliche Ruhe ja noch ganz angenehm, doch irgend wann begann dann die Zeit, welche man ja nicht bestimmen konnte, da man keine Uhr hatte, einem den einen oder anderen Streich zu spielen. Solange es hell war, konnte man wohl in der Bibel lesen, aber schon wenn die Dämmerung begann, war dies nicht mehr möglich. Man sollte ja zu innerer Einkehr und auch sich mit seinem Bewusstsein auseinander setzen zu dem, was einen in diesen Bunker, aber auch überhaupt ins Gefängnis geführt hat. Dabei war die erste Woche ja noch relativ erträglich, jedoch die darauf folgende Woche wurde dann so langsam zu einem echten Horrortrip, zumal ich es gewohnt war, viel zu lesen in meiner normalen Zelle. Auch durfte ich nicht rauchen und dies war zur damaligen Zeit für mich absolut strafverschärfend (und wäre es auch heute noch). Es blieb also viel Zeit zum Nachdenken, aber die Gedanken im allgemeinen bei Heranwachsenden sind nicht im großen und Ganzen sinnfördernd, sie drehen sich meist um die falschen Dinge.

Ein Jugendknast ist kein Erholungsheim. Ich war zum Beispiel 23 Stunden in der Zelle, eine Stunde hatten wir Hofgang. So nach einem viertel Jahr Anpassung hatte man damals dann die Möglichkeit, einmal in der Woche Feldhandball zu spielen. Ich hab dies wohl einige Wochen durchgehalten, dann musste ich wegen meinem Rücken aber wieder auf hören. Nach knapp einem halben Jahr wurde eines Tages ein Friseur gesucht. Ich hab mich gemeldet, musste zur Probe Haare schneiden und hab dies auch offensichtlich gut gemacht, obwohl ich es wirklich nicht ‘gelernt’ habe, aber beim Schneiden bei echten Friseuren immer sehr genau hin geschaut habe. Das besondere Problem waren da eher meine Kunden, welche im Einzelnen so ihre Eigenheiten, was das Aussehen betrifft, hatten und dies natürlich auch durchsetzen wollten. Ich hatte wohl Anweisung, die Haare kurz zu schneiden, aber da hatten sie sich wohl den falschen Mann ausgesucht, denn nur wenige meiner Kunden wären damit zufrieden gewesen. Also habe ich vielen Köpfen einen ziemlich modischen Schnitt verpasst, dass irgendwann halt aufgefallen ist und ich war meinen Job wieder los und ich musste wieder in meine Zelle. Als Kalfaktor konnte ich nicht arbeiten, denn zu oft kam es vor, dass man schwere Gerätschaften heben und transportieren musste und dazu war ich mit meinem kaputten Rücken einfach nicht in der Lage.

Während meiner Zeit als Friseur war ich natürlich auch in der Lage, mir einen Vorrat an Tabak und Kaffee auf zu bauen, denn genau diese Güter sind auch gleichzeitig ‘Währung’ im Knast. Und trotzdem kamen dann auch wieder Zeiten, in denen ich jeden Kippen aufgesammelt und abgestaubt habe, denn ohne Rauch lief bei mir gar nichts. Als Zigarettenpapier mussten Gesangbücher aus der hauseigenen Kapelle herhalten oder Zeitungspapier. Die Gesangbücher waren insofern besser, da das Papier wesentlich dünner war, als dass der Zeitungen.

Wollte man sich aber zum Beispiel mal einen Bohnenkaffee genehmigen, denn das Gebräu, welches sich im Knast Kaffee nannte, war eigentlich ungenießbar, brauchte man einen Tauchsieder. Nur hatte man in den Zellen keinerlei Steckdosen. Also war Basteln und Klettern angesagt, was ich z.B. auch nicht allein zustande bekam. Ich musste mir Hilfe holen, was mich einen halben Koffer Tabak kostete (1 Koffer (Päckchen, 50g) Tabak hatte einen Wert von DM 10,00). Der Anschluss für den Tauchsieder war die Zellenbeleuchtung, welche so präpariert wurde, dass die beiden leitenden Kabel an der Fassung ab isoliert wurden, damit man die beiden längeren Kabel für den Tauchsieder richtig einhängen konnte. Die Kabel kamen aus der Elektrowerkstatt und kosteten natürlich auch Tabak. Der Tauchsieder selbst bestand aus einen kleinen Stück Holz, welches zwischen zwei oder vier Rasierklingen eingespannt war und zwar so, dass man rechts und links die Stromkabel einhängen konnte. Wichtig war in diesem Zusammenhang auch, dass man sich genügend Material bunkern konnte, denn immer wieder kam es vor, dass nach einer Zellenkontrolle der Tauchsieder weg war. Diese Dinger waren halt verboten, nur gab es keine Strafen, denn dann wäre fast alle Zellen leer gewesen und die Bunker überfüllt und da Gefängniszellen nicht gerade reich an Verstecken war, musste man sich so einiges einfallen lassen, dass man immer einen Vorrat an Kabeln hatte, damit man sich seinen nächsten Tauchsieder basteln konnte.

Den ‘normalen’ Tagesablauf hebe ich mir für die nächste Fortsetzung auf.

Fortsetzung folgt …

Über den Autor

AlterKnacker

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Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

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