Das Weihnachtsgeschenk des Chefs

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Doch – wir wünschen frohe Weihnachten.
Vielleicht ist es deplaciert, aber uns kommt es nicht ganz so vor. Und das, obwohl wir sicher keinen offensichtlichen Grund hätten, froh zu sein.

Jobcenter und Arbeitgeber zusammen haben meinen Mann verheizt, systematisch. Nach seiner ersten Knieoperation, vor 16 Jahren ungefähr, sollte er schon nicht mehr schwer heben. Als Möbelträger hörte er damals auf.
Es kam die Stelle bei den Servicebetrieben, und so lange es nur ein 1.– Euro Job war, ging es auch. Nur Müll auflesen, ein wenig hier und da helfen, das war okay. Doch dann wurde er übernommen, Teilzeitstelle, aber die Arbeit wurde mehr und schwerer. Winterdienst – schwere Kübel mit Streugut balancieren,- früh am Morgen mobiler Dienst, die Abfallkübel leeren, usw.
Und der Druck wurde stärker: Schneller, mehr Arbeit in kürzerer Zeit.

Seit c a. 2 Jahren gibt es Querelen mit dem Chef, weil wir nicht alles klaglos hingenommen, und nicht “Ja und Amen” gesagt hatten, wie es erwartet wurde. Vor einem halben Jahr ungefähr wurde meinem Mann beim Jobcenter wörtlich gesagt: Wenn der Chef befiehlt, habe er zu springen – egal wann, und wenn Mail oder Handy sich bemerkbar machen, habe er (oder ich) nachzusehen und darauf zu reagieren, auch dann, wenn die offizielle Arbeitszeit schon vorüber ist.
Wir haben dagegen gekämpft.

Mein Mann wurde gebost,- und vieles mehr.
Und doch, neben aller Sorge gibt es Gründe, froh zu sein: Darüber, dass wir beide uns gefunden haben, und noch immer zusammen sind.
Darüber, nicht aufgegeben zu haben.

Das Weihnachtsgeschenk des Chefs:

Abgesehen davon, dass die Wiedereingliederung meines Mannes nach seiner Knie-OP nicht richtig gemacht wurde, behauptet sein Chef, er solle nur noch 4 Stunden am Tag arbeiten, und das sei schon längere Zeit zuvor so gewesen. Das entspricht nicht den Tatsachen. Es gilt immer noch der Arbeitsvertrag mit 25 Stunden Wochenarbeitszeit – abzuleisten an drei Tagen – Montag, Dienstag und Freitag. Sondereinsätze sind vorgesehen. Der Stellvertreter des Chefs wiederum behauptet etwas Anderes. Dieser hatte auch bei uns angerufen und behauptet, es könne Urlaub beantragt werden. Als wir das taten, wurde verlangt, dass während der jetzigen Zeit trotzdem Bereitschaftsdienst zu leisten wäre – wegen der Wintereinsätze. Mein Mann lehnte dies ab, und so wurde mitgeteilt, ohne diese Bereitschaft sei Urlaubssperre. Der Chef sagte, er müsse sich für die Sondereinsätze bereithalten. Aber, an den Tagen, an denen so etwas der Fall wäre, rief dann keiner an. Sein Chef gibt inzwischen zu, dass er meinen Mann gar nicht mehr eingetragen hatte. Wir standen also in der Nacht um 3 Uhr umsonst auf, und wurden auch nicht informiert. Erst auf Nachfrage äusserte sich der Chef dann dazu. Aber, Urlaubssperre ist trotzdem, bereithalten soll sich mein Mann, obwohl er gar nicht eingetragen wurde.

In dem Schreiben, in dem der Urlaub abgelehnt wurde, behauptet der Chef, dass die Arbeitskraft meines Mannes zwingend notwendig sei für den Betriebsablauf, für den Winterdienst. Diese Behauptung ist merkwürdig, wenn dann gesagt wird, dass mein Mann für Einsätze auch künftig gar nicht mehr eingetragen wird.

Statt Urlaub, Lohnrückforderungen. – Wegen nicht geleisteter Sollstunden – oder Mehrarbeit. Schliesslich war der Arbeitnehmer im vergangenen Jahr lange krank. Aber, das Theater um die Sollstunden, um die Rendite der Arbeitskraft, ist schon seit ca. 2 Jahren voll im Gange. Das ganze letzte Jahr über haben wir versucht Urlaub zu bekommen für meinen Mann, dies wurde jedes Mal abgelehnt – ausser der Urlaub wurde als Ersatz für Fehltage genommen.

Sollen mehr Stunden geleistet werden, verhindert es der Chef wiederum, dass das funktioniert. Er selber hat die Arbeitszeit gekürzt, hat den Kollegen im mobilen Team Anweisung gegeben, dass sie streng darauf achten sollen, dass die verknappte Arbeitszeit eingehalten wird. Nach 1 ½ Stunden wird mein Mann beim Einsatz des mobilen Teams vom Auto wieder entlassen.

Es wird das Arbeitsgerät nicht zur Verfügung gestellt, sondern weggeschlossen.
Wird der Chef darauf angesprochen, leugnet er, dass er im Unrecht ist, sondern behauptet, der Arbeitnehmer wolle nur nicht arbeiten. Den Urlaub des vergangenen Jahres hat er nicht gewährt, und läßt sich auch auf keine Planung im neuen Jahr ein. Er weigert sich, auf ein Gesuch zu antworten, verlangt Kommunikation. Die Kommunikation mündet aber auch nur in Vorwürfen und Forderungen nach einer Entscheidung – wie wir das mit der Rückzahlung von Lohn,  die der Chef fordert, handhaben wollen. In Bezug auf den Urlaub ergibt sich dann nichts. Und das, obwohl es üblich ist, den Urlaub schriftlich zu beantragen, und wir das auch getan haben, wird das dann auch noch beanstandet.

Auch auf die Behinderungen und Verzögerungen durch die kaputten Gelenke und Erkrankungen meines Mannes wurde nicht eingangen. Die Wiedereingliederung wurde erst verweigert, dann angeblich doch getätigt, wovon aber nicht viel zu registrieren war. Ausser, dass die Arbeitszeit verkürzt, die normalen Abläufe der Arbeit verweigert wurden. Eine Rücksprache mit dem Betriebsarzt zum Beispiel fand nicht statt.

Es ist nur noch widerlich, was abgeht. Wenn der Arbeitnehmer dann verärgert ist, behauptet der Chef, er könne sich nicht erklären, warum dieser so missgestimmt sei. Er tue doch alles für ihn, und gebe diesem alle Chancen.
Leider stimmt das so nicht, und es liegen auch schriftliche Dokumente vor, die beweisen, wie die Arbeitszeit immer mehr heruntergekürzt wurde – auf Anweisung des Chefs, oder von diesem selber unterschrieben. Inzwischen wird der Arbeitnehmer nicht mehr für Sondereinsätze eingeteilt und eingesetzt. Die Sollstunden können also gar nicht abgearbeitet werden, sondern entstehen durch die verkürzte Arbeitszeit. Darum verlangt der Chef nun Rückzahlung in Form von Abzügen.
Das sagenhafte Arbeitsklima zeitigt inzwischen Folgen. Der Arbeitnehmer – also, mein Mann – leidet unter
Magenschmerzen und Übelkeit – täglich.
Es ist das Grauen davor, wieder zu diesem Chef arbeiten gehen zu sollen – und es ist jetzt die Angst und Sorge um unsere Zukunft.

Und nun, kurz vor Weihnachten hatte er wieder unerträgliche Schmerzen im Knie. Also, Arzt – Krankmeldung. Denn – die OP’s waren nun umsonst, es ist alles wieder kaputt. Dazuhin löst sich der Knochen auf…
…am 14. Januar wird im Krankenhaus beraten, wie weiter vorgegangen werden soll.