Alt werden ist Scheiße, … vorerst mal Teil 1 …

… nicht immer und auch nicht bei jedem, aber doch schon in einem erheblichen Maße.

Wenn man etwas buchähnliches veröffentlichen will oder man kauft es dann, wird man oft mit einem Vorwort konfrontiert, dass einem das Lesen des Machwerks erst schmackhaft machen soll.

Aber schon der Begriff lässt mich zum Beispiel in meinem Schreibfluss stocken. Was gehört in ein Vorwort eigentlich rein?

Ich denke mal, dies hier ganz sicher nicht, ich verwende es aber trotzdem, auch wenn die nachfolgende Persönlichkeit mir bei meiner Überschrift oder Schlagzeile heftig widersprechen würde.

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Ein ganz Großer des Wortes und des halb in der Luft hängenden Satzes ist von uns gegangen. Obwohl die Medien noch am Dienstag, den 19.11.2013 meldeten, dass er auf Grund einer Krebserkrankung nie wieder auftreten wird, ist er in der darauf folgenden Nacht mit 86 Jahren verstorben; Dieter Hildebrandt.

Es fiel mir längere Zeit ziemlich schwer, dies erst einmal zu verdauen, denn er hat auch meine Sicht der Dinge, besonders der Politischen, auf sehr lange Zeit geprägt, auch wenn ich selbst nur ein Stümper des Wortes bin, verglichen mit ihm. Aber ich konnte wenigstens einen Satz von ihm nach Google Plus retten.

 

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Genau 20 Jahre war er älter als ich, aber uns trennten Lichtjahre.

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Es soll Schreiber geben, die können mit 10 Worten all dass beschreiben, was andere Schreiber in einen tausendseitigen Roman packen. So eine Kürze kann ich hier bieten:

Geht man arbeiten, wird man krank. Wird man krank, wird man arm und fortgejagt. Also geht man besser nicht arbeiten, damit man wenigstens gesund arm sein kann”.

Quelle: Hier weiterlesen

Natürlich ist der Beitrag zu dieser Aussage dann doch etwas länger geworden, aber lesenswert.

Ich gehöre ganz sicher nicht zu dieser Sorte Schriftsteller oder Schreiber oder Autoren. Ich selbst brauche schon eine ganze Anzahl Worte, wenn ich mich umfassend ausdrücken will. Ich bin nun mal kein Wort-Genie. Außerdem kann ich im Moment noch gar nicht beurteilen, wie das Endprodukt am Schluss wirklich ausschaut. Mir ist gerade eingefallen, dass dieser Beitrag ja länger werden kann und darum habe ich gleich mal den Titel etwas ergänzt. Ich bin kein Poet, denn Poesie mag ja für manche Menschen gut klingen, aber sie hat mit Realitäten so gar nichts zu tun.

Ob dieses bisher geschriebene als Vorwort ausreichen wird, wage ich zu bezweifeln. Zu viel geht in meinem Kopf zum Thema “Alt werden und/oder sein” rum, immer wieder fallen mir neue Stichworte ein. Im Hintergrund läuft der Fernseher und dort gerade der Film “Ödipussy” von und mit Loriot. Mein ganzes derzeitiges Leben könnte auch so aussehen, wenn nicht immer wieder dieses Grüblerische wäre. Hinzu kommt auch noch die politische Lage in diesem Land nach der Bundestagswahl am 22. September und der Wahlausgang. Die jetzt laufenden Koalitionsverhandlungen lassen nichts Gutes für dieses Land erahnen.

Vor wenigen Tagen, am 7. November, war der große Tag. Ich wurde 66 Jahre. “Mit 66 Jahren da fängt das Leben an …” singt Udo Jürgens und es ist Gottseidank nur ein Schlager, denn die Realität schaut wahrlich nicht rosig aus. Leider ist dieser Tag auch noch ins Wasser gefallen, da ich mich seit Tagen echte Scheiße fühle. Kopfschmerzen am laufenden Meter, Müdigkeit tagsüber und eine Schlappheit, welche ich in dieser Form schon länger nicht mehr gespürt habe. Ob ich wieder in der Burn-Out-Falle stecke, mag ich nicht so einfach behaupten. Möglich ist es.

Ich sitze jetzt schon ungefähr 10 Tage an diesem Beitrag. Ich will ja jeden Tag schreiben, mein Kopf läuft teilweise auf Hochtouren und ich lese auch viel, spüren dann aber immer wieder mittendrin diese verdammte Müdigkeit und breche dann einfach ab, leg mich hin und schlafe so zwischen eineinhalb und drei Stunden und wenn ich dann aufwache, bin ich trotzdem nicht fit. Kaffee-Doping hilft schon lange nicht mehr. Sogar das Einkaufen zum täglichen Bedarf, Lebensmittel und Getränke fällt mir mehr als schwer. Aber ein Geschenk habe ich mir doch zugelegt: ich habe einen eReader sehr günstig ‘geschossen’. Der Kindle wurde erst im Oktober gekauft und ich habe ihn auf einer Auktionsplattform für 35 €uronen erstanden und kann jetzt meine knapp 500 eBooks künftig mit dem handlichen Gerät lesen

Oft fühle ich mich gehetzt, obwohl niemand hinter mir steht und mich antreibt. Völlig bescheuert. Ich denke mal, ich habe einfach nur noch eine Scheiß Angst, dass es mir nicht mehr gelingt, etwas wirklich gutes auf die Beine zu stellen.

Ob ich überhaupt noch genug Zeit habe, etwas zu hinterlassen, was auch noch in 100 Jahren gelesen wird, kann ich nicht sagen, aber einen Versuch ist es allemal wert. Auch schon, weil ich ja selbst gerne lese. Dass ich mich dabei auch überschätze, mag sein. Ich habe mir vorgenommen, wenigstens noch 20 Jahre durch zu halten und in dieser Zeit etwas auf die Beine zu stellen, schriftlich, dass Leser irgendwie beeindruckt.

Als ich mein erstes Drehbuch anfing zu schreiben, geschah dies sogar noch mit Bleistift und Kugelschreiber auf Papier. Eine Vernünftige Schreibmaschine konnte ich mir ja nicht leisten und Computer gab es zu dieser Zeit nicht, nicht in der heutigen Form. Sie waren noch Utopie. Keine Utopie ist die weltweite Spionage-Literatur. Wenn diese auch von unseren Politikern gelesen und natürlich auch verstanden würde, wäre diese Dinge, welche ja von Schriftstellern sozusagen ‘ausgedacht’ wurden, keine besondere Überraschung in der derzeitigen Spionage-Affäre, welche die Medien genüsslich ausschlachten.

Will ich prominent sein oder werden? Ist dies überhaupt erstrebenswert? Diese Fragen kann man mit JA und/oder NEIN beantworten. Ich will, das dass, was ich schreibe, auch gelesen wird, also erwarte ich Aufmerksamkeit. Wenn der/die LeserInnen mit dem Geschreibsel was anfangen können, was ich so in den Computer tippe, wenn meine Gedanken sich in anderen Köpfen fest setzen, dann ist mir dies erst einmal Lohn genug.

Wenn ich mich so vor 40 oder 50 Jahren entschlossen hätte, Schriftsteller zu werden, wäre ich wahrscheinlich mehr als nur fürchterlich gescheitert. Allein schon meine fehlende Disziplin hätte diese Scheitern bewirkt. Gedanken kann man nicht steuern. Jedes Wort, jeder Begriff, der mir durch den Kopf geht, wird angenommen, verworfen, abgewogen, wieder geschrieben, wieder gelöscht, um dann doch am Ende, möglicherweise in anderer Form, an anderer Stelle, doch wieder auf zu tauchen.

Seit heute ist wieder einmal Rentner-Bashing angesagt in den Medien, auch wenn die Medien dies weit von sich weisen würden. Als erstes fallen ihnen immer die Flaschensammler ein. Apropos Flaschensammeln; in meiner Kinderzeit war es ja auch schon einmal angesagt, nur war dies auch einer ganz anderen wirtschaftlichen Lage geschuldet. Als Jahrgang 1947 steckte Deutschland damals gerade in einer Aufbauphase, denn der verlorene Weltkrieg hat nicht nur Millionäre hinterlassen. Schon als Kind hatte ich den Dreh raus, wie ich mit leeren Bier- und Colaflaschen mein nichtvorhandenes Taschengeld aufbessern konnte und die Gelegenheiten waren damals insofern wesentlich günstiger, als dass Leergut besonders bei Kneipen fast immer im Hinterhof lagerte, da es gerade im total zerstörten Mainz sonst keine anderen Lagermöglichkeiten gab. Offene Hoftüren gab es an unserem Wohnsitz nahe des Hauptbahnhofes genug und Gelegenheit macht bekanntlich Diebe.

Dann wird heute natürlich auch die Plünderung der Rentenkassen nach dem Fall der Mauer angeführt. Helmut Kohl ‘gebührt’ unser ganz spezieller Dank.

5. man hat ja auch…

derlabbecker heute, 09:27 Uhr

… die Rentenkassen geplündert für Frühverrentung, bei Werksschließungen konnten Leute mit 55 in Rente gehen (und haben halt nur bis 55 eingezahlt!), Leute im Osten, die nie eingezahlt haben bekommen Rente usw…. Ich freu mich […]

… die Rentenkassen geplündert für Frühverrentung, bei Werksschließungen konnten Leute mit 55 in Rente gehen (und haben halt nur bis 55 eingezahlt!), Leute im Osten, die nie eingezahlt haben bekommen Rente usw…. Ich freu mich schon auf meine Rente, mit 67. Ich hoffe sie reicht dann wenigstens für einen halben Monat zum Leben… für den Rest muss ich dann wohl Taxi fahren gehen.

Der gute Mann hat aber in seinem Kommentar vergessen zu erwähnen, wenn und ob er dann überhaupt noch in der Lage ist, rein körperlich solch einen ‘Arbeitsplatz’ durch zu stehen oder überhaupt zu bekommen.

Auf Facebook gefunden:

Bernd Meyer „Wenn du merkst, dass ein Handel nicht durch Zustimmung, sondern durch Zwang zustande kommt — wenn du erkennen musst, dass du, um zu produzieren, eine Erlaubnis von Menschen bekommen musst, die nichts produzieren — wenn Du siehst, dass Geld zu denen fließt, die nicht mit Waren handeln, sondern diese nur für sich ausnutzen — wenn du feststellst, dass manche Menschen durch Gaunereien und bezogene Vergünstigungen viel reicher werden als durch ehrliche Arbeit und deine Gesetze dich nicht vor ihren Machenschaften schützen, die Gesetze sie aber vor dir schützen — wenn du siehst, dass Korruption belohnt wird und Ehrlichkeit nur zu Selbstaufopferung führt, dann merkst du vielleicht, dass deine Gesellschaft zum Scheitern verurteilt ist.“ – Ayn Rand (amerikanische Philosophin 1905 – 1982)

War gestern nach einer Woche zuhause mal wieder in der Stadt. Dabei spielt es für mich keine Rolle mehr heute, ob ich in einer Millionenstadt wie München lebe oder, wie jetzt aktuell, in einem ‘Dorf’ wie Passau, nur die Unterschiede in der Miete und den Lebenshaltungskosten wären wirklich bemerkenswert. In den letzten zweieinhalb Jahren hab ich mich hier eingelebt. Der Dialekt ‘stimmt’.

Natürlich bin ich nicht ins Blaue in die Stadt hinein gefahren, ich hatte einen Termin mit meiner Vermieterin und wir haben uns wenigstens eine Zeit lang unterhalten können über Gott und die Welt, wie man so schön sagt. Das ist es, was mir fehlt. Gespräche.

Bei mir läuft oft der Fernseher den ganzen Tag, damit ich alleine den Geräuschpegel habe und einer manchmal tödlichen Stille entgehe. Natürlich habe ich mich damit abgefunden, jetzt in Rente zu sein. Meine neue Aufgabe, das Schreiben, schwirrt ständig in meinem Kopf rum, auch wenn ich dann doch kein Wort in den Computer tippe.

Diese Zeiten in der Stadt und dabei auch in meinem ‘Café-Wohnzimmer’ nutze ich natürlich, um mir die Menschen auf der oder den Straßen anzuschauen, denn immer nur größere Menschenansammlungen in der Glotze anschauen, ist nicht so besonders ‘fruchtbar’. Und ich bin viel allein ‘zuhause’.

Natürlich habe ich heute die technischen Möglichkeiten, mich über die sogenannten ‘sozialen’ Netzwerke zu ‘unterhalten’, aber es ist nun mal nicht das Gleiche, wie sich mit anderen Menschen normal zu unterhalten.

Gerade das Beobachten der derzeitigen Jugend weckt natürlich auch so manche Erinnerungen an die Zeit Mitte der 60er Jahre in Köln und es weckt teilweise auch Neid, aber dazu komme ich später noch detaillierter. Dieter Hildebrandt hat da schon gekonnt vorgearbeitet, wobei ich anmerken muss, dass die Generation Smartphone-Zombies mit der Wortgewalt dieses Menschen wohl nichts mehr anfangen können.

 

Zwischen 1965, ich war gerade mal 18, und 1970 ist für mich eine Menge passiert. Nicht alles war wirklich positiv, aber im Nachhinein möchte ich keine Erfahrung missen, auch die schmerzenden Stellen im Gesicht, wenn ich mal wieder was auf die Schnauze ‘bekommen’ habe, im wahrsten Sinne des Wortes. Manchmal konnte ich immerhin selbst austeilen.

Fortsetzung folgt …

Über den Autor

AlterKnacker

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Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

4 Kommentare

  1. Inge Jurk

    Wir sollen immer noch das Tempo bewältigen – in der Zeit, die es so gar nicht gibt, und die wir verrinnen lassen – als wären wir noch jung. Wir sollen alleine Dinge bewältigen, unendlich dazu lernen, als gäbe es kein Alter. Und, wenn wir „gaga“ werden, sorgen sich andere Leute in einer Art und Weise um uns, die nur Grausen hervorruft.
    Wir sind alle – mehr oder weniger – beschädigt und verschlissen worden vom Verlauf unserer Leben, es waren schliesslich eine Menge Jahre die wir schon auf dieser buckligen Erde zugebracht haben. Und, es ist normal, dass wir schneller müde werden, nicht mehr so belastbar sind. Wir sind keine „heurigen Hasen“ mehr.
    Doch selbst dann, wenn wir noch nicht „gaga“ sind, werden wir bei Seite geschoben. Also, sind wir mit uns selber alleine. Oft schätze ich diese Stunden – nur mit Stille angefüllt – die höchstens das Schnarchen und Seufzen der schlafenden Katzen um mich her beinhalten. Oft merke ich auch, dass ich genau wie Du Gespräche vermisse.
    Telefonieren ist anstrengend geworden, weil ich schlecht höre inzwischen. Ein Gegenüber mit deutlicher Aussprache verstehe ich aber noch gut. Nuschelnde Leute allerdings nicht.

    Was bleibt, sind jene, die auch betroffen sind, Behinderte und Alte. Aber, es sind oft nicht die Gesprächspartner, die bereichern – ganz einfach darum, weil sie schlimmer betroffen sind als wir beide. Glotze habe ich nicht, das fällt also auch flach.

    Von mir haben viele Freunde/innen früher erwartet, dass ich ein Buch schreibe. Das hat mir die Lust daran verdorben, wie noch einiges mehr. Manchmal will die Angst hochkriechen, aber ich frage mich dann, wovor? Vor den Grausamkeiten der anderen? Habe ich diese nicht immer schon erlebt? Doch. Also…
    Was so gerne vergessen wird: Diese Grausamkeiten, diese Übermächtigkeiten und Übergriffigkeiten, die angewendet werden, sind alle menschengemacht. Sie haben alle Menschengrösse – wären also auch besiegbar. Das wissen jene Menschen, deshalb bewaffnen sie sich gerne, wollen mächtig sein.
    Und wir versuchen halbwegs anständig unsere Leben zu gestalten, bis es dann mal vollends ausklingt, wie ein verwehter Ton im Wind.
    Vielleicht ist es das, was uns einmal auszeichnen wird – nur im Kleinen für uns selber: Dass wir versucht haben, anständig zu bleiben, Mensch zu bleiben, auch dann, wenn wir nackt im Wind kämpfen mussten.

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