Schwarz auf Weiß

Bedrucktes Papier ist Ressourcenverschwendung. Da müssen Bäume über lange Zeiträume wachsen, um dann im Endeffekt als ein Wegwerfartikel zu enden. Nichts so so vergänglich wie die Nachricht von gestern. Dass ein elektronisches Gerät wieder der Computer das Geraschel von Papier, meist noch in unhandlicher Form, ersetzen wird, war eigentlich schon klar, als die Personal-Computer auf den Markt kamen. Hinzu kommt noch die Schnelligkeit, mit der sich Nachrichten übertragen lassen. Vor 30 Jahren begann dieser Siegeszug der Elektronik und wenn man sich überlegt, welche Vorteile auch damals schon am Horizont auftauchten, dann verstehe ich das heutige Gejammer um die gute alte Zeit halt überhaupt nicht. Der Satz von Gorbatschow war eigentlich in diesem Zusammenhang nie wahrer: “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben”.

Man kann Nachrichten genau so gut auf einem Bildschirm lesen, oft sogar noch wesentlich komfortabler, als wenn man ein riesiges Stück Papier in der Hand hält. Selbst mit einer Sehschwäche ist es heute wesentlich einfacher umzugehen, denn mit wenigen Handgriffen und Mausklicks hat man seine bevorzugte Schriftgröße eingestellt auf dem Bildschirm. Die war bei einer konventionellen Zeitung nicht möglich.

Obwohl im FIWUS zum Beispiel in der Titelzeile der Startseite eine alte Schreibmaschine zu sehen ist, so ist dass doch nur eine Reminiszenz an ein Gewerbe, welches sich nicht auf vergangene Zeiten berufen kann, um zu überleben. UNSERE Seite ist nicht voll gepflastert mit Werbung, denn wir schreiben und veröffentlichen aus Prinzip. Bei uns hat der Inhalt der Veröffentlichungen mehr Gewicht als das gesamte Erscheinungsbild. Wenn ich zum Beispiel ein Buch kaufe, dann garantiert nicht wegen seinem Äußeren. Nur auf den geschaffenen Inhalt kommt es an.

Manche Beiträge fließen regelrecht aus den Fingern, heute halt nicht mehr aus der Tintenfeder, sondern aus Tastaturen. Fehler können auch wesentlich unproblematischer korrigiert werden und jeder Schreiber, jede Schreiberin kann davon ganze Arien singen. Natürlich ist keine noch so ausgefeilte Technik ohne Probleme und Schattenseiten, aber die Vorteile überwiegen nun mal, daran gibt es wenig bis gar nichts zu rütteln.

Bezos schrieb am Montag in einem Brief an die Belegschaft sicher nicht ohne Übertreibung, dass viele Mitarbeiter ihn wohl „mit einem gewissen Maß an Besorgnis“ begrüßen würden. Er sagte, er habe nicht die Absicht, das Tagesgeschäft der Zeitung zu führen: „Ich habe einen Hauptberuf, den ich liebe.“ Er ließ offen, was ihn bewogen hat, die Zeitung zu übernehmen und was er genau damit vorhat. Er sprach vage davon, dass sich die Dinge in den nächsten Jahren für die Zeitung verändern werden. „Das wäre mit oder ohne Inhaberwechsel passiert.“ Aber es gebe keinen vorgefertigten Plan, und der Weg werde nicht leicht. „Wir werden erfinderisch sein müssen, und das heißt, wir müssen experimentieren.”

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Das Zeitungsgeschäft wird sich ändern und ändern müssen und da es auch wirtschaftliche Komponenten in sich trägt, werden sich die wirtschaftlichen Gegebenheiten ebenfalls ändern müssen. Dafür braucht es aber auch visionäre Experten, welche sich auf die derzeitigen und zukünftigen Gegebenheiten einstellen können und wollen. Wer nur am schnellen und leistungslosen Gewinn interessiert ist, wird dabei zwangsläufig scheitern.

Nachrichten und Kommentare aufzubereiten ist oft ein mehr als mühsames Arbeiten. Zwischen dem Gedanken, den man schriftlich aufbereiten will und dem endgültigen Satz, dem Absatz, dem Beitrag liegen viele nicht verwendete Gedanken, denn der Kopf, das Gehirn arbeitet nicht in der lahmarschigen Geschwindigkeit, mit der unsere Finger den Text in die Tastatur hämmern.

Heute noch sehen sich die etablierten Zeitungen und Zeitschriften und die Internet-Blogger als relative Konkurrenten. Dies wird sich auf jeden Fall ändern. Wir als Blogger haben schon sehr früh diese Möglichkeiten, welche uns durch das Internet geboten werden, erkannt und dann auch genutzt. Wir sind aus diesem Medium nicht mehr weg zu denken. Natürlich wird sich die Anzahl verkleinern, aber die Qualität insgesamt wird sich dadurch auch verbessern.

Nehme ich nur mal das Beispiel des “Freitag” und seines Herausgebers Jakob Augstein. Als wöchentliches Magazin kann man es gedruckt bisher fast überall kaufen, als Internet-Medium ist es aber inzwischen noch viel wertvoller, denn es ist offen auch für ganz normale Menschen, sich dort einzubringen. Man meldet sich an und hat dann die Möglichkeit, seinen schriftlich-kreativen Eingebungen freien Lauf zu lassen. Dass schadet auch keineswegs dem Niveau dieser Seite, denn Dummköpfe haben dort nun mal keine großen Chancen, durch zu halten. Die meisten Autoren sind einfach eine Bereicherung, auch im Hinblick auf die Profis, welche dort ihre Beiträge veröffentlichen. Oft genug kann man nicht mal feststellen, ob ein Beitrag aus der Redaktion kommt oder von einem privaten Autoren. Diese Grenzen sind dort schon längst verschwommen. Wenn man Schreiben und Veröffentlichen nur unter finanziellen Aspekten sieht, hat man bei dieser Art von Geldquelle schon verloren. Natürlich macht Schreiben erst mal viel Arbeit und Mühe und man bekommt einfach viel zu oft nicht die Aufmerksamkeit, die man sich erhofft, aber wer dies nicht durchhält, sollte sich schnellsten auf einen anderen und neuen Beruf konzentrieren und den dann machen.

Kopfarbeit ist Schwerstarbeit. Wird ein Handwerker (Schreiner, Spengler, Straßenbauer) möglicherweise anders beurteilen, ist aber sein gutes Recht. Ich möchte diese körperlich mühsamen Arbeiten heute nicht mehr machen. Ich habe in meinem Berufsleben mehr als genug anstrengende Tätigkeiten aus geführt. Drei oder vier Stunden mit Worten zu jonglieren, kann jeden Kopf in Matsch verwandeln, zumal man auch noch sich seinen Hintern breit sitzen muss, denn wenn einem was einfällt, kann man nicht gerade 10 Meter vom Computer entfernt seine Eingaben machen. Man ist also an seinen Stuhl ‘gefesselt’. Hinzu kommen aber auch noch andere Unwägbarkeiten. Zum Beispiel Blockaden – Schreibblockaden. Dass ganze Hirn ist voll mit Gedanken, nur bekommt man sie einfach nicht in die Tastatur getippt. Passiert eigentlich ständig. In dieser Beziehung hat es ein Handwerker einfacher; er hat oft genug sein Werkstück vor sich liegen und weiß, wie das Endprodukt sein soll. Er verlässt sich auf seine erlernten Fähigkeiten und bringt so das Werkstück in die richtige Form.

Schreiben und Formulieren lernt man nur, wenn man auch ständig liest. Ob es dann auch für eine Veröffentlichung reicht, steht auf einem anderen Blatt. Wenn ich für alle Worte, welche ich in meinem sogenannten Autorenleben in den letzten Jahren geschrieben und dann doch verworfen habe, ein kleines Honorar beziehen würde, käme ich doch auf eine stattliche Summe insgesamt und hätte dann wirklich keine Existenzängste mehr.

Über den Autor

AlterKnacker

AlterKnacker
Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

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