Ein offener Brief an die BA

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                                                                    Den 16. Jun. 2013

An die

Bundesagentur für Arbeit

Regensburger Straße 104
90478 Nürnberg

Betr.: Den Umgang mit Kunden der Jobcenter, – den Umgang mit Beschwerden an Sie,- und Ihre Antwort an Frau Inge Hannemann: Presse Info 035 vom 14.06.2013

Offener Brief.

Zu Händen der Vorstände Heinrich Alt, Frank-Jürgen Weise, und Becker.

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Herren Vorstände.

Es ist traurig genug, dass Sie, bzw. Ihre Pressestelle, erst dann etwas ausführlicher reagieren, wenn es eine Ihrer Angestellten wagt, gegen die Vorgänge und Abläufe, wie sie in Jobcentern nun mal stattfinden, das Wort zu ergreifen und sich aufzulehnen.

Es ist traurig genug, dass Beschwerden von Kunden der Jobcenter nicht ernst genommen werden, einfach weiter geleitet werden genau an jene Stellen zurück, die jene Beschwerden ausgelöst haben,- und, dass solche Beschwerden auch oft genug unbeachtet bleiben.

Traurig ist es auch, dass der Wert und die Würde der Arbeitslosen so tief angesiedelt werden, dass sie sich jahrelang die Finger wund schreiben können, ohne auch nur eine Spur Beachtung zu finden. Verhungernde Menschen, jene Menschen die sich aus Verzweiflung umbringen – oder umbringen wollen – streiten sie rundweg ab, obwohl es diese gibt. Sicher kann man in den Lebensumständen dieser Menschen immer noch mehr Gründe finden, die für solche Handlungen und Entscheidungen in Frage kommen können. Trotzdem ist nicht von der Hand zu weisen, dass bei den Menschen, die aus dem Leben gehen wollen, oder gegangen sind, das Hineinwirken der Jobcenter in eben diese Leben eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung gegen das Weiterleben gespielt hat.

Sie betonen, dass Ihre Dienstleistungen für die Arbeitslosen – trotz finanzieller Unterstützung durch den Staat – wie eine Firma geführt wird. Das Seltsame dabei ist, dass diese Firma dann wie ein Tribunal gegenüber dem Kunden handeln kann, und eben wie ein solches Strafen verhängen und auch durchführen kann – bis hin zur Todesstrafe. Ich weiss, dass Sie das abstreiten, aber es ist dennoch eine Tatsache.

Mir selber liegt ein Schreiben – an mich selber – vor, in dem mir die Totalsanktion angedroht wurde, mit einer sehr kurzen Frist – ohne vorher je sanktioniert worden zu sein. Diese Sanktion wurde dazuhin auf Verdacht angedroht – das heisst, ich sollte angeblich Renteneinkünfte verschwiegen haben, die es gar nicht gab. Es wurde weder zuvor nachgeprüft, noch zuvor angeschrieben – die Drohung erfolgte sofort, und hätte gegriffen, wenn ich nicht sehr schnell reagiert hätte.

Entgegen den von Ihnen aufgestellten Behauptungen, dass so eine Totalsanktion nicht bedeute, dass ein Mensch dann verhungern müsse,- aus der Wohnung gekündigt werden könne,- keine Krankenversicherung mehr habe, muss ich Ihnen darin widersprechen. Genau das alles tritt ein, und es wird – in Bezug auf die Krankenversicherung – in der Androhung der Totalsanktion auch darauf hingewiesen.

Wer gar kein Geld mehr erhält, der hat auch nichts zu essen. Von was will er Nahrungsmittel und vieles andere, das zum Leben gebraucht wird, einkaufen? Eigene Ersparnisse gibt es häufig nicht, denn – Menschen wie ich zum Beispiel – bezahlen sehr viele Dinge selber, die früher von der Krankenkasse übernommen wurden. Von Ihnen und Ihren Jobcentern habe ich in dieser Hinsicht kein Hilfe erfahren, und vielen anderen Menschen ergeht es ebenso.

Es ist betrüblich, dass es genug Ihrer Angestellten gibt, die sich Ihrer Vergatterung zum Schweigen und zur Loyalität mit unmenschlichen Vorgaben unterwerfen. Ihre Behauptung, dass Frau Inge Hannemann ihre Kollgen und Kolleginnen gefährde, bekommt auch nur dadurch Relevanz, dass alle in der Gemeinschaft – als Teil der grossen, rotierenden Firma Bundesagentur, – als funktionierendes Rädchen in einem Jobcenter,- verborgen hinter den Regeln und Anweisungen bleiben.

Frau Inge Hannemann hat sich erdreistet, die Vorgänge hinter allem und sich selber in das öffentliche Licht zu stellen.

Viele von uns Kunden tun dies schon lange. Leider werden wir auch genauso lange schon diffamiert, in den Dreck gezogen, beschimpft und beleidigt. So gesehen ist Ihre Reaktion auf die Veröffentlichungen von Frau Hannemann nur folgerichtig. Warum sollten Sie auf einen Menschen, der für Sie gearbeitet hat, und die Unmenschlichkeiten nicht mehr mittragen will, anders reagieren, als auf Kunden? Diesen gegenüber haben Sie ja keine Probleme, abzulehnen, diese in den Tod zu schicken, und dazuhin zu behaupten, dass das alles nicht wahr sei.

Warum sollten Sie zugeben, dass Ihre Urteile gegen die Betroffenen von Hartz IV wie vom Fliessband kommen – gesichtslos, weil sich Ihre Angestellten eben wegen solcher Vorgänge hinter allem verstecken müssen, was nur irgendwie an Versteck geht? Seien es Wachen, sei es kein Telefonkontakt, usw. Die Grausamkeiten der Hartz – Gesetze und Regelungen lassen sich in einer Art Tribunal, das die Kunden meistens nicht durchdringen können, auch viel besser durch- und umsetzen.

Bitte, kommen Sie mir nicht damit, dass Sie keine Tribunale darstellen. Es ist müssig, darüber die Worte zu verklauben. Denn, was sonst sollte es sein, wenn Sie weder Staat selber sind,- auch kein Gericht, oder eine gerichtsartige Einrichtung mit einer derartigen Legitimation,- aber eben doch Urteile fällen?

Was sonst sind Sie, wenn Sie Sanktionen verhängen können, auf Leben und Tod?

Eine Ihrer Angestellten wollte mich also auf Null Euro sanktionieren, aus eigenem Ermessen, wie sie extra betont hatte. Eine feine Dienstleistung seid Ihr, wenn Ihr es so einfach für derart gepolte menschliche Existenzen macht, deren Neigungen auszuleben, damit diese dann andere Existenzen vollends vernichten können.

Eine feine Dienstleistung seid Ihr, wenn es dadurch ein Leichtes ist, behinderte Menschen wie mich auszulöschen.

Und, eine feine Dienstleistung seid Ihr, wenn Ihr Frau Inge Hannemann – und auch alle anderen die sich dagegen auflehnen, beschuldigt, dass diese anderen schaden – während sie sich dafür einsetzen, dass alle Menschen ein würdiges Leben haben sollen.

Schämen Sie sich – dort in Ihrem „Mutterschiff der BA in Nürnberg“ – während Sie Ihren Angestellten zumuten, täglich mit Angst und Bangen, – sich verstecken müssend – diese erbärmliche Arbeit gegen ihre Kunden zu verrichten, während doch viele von diesen Leuten irgendwann einmal dazu angetreten waren, anderen Menschen helfen zu wollen. Doch, das unterstelle ich durchaus.

Schämen Sie sich dafür, im Auftrag einer Regierung die diesen Namen längst nicht mehr verdient, Kunden zu belügen und zu quälen, damit Sie Ihre Statistiken rechtfertigen können.

Schämen Sie sich dafür, dass Sie ohne gerichtliche Legitimation ihre Angestellten zu Richtern über das Leben anderer Menschen machen, und diese zur Verhängung von Todesstrafen befugt haben.

Schämen Sie sich aber auch dafür, dass Sie Arbeitgeber dabei unterstützen, deren Vorurteile anderen Menschen gegenüber zu hätscheln, und diese zu einem Hungerlohn beschäftigen zu können. Schämen Sie sich dafür, dass Sie mit Hilfe des erbärmlichen Hartz IV Satzes, mit Hilfe der Sanktionen, Menschen hungrig arbeiten lassen,- dass Menschen geschwächt und fehlernährt, dank der dürftigen Möglichkeiten durch Ihre „Dienstleistung“, bis zu 10 Stunden am Tag körperlich schuften dürfen.

Schämen Sie sich dafür, dass diese Menschen im Winter manchmal in eine kalte Wohung zurückkehren müssen,- manchmal auch ohne Essen, oder zu wenig,- weil der Lohn nicht ausreicht, die Aufstockung auch nicht viel ausgleicht, oder sankltioniert wurde.

Schämen Sie sich dafür, dass Sie die Krankmeldungs-Gepflogenheiten anzweifeln, und den Umgang damit verschärft haben, wenn die betroffenen Menschen durch Ihren Umgang mit diesen, – wenn diese durch Mangel und Ausbeutung.- einfach nicht mehr weiter können.

Ihre Bundesagentur und das gesamte System der sogenannten Dienstleistungen, welche damit zusammenhängen, sind ein System der Schande geworden. Immerhin passt es damit haargenau zu dem System der derzeitigen Regierenden, denen die Menschen ja auch egal sind.

Schämen Sie sich dafür, dass Menschen die von Ihren Jobcentern betreut werden, keine Antwort auf ihre Anträge bekommen, wenn diese gerade mal wieder nicht in das vorgesehene Vorgehen des Jobcenters passen – wie es scheint. Auch dafür habe ich leider schriftliche Belege.

Herabgewürdigt durch Ihr Verhalten werden die Kunden, und indirekt jene, die das ganze System ausführen und durchziehen müssen – die Angestellten. Wer menschlich bleiben will, hat bei Ihnen also nichts zu suchen – das ist es doch, was Ihre Antwort an Frau Hannemann indirekt suggeriert.

Genau damit belegen Sie selber, trotz allen Abstreitens der Behauptungen von Frau Hannemann, dass Ihre Einrichtung genug Gründe hätte, sich zu schämen.

Jeder von uns, wenn er nicht gänzlich durch den Kampf gegen Hunger und Verwahrlosung, gegen Ihr System das solche Folgen bewirkt – verroht ist, setzt sich dafür ein, dass Hartz IV verschwinden soll – so, wie es bis heute gehandhabt wird.

Wer nicht gänzlich gefühllos geworden ist, weil Sie das so wollen, damit Sie Ihre Massnahmen rechtfertigen können – setzt sich dafür ein, dass es den Menschen besser gehen soll,- dass derlei Zustände, wie sie nun mal die Folge Ihrer Massnahmen gegen die Kunden sind, aufhören sollen,- dass endlich anerkannt wird, wie viele Arbeitsplätze fehlen, statt die Kunden der Faulheit zu bezichtigen – dagegen, indirekt Behinderte diskriminierend durch den Rost fallen zu lassen,- und dagegen, in Folge der Handhabung der Gesetze und Regeln die Gleichberechtigung zu einer Lachnummer verkommen zu lassen.

Ich könnte noch mehr aufzählen, aber ich will zu einem Schluss kommen. Wer so agiert, wie Ihre Dienstleistungsagentur, muss sich nicht wundern, wenn das Ganze auf Missfallen und Protest stösst. Dass Sie sich wundern und jene herabkanzeln, die davon betroffen sind, oder in Ihrem Namen gegen die Kunden arbeiten sollen, beweist, dass Sie nicht gewillt sind, die Realitäten der Kunden wahrzunehmen, genauso wenig wie jene Realitäten, in denen Ihre Angestellten-Tribunale agieren sollen.

Sie nehmen sich aus eben dieser Verleugnung heraus, Frau Inge Hannemann abzukanzeln und zu beschuldigen. Das ist – meiner Meinung nach – bequem und billig, und belegt eben jene Haltung, aus der heraus dieses unmenschliche System entstanden ist, und durchgeführt wird.

Gez.: Inge Jurk-Prommersberger

 

4 Kommentare

  1. Sehr guter Brief!
    Kann mich dem nur anschließen und habe der Pressestelle auch selbst geschrieben – bisher ohne Antwort.

    https://sites.google.com/site/ichbinbildungstraeger/rechtsfolgenbelehrung-an-das-jobcenter/inge-hannemann/verhoehnung-der-ba-oder-der-betroffenen

    BTW: Auf meine ersten Briefe bzgl. der offenen Lügen von Heinrich Alt („niemand wird obdachlos, jeder Totalverweigerer kriegt in jedem Fall Lebensmittelgutscheine!) hat man noch mit Copy-Paste der echten (brutalen) Rechtsfolgenbelehrung geantwortet ohne detaillierter und persönlich auf Fragen einzugehen. Danach war SCHWEIGEN IM WALDE.

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