“Mutti”, die Wohltaten, das Hochwasser in Passau und die Flitzpiepen in der Politik

Erster Weg an diesem Sonntag, nachdem der Computer hochgefahren ist, Google+ und dann Nachrichten. Es sind ja nur noch knapp vier Monate zum großen Show-Down. Und heute fällt mir zu aller erst ein Artikel zu Mama Merkel auf, die ja sonst nur mit irgendwelchen ‘Gipfeln’ glänzt und die Nachrichten dominiert. Aber der Gipfel mit Präsident Hollande fällt wohl ins Auge, nur mir persönlich geht er geflissentlich am Hintern vorbei, denn dabei kommt in den letzten Monaten nie was gescheites raus. Dafür verspricht ein anderer Artikel Wohltaten von “Mutti”. Dass diese ‘Versprechen’ niemals in der Form umgesetzt werden, ist aber wohl eher dem Nachrichtenmagazin zu schulden, denn diese Art der Meinungsmache steht nun mal auf der Agenda der Bertelsmann-Truppe. Schaut man sich die Nachrichtenlage zur Bundestagswahl an, kommt man immer mehr zur Überzeugung, die Parteien bestehen nur noch aus ausgewiesenen Mathematikern und absoluten Rechenkünstlern, denn es geht bei dieser Wahl ganz offensichtlich nicht um die Menschen in diesem Land, sondern nur noch um Zahlen.

Noch gravierender ist aber jegliche Nachrichtenlage zum Klima- und Hochwasserschutz in der derzeitigen Katastrophenlage beim Hochwasser in diesem Land und hier halt besonders in Passau, da ich ja hier lebe.

Elf Jahre nach einem ‘Jahrhundert-Hochwasser’ (ich nutze nur die Schlagzeilen der Medien, weil denen sowieso nichts gescheites mehr einfällt) wurden schon wieder mal neue ‘Rekorde’ aufgestellt, was die Wasserhöhe in diesem Jahr an geht. Es sind inzwischen zwei Wochen, da in den Medien von fast nichts anderem mehr berichtet wird und zum Teil ist dass ja auch richtig. Aber es geht hierbei schon zuviel des Guten um viele Einzelschicksale und viel zu wenig um die wirklichen Gründe für solch einen Katastrophe. Gerade über den n-tv-Liveticker vor fünf Minuten reingekommen:

+++ 5:30 Seehofer will Ausgaben für Hochwasserschutz verdoppeln +++

CSU-Chef Horst Seehofer will angesichts der jüngsten Überflutungen die finanziellen Mittel für den Hochwasser-Schutz verdoppeln. „Wir haben bereits 1,6 Milliarden Euro verbaut und werden nach meiner Einschätzung noch einmal dieselbe Größenordnung brauchen“, sagte er einem Vorabbericht der Zeitung „Bild am Sonntag“ zufolge. In zwei Wochen werde seine Regierung entsprechende Pläne vorstellen. Es gehe nicht nur um Dämme, „sondern auch um naturnahe Maßnahmen wie Rückhalteflächen“. Man könne Hochwasser-Katastrophen zwar nie ganz verhindern, aber ihre Folgen abschwächen.

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Diese sind das Ergebnis einer Politik der Ignoranz. Sehr viele kompetente Klima- und Umweltexperten sind sich darin einig, dass wir Menschen in unserer eigenen Arroganz inzwischen so viele Schäden quasi selbst verursacht haben, dass wir diese Katastrophen geradezu herauf beschwören und die Politik sich einen Dreck darum schert, wenn solche Hochwasser eigentlich immer schlimmer werden. Die Eingriffe in die Natur sind fast ausschließlich ökonomisch bedingt. Die Gier der Ökonomie überlagert die Vernunft schon seit viel zu langer Zeit. Eine der typischen Reaktionen der Unvernunft kann man hier nachlesen. Ist “das Kind schon im Brunnen”, hilft auch keine ‘operative Hektik’ mehr. Der mediale Katastrophen-Tourismus inklusive Berichterstattung macht wohl kurzfristig den Eindruck, es würde etwas geschehen, aber langfristig bleibt schon wieder nichts hängen in den Köpfen. Natur- und Hochwasserschutz sind keine kurzfristigen Überlegungen, die man mal so nebenbei angeht.

Hinzu kommt besonders in Bayern, dass es gegen Hochwasserschäden inzwischen keine Versicherungen mehr gibt. Die paar ‘Kröten’, welche den Opfern nun in die Hand gedrückt werden durch die Politik, sind eher eine Verhöhnung als eine Hilfe für die Opfer.

Natürlich hält kein Hochwasser ewig an, aber die Folgen für die Betroffenen fangen ja jetzt erst richtig an und für viele ist es ein direkter Absturz in den totalen Konkurs.

Die Selbstbeweihräucherung durch die Politik ist dann der nächste Schritt:

Marcel Huber: Nach dem Hochwasser von 1999 haben wir ein ehrgeiziges Hochwasserschutzprogramm in Höhe von 2,3 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Wir sind bei der Umsetzung gut unterwegs, inzwischen haben wir 1,6 Milliarden verbaut. Die Maßnahmen haben sich auch in der Situation der vergangenen Woche schon als sehr hilfreich erwiesen. Das Aktionsprogramm werden wir jetzt intensivieren. Wir wollen Planungen für Hochwasserschutzmaßnahmen mit Hochdruck vorantreiben, notwendige Projekte vorziehen und bereits geplante Maßnahmen baldmöglichst umsetzen, auch wenn dies erhöhte weitere Ausgaben bedeutet.

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Hat man langfristiges Denken inzwischen komplett abgeschafft?

Es genügt nun einmal nicht, mit Hochglanzbroschüren und Internetauftritten einfach mal so zwischen Tür und Angel PR zu betreiben, aber im Endeffekt eigentlich nichts anderes als hohle Phrasen zu produzieren und beim nächsten Hochwasser wieder zu jammern über die ‘böse Natur’. Sobald die Ökonomie auf den Plan tritt, bekommt die Ökologie einen Arschtritt und schon sind sämtliche Planungen für Natur und Umwelt und damit auch für die Sicherheit und das Wohlergehen für die Menschen über den Haufen geworfen.

Ich erinnere mich noch an den Anfang der achtziger Jahre (letztes Jahrhundert), als Franz Josef Strauß als als erster Ministerpräsident in Deutschland den Naturschutz in der bayerischen Verfassung verankerte und ich zum ersten und einzigen Mal die CSU wählte bei einer Landtagswahl. Nur haben seine Nachfolger leider ganz schnell vergessen, was dies alles bedeuten muss, denn sie waren ja so sehr damit beschäftigt, aus dem Agrarland Bayern einen Hochtechnologiestandort zu zaubern. Damit war der Traum von Strauß wie ein Luftballon geplatzt.

Oh ja, in Bayern herrscht inzwischen fast Vollbeschäftigung, nur zu welchem Preis? Die “5 Werte für Deutschland” werden es in diesem Bundesland immer besonders schwer haben, da hier fast nur noch Vollpfosten regieren.

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AlterKnacker

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Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

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