Eine Pflanze, die mir noch Rätsel auf gibt

Als ich vor 2 Monaten in meine neue Wohnung gezogen bin, habe ich hier eine Glücksbambus-Staude in einer Vase vorgefunden. Offenbar von meiner Vorgängerin, welche hier in der Wohnung verstorben war. Ich bin wahrlich kein Mensch mit einem grünen Daumen, aber ich habe diese Pflanze und auf dem Balkon noch einen Kaktus und eine oder auch mehrere Teerosen, genau kann ich es nicht sagen und ich muss ehrlich zugeben, ich habe mich in diesem Bambus verliebt, denn er treibt seine Ableger mehr als kräftig aus. Er scheint mich wenigstens als neuen Mitbewohner zu akzeptieren.

Manchmal spreche ich auch mit ihm, in Ermangelung eines echten Gesprächspartners und er hört mit geduldig zu. Schon mehr als einmal habe ich mir gewünscht, er könnte antworten.

In den zwei Monaten hat er schon 10cm zugelegt und irgend wann werde ich wohl die Ableger abschneiden müssen und in einer neuen Vase ansetzen. Ich habe mir sogar angewöhnt, in unregelmäßigen Abständen frisches Wasser zu geben und mir kommt es so vor, als wüsste der Bambus dies besonders zu schätzen. Ganz besonders fasziniert bin ich auch auf seinen Schatten, den er auf die weiße Wand wirft, da ich immer Licht haben muss, besonders jetzt gerade in dieser Ewigkeits-Regenzeit. Der Bambus weiß meine winzigen Aufmerksamkeiten zu würdigen, sonst würde er einfach aufhören zu wachsen und eingehen.

Gluecksbambus_2

 

Natürlich ist diese Wohnung noch nicht endgültig ein neues Zuhause geworden, es steht noch so einiges völlig unkoordiniert rum, weil mir immer noch zwei Regale fehlen. Auch meine Umgebung und meine sogenannten Mitbewohner sind zum großen Teil noch gewöhnungsbedürftig, denn außer einem mehr oder weniger freundlichen “Grüß Gott” ist noch kein Kontakt entstanden. Hinzu kommt auch, dass so ab und an in den Abendstunden auf dem Flur schon mal Türen knallen oder sonstiges Remmidemmi zu hören ist, aber da kann ich im Moment noch wenig ändern. Wenn ich erst mal länger hier wohne, werde ich versuchen, bestimmte Lautstärken, besonders in der Nacht, hier abzustellen, ist aber auch allein von der Bauweise dieses Hauses wohl nur eingeschränkt möglich. Vielleicht kann mir ja der Bambus irgend wann mal einen Tipp geben.

Gewohnt bin ich es ja überhaupt nicht, mit Pflanzen zu wohnen, zumal ich ja allein bin. Während meiner Ehezeit war dies etwas anderes. In dieser Zeit hat sich meine Frau um die Pflanzen gekümmert, da mein Arbeitstag im Durchschnitt sowieso schon 14 Stunden betrug und wenn ich dann spät abends nach Hause kam, hab ich die Pflanzen schon gar nicht mehr bemerkt.

Jetzt werden sich bestimmt so einige Leser fragen, warum ich gerade auf diesen Beitragstitel gekommen bin, aber es ist wirklich so. Besonders dieser Bambus gibt mir so einige Rätsel auf. Ich rauche, er beschwert sich nicht. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, er hat diesen Geruch und Geschmack vermisst. Und es scheint ihn nicht im geringsten zu beeinträchtigen.

Fragt mich jetzt aber bitte nicht, wie ich bei meinem Tatterich noch in der Lage war, diese Bild aufzunehmen. Ich habe wohl gerade eine ziemlich teure Digitalkamera als Leihgabe, aber ich musste schon mal feststellen, dass ich durch mein Zittern nicht mehr in der Lage bin, auch nur ein wackelfreies Bild zu schießen. Also habe ich einen großen leeren Karton aufs Bett gestellt, oben auf die Kamera und dann dauerte die Einrichtung des Motivs knapp eine halbe Stunde, da ich mich auch noch mit der vermaledeiten Technik der Kamera rumschlagen musste. Aber immerhin habe ich es geschafft und so kann jedermann jetzt meinen Bambus mit seinen Trieben und seinem Schatten bewundern. Außerdem ist es mal wirklich was anderes, als nur immer über unser Land und seine Fehlbildungen zu schreiben.

Bambus, jetzt bist Du verewigt.