Gastbeitrag: Stephanie du Bois – Geschirrspülgedanken

… Geschirrspülgedanken … (Sie wissen, was ich meine)

Was ist eigentlich abartiger?

Ist es abartig, wochenlang auf eine warme/kalte Dusche zu verzichten, aus Angst vor zu hohem Strom oder Wasserverbrauch, bei Minustemperaturen mit Rollkragenpullover und Decke über den Knien im halbdunkel seiner unbeheizten Wohnung zu sitzen und zu überlegen, ob man die, inzwischen 10 Jahre alte, Waschmaschine anstatt zwei mal im Monat nur noch einmal benutzt oder ist es abartig, dass Strom und Wasserverbrauchspreise bei uns kontinuierlich steigen, während an Nachbarländer bspw. Strom für kleines Geld oder gar kein Geld – abgegeben wird?

Egal wie sparsam man mit Strom und/oder Wasser umgehen mag, zur Kostensenkung im privaten Haushalt trägt es längst nicht mehr wirksam bei.

Gerade Familien mit schmalem Haushaltsbudget oder Familien, die auf staatliche Leistungen (Wohngeld, Hartz IV, Unterhaltsvorschuss, Sozialgeld u. a.) aufstockend oder komplett angewiesen sind, erwarten mit zunehmender Besorgnis ihre jährlichen Stromabrechnungen bzw. die Nebenkostennachzahlungsforderungen ihrer Vermieter.

Ich verrate es Ihnen – Es ist abartig, sich darüber nahezu täglich Gedanken machen zu müssen! Es ist abartig, dass Stromrechnungen die Existenz bedrohen können, es ist abartig, dass Nebenkostennachzahlungsforderungen unter Umständen bis zum Verlust des Wohnraumes führen können! DAS alles ist abartig!

Wenn ich es recht überlege, komme ich zu dem Schluss – Mir stinkt’s! – und zwar gewaltig.

Und auch, wenn ich hier an meinem PC vollkommen allein sitze, mit meinen Geschirrspülgedanken, so bin ich fest davon überzeugt, dass da draußen viele, sehr viele, wenn nicht sogar sehr sehr sehr viele Menschen sind, denen es ebenfalls – stinkt!

Nun haben wir es in Deutschland ja nicht so doll mit – Aktionen -. Nicht, dass es so gar keine gäbe, nur die allgemeine Beteiligung daran sieht oftmals sehr schmal aus. Man weiß halt nicht so recht, ob es sich denn auch lohnen würde, die Bequemlichkeit des TV-Sessels hinter sich zu lassen, das Sofa mal einen Nachmittag sich selbst zu überlassen und eben mal nicht vom Fenster aus zu beobachten, was sich in der Welt so tut – oder vor der eigenen Tür.

Anders wäre es wohl, wenn bekannt würde, dass ab sofort KEIN einziges Fußballspiel mehr via TV oder Internet übertragen würde – ich denke – da wäre man ganz fix aus den Häusern, auf den Straßen, in den Gassen. Man würde sich treffen auf Marktplätzen, vor Rathäusern und Regierungssitzen. – Ja, dass denke ich! –

Und so träume ich davon, dass an einem Tag X – vielleicht kurz vor der Bundestagswahl – im Bundeskanzleramt viele, viele, viele, viele, viele Briefe eingehen, deren Inhalt stinkende Socken (sind am handlichsten, kostengünstig und leicht zu versenden) in den Farben schwarz/gelb oder rot/grün oder rot/schwarz oder schwarz/grün … gern auch farblich einzeln … versehen mit einer kurzen Notiz ”Mir stinkt’s – weil xxxxx”.

Ohne viel Aufwand, ohne hohe Kosten, nahezu ohne Anstrengung, nicht einmal großartig organisieren müsste man – den Weg zur Post schafft jeder. Man könnte ja einmal darüber nachdenken, sich Mitstreiter suchen, ein wenig die Werbetrommel rühren.

Ich bin sicher, es gibt zu viel in unserem Land, was den Menschen – stinkt!

Es ändert vielleicht nichts aber bewirken oder bewegen könnte es so einiges. Und wenn es die Empfänger auch nur dazu bewegt, den Gestank – endlich – wahrzunehmen und sich zum Fenster zu bemühen – um ihn wieder los zu werden! Noch besser wäre es, endlich Hausaufgaben zu machen und vernünftig die Probleme erkennen bzw. sorgfältig abzuarbeiten anstatt neue zu schaffen.

… Symbole … Symbole … Symbole … und … nur … Geschirrspülgedanken eben …

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