Das Plus und Minus von ‘sogenannter’ Gerechtigkeit

Ich bin ein sogenannter Grundsicherungsrentner. Das sind viele andere inzwischen auch und es soll sogar Rentnerinnen und Rentner geben, welche sich immer noch schämen, ihre Minimalrente vom Amt aufstocken zu lassen. Ich kann da nur immer wieder sagen: IHR habt darauf einen Anspruch und es ist keine Bitte an den Staat, sondern eine klare Forderung, IHR habt ein Recht darauf.

Meine Wohnsituation hat sich vor wenigen Tagen geändert (http://freies-in-wort-und-schrift.info/2013/03/29/endlich-das-ende-zwei-jahre-in-der-danziger-str-in-passau/) und ich bekam inzwischen einen neuen Grundsicherungsbescheid, der sich dann wie folgt liest:

RS Grundsicherung 382,00 €
Unterkunft 300,00 €
Zahlung vom Sozialamt KK AOK Passau 157,80 €
Summe 839,80 €

Rente = Summe – Bruttoeinnahmen 588,83 €, davon muss ich auch noch mal Krankenkassenbeitrag in Höhe von 157,80 € zahlen

Nettosumme Rente = 431,03 €

Bedarf Unterkunftskosten Einkommen von der Sozialbehörde (Zahlbar durch den Bund) 250,97 € (da sollte eigentlich € 300,00 stehen, denn die Unterkunftskosten plus Heizung und Nebenkosten sollen ja zu 100% übernommen werden laut Gesetz SGB XII (Grundsicherung im Alter))

Monatliche Hilfe 250,97

Meine Rente ist also um € 49,03 zu hoch und deshalb muss ich diese Differenz zur Miete von meiner Rente dazu zahlen. Die Beträge der sogenannten Grundsicherung (€ 382,00) müssen ja immer aufgehen, nur berechnet wurden die Regelsätze (Hartz-Gesetze) Pi mal Daumen. Auch hat die Berechnung, um sie wirklich nachvollziehen zu können, fast drei Stunden gedauert, denn eine wirkliche Logik steckt in den Berechnungen der Behörde nicht drin, da sie einfach meinen eigenen Krankenkassenbeitrag nicht in ihre Berechnungen aufgenommen hat. Dass musste ich mit eigener Logik vollbringen.

In den zwei Jahren im Obdachlosenasyl bekam ich auch monatlich Grundsicherung in Höhe von € 75,00 zuletzt und die Kosten für das Zimmer im Asyl in Höhe von € 125,00 wurden auch noch übernommen. Ich hatte also monatlich schon etwas mehr Geld zu Verfügung. Jetzt, durch die eigene neue Wohnung (übrigens nicht besonders groß, 20qm, aber dafür brauch ich mich nicht mit besonders bedauernswerten ‘Menschen’ und zum großen Teil ihrer Ignoranz gegenüber dem Leben rumzuärgern und habe auch keinen Stress mehr wegen der katastrophalen sanitären Einrichtungen) bin ich im Grunde wieder der Gekniffene.

Besonders ‘schön’ ist in diesem Zusammenhang die derzeitige Debatte um die Diätenerhöhung der Abgeordneten im deutschen Bundestag. Bei mir geht es darum, ob ich € 49,03 mehr im Monat zur einer relativ normalen, aber unterdurchschnittlichen Lebensführung habe oder nicht. Bei den Abgeordneten geht es um ihre sogenannte Existenz.

Dafür habe ich reichlich gearbeitet in meinem Leben (http://freies-in-wort-und-schrift.info/2012/12/30/auch-diese-menschen-muss-ein-staat-ertragen/). Nur was ist da im Gegensatz zu unseren ‘gewählten’ Abgeordneten da noch gerecht? Bedauerlicherweise wird dieser Beitrag hier im FIWUS von keinem Volksvertreter gelesen, aber immerhin kann ich ‘Stimmung machen’ gegen diese für mich mehr als ungerechten Politiker. Helfen wird so ein Beitrag allein sowieso nicht, aber er ist trotz allem ein Mosaiksteinchen, der das Gesamtbild der deutschen Partei-Politik wieder etwas schärfer gestaltet.