Endlich das Ende – Zwei Jahre in der Danziger Str. in Passau

Wetter? – Wir sind abhängig, süchtig nach Sonne – so könnte es mit dem Jammern über das Wetter noch stundenlang weiter gehen, aber dass will ich eigentlich niemanden antun.

Der Winter in Deutschland dauert. Frühjahr oder -ling fällt bisher aus. Die grauen Tage ziehen sich dahin. Draußen ist nur Kälte. Nun ja, von wirklich viel Schnee sind wir diesmal in Passau verschont geblieben. Diese Tage hielten sich dieses Jahr eigentlich in Grenzen. Trotzdem traue ich mich fast nicht, aus dem Fenster zu schauen. Das Licht ist und bleibt einfach nur diffus. Nichts hat wirklich einen Kontrast. Genug gejammert.

Geschafft!!! Die Danziger Straße, unter anderem auch eine Rennstrecke mit dem entsprechenden Geräuschpegel vom Tal auf einen kleinen Berg hier in Passau, verlasse ich endgültig.

Zwei Jahre Obdachlosenasyl. Zwei Jahre mit Menschen, die von der sogenannten normalen Gesellschaft nicht mehr wahr genommen werden. Einige hier aus dem Haus gehören eigentlich gar nicht mehr hier hin, sie gehören in eine Senioren-Einrichtung, brauchen Betreuung. Der Staat, die Stadt, die Behörden machen es sich aber bequem. Wer in der Danziger ist, hat schon mal ein Dach über dem Kopf, verschandelt also nicht das Stadtbild.

Aber endlich ist es geschafft, man hat eine Wohnung für mich gefunden und am 2. April 2013, fast auf den Tag genau meines Einzugs hier in der Danziger Str. verlasse ich diese ‘gastliche Stätte’ und ziehe in ein Einzimmer-Appartement gar nicht mal sehr weit von hier, aber doch in eine ganz andere Umgebung. Und nach meinen ersten Eindrücken habe ich auch noch Glück gehabt mit meiner neuen Vermieterin. Davon wird aber garantiert noch an anderer Stelle berichtet. Mietvertrag und Schlüssel habe ich schon und wenn ich nicht so immobil wäre, hätte ich wahrscheinlich schon alle Besitztümer in die neue Wohnung geschafft, denn sie ist eigentlich nur ca. 2km von dem Haus in der Danziger entfernt, aber diese Strecke hat es nun mal in sich, denn sie geht nur Bergauf und dass nicht zu knapp. Da machen meine Knochen einfach nicht mit und so muss ich bis Dienstag nach Ostern warten, dann werden meine Gegenstände gefahren. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass die neue Umgebung eine reine Wohngegend ist mit sehr viel Ruhe. Habe ich wenigstens in relativ kurzer Zeit festgestellt. Ob es tatsächlich so bleibt, wird die Zeit zeigen.

In den zwei Jahren, die ich jetzt in diesem Haus in der Danziger Str. existierte, wurde so einiges für eine ‘ansehnlich Fassade’ getan. Wer an dem Haus vorbei geht oder fährt, kann nichts erkennen von den menschlichen Schicksalen, die hier leben. Aber in Passau weiß man natürlich bescheid über das Haus.

Noch vor gar nicht so langer Zeit war das Haus nur in den Nachtstunden begehbar. Es gab wohl für jeden ein Einzelzimmer, aber man kam zum Schlafen hierher und musste am anderen Tag das Haus tagsüber verlassen. Ein Bett, ein Schrank, ein Stuhl und ein Tisch waren die Einrichtungsgegenstände. Wollte oder will man ein warme Mahlzeit, wird auf die Armenküche im Kloster in der Stadt verwiesen oder man schafft sich mit der Zeit eine Kochgelegenheit an. Was die Stadtwerke Passau übrigens alleine an dem Stromverbrauch der uralten Kühlschränke aus diesem Haus verdient haben, daran möchte ich eigentlich gar nicht denken. Ich stell mir nur vor, dass man dafür ein völlig neues Haus in Luxusausstattung hätte bauen können, nur darf man dabei niemals an die Menschen denken, welchen dass Geld für die Energie quasi aus den leeren Taschen gezogen wurde. Nicht vergessen darf ich aber, dass man immerhin die Möglichkeit hat, seine Wäsche hier im Haus zu waschen, was aber nicht immer ganz einfach war, denn bei einer gewissen Anzahl von Bewohnern musste man schon so manches Mal einfach längere Zeit warten, bis die Waschmaschinen auch frei waren.

Wann es geändert wurde, kann ich persönlich nicht sagen, denn ich habe die derzeitigen Veränderungen schon so vorgefunden. Man hatte also vorher wohl eine Bleibe, aber halt nur immer für die Nacht. Dafür kassierte das Haus damals wohl 60 €uro im Monat. Inzwischen sind es 125 €uro und man kann jetzt fast ‘normal’ darin ‘wohnen’. Wenn da nicht die Defizite wären, was die Sanitäreinrichtungen angeht. Und hinzu kommt natürlich auch noch das Verhalten einiger Bewohner, gerade was die Räumlichkeiten der Duschen und Toiletten angeht. Man muss sich dies wirklich einmal vor Augen führen; da hat man Duschen und Toiletten, die sind beheizt (im Winter), doch die Wärme wird ‘wunderbar’ abgeleitet durch offen stehende Türen in ein eiskaltes Treppenhaus und die einzelnen Flure. Hinzu kommt die Energieverschwendung durch eingeschaltetes Licht tagsüber und nur ganz wenige Herren im Haus denken darüber nach, dass WIR alle ja im Endeffekt diese Kosten irgendwann tragen müssen. Solche Dinge habe ich auch bei den Hausmeistern angesprochen, aber da trifft man leider nur auf taube Ohren, denn Beamtendenken reicht in vielen Fällen gerade mal dazu, ein Butterbrot zu schmieren, nur dann ausgerechnet noch mit Margarine.

Eine der neusten ‘Errungenschaften ist die Ausstattung der Räumlichkeiten’ mit Neonröhren der übelsten Art. Ganz Deutschland macht sich einen Kopf wegen der sogenannten Energiewende und die bauen hier Neonröhren in die Räume – dämlicher geht es wirklich nicht mehr. Ganz besonders witzig ist natürlich, dass die Stromkosten eines jeden Bewohners hier selbst getragen werden müssen, denn jeder Raum hat quasi seinen eigenen Stromzähler. Dass es hier immer wieder zu Situationen kommt, das einzelne Herrschaften dann irgendwann auch mal keinen Strom mehr zahlen können aus verschiedensten Gründen und dann natürlich irgendwann im Dunkeln sitzen. Kein Strom aber heißt noch mehr; kein Kühlschrank funktioniert, die Lebensmittel werden dann schlecht und kochen ist dann auch nicht mehr drin oder auch unter anderem kein Fernsehen mehr. Wer dann ohne Energie leben muss, ist wirklich aus der menschlichen Gemeinschaft abgeschnitten.

Natürlich kann man jetzt als erstes sagen, die Säufer sollen sich halt auch mal zusammen reißen, aber gesagt ist dass leicht, allein die Umsetzung ist für Alkoholiker eigentlich fast nicht zu schaffen. Obwohl eigentlich Alkohol im Haus absolut verboten ist, kann es nicht kontrolliert werden, da nur tagsüber eine Kontrollinstanz im Hause ist und am Wochenende schon mal gar nicht. Bier und sonstige Alkoholika kommen also Hektoliterweise ins Haus. Das Haus ist Tag und Nacht offen.

‘Betreut’ wird das Haus von einem Hausmeister und inzwischen zwei festen Mitarbeitern der Stadt, die über einen 1-€uro-Job hier reingerutscht sind und noch zusätzlich von 1-€uro-Jobbern unterstützt werden, die hier dann die anfallenden Arbeiten wie Reparaturen erledigen. Ganz besonders erfreut war ich zum Bespiel über den Bau einer Hollywoodschaukel aus Holz hinter dem Haus. Die war so nötig wie ein Loch im Kopf, während an der Heizungsanlage immer nur ‘Heftpflaster’ drüber geklebt wurden, denn die ‘röchelte’ immerhin mehr als laut, besonders in der Nacht und sie röchelt immer noch weiter. Eine wirklich klare Linie bei der Beseitigung von Mängeln in diesem Haus ist in den zwei Jahren, als ich jetzt hier war, nirgends zu entdecken. Hängt aber natürlich auch mit dem Hausbesitzer in Verbindung mit der Politik im Stadtrat usw. zusammen. Obdachlose haben nun mal keine Lobby.

Hier die Links zu anderen Beiträgen im Zusammenhang mit der Danziger Straße:

http://freies-in-wort-und-schrift.info/2012/08/13/danziger-str-passau-und-die-innere-fassade/

http://freies-in-wort-und-schrift.info/2012/02/06/auch-sogenannte-obdachlose-haben-menschenwrde/

http://freies-in-wort-und-schrift.info/2011/06/19/leben-in-der-danziger-strae-in-passau-inzwischen-schon-lebensgefhrlich/

http://freies-in-wort-und-schrift.info/2011/04/11/menschenwrde-ist-kostenpflichtig-an-der-garderobe-abzugeben/

http://freies-in-wort-und-schrift.info/2011/04/07/der-abgrund-rckt-nher/