Die Tränen der erlenblättrigen Eiche

Mir schwante schon vor Jahren, als sie mich zu ihrem Symbol erhoben, mir einen Titel zuschoben, mich Nationalbaum nannten, es wird nun nicht mehr lange dauern, bis die Tage vergangen sind, an denen sie die letzten von meinen Geschwistern verbrannten.

Jahrtausende hielten sie sich zurück, sie hatten noch genug Verstand, zu begreifen, dies Land lebt besser mit uns und vielen anderen unserer Art, doch nun wird nicht mehr nachgedacht, nur noch das Geld dieser Wesen zählt, schlimmer mit jeder Stunde, frisst es sich hinein in ihre Irrsinnswunde.

Dabei lebten sie im Schatten der Platanen, genossen die Samen der Pinie, die ihnen gab Gesundheit und Kraft, wie die Oliven und all die anderen irdischen Früchte. Sie lieben den Geschmack der Orangen, genießen die Knollen aus dem Braun der Erde, wir schenken Ihnen unsere Talente, doch sie rauben nur und geben nicht mehr Ihren Teil.

Sie streiten selbst, saugen sich gegenseitig die Lebenskraft aus den Körpern, schon mancher kam herauf zu mir mit einem Strick in Händen, nur selten rannen Tränen der vergeblichen Liebe über seine Wangen, meist triefte das dumme Selbstmitleid des Verlierers aus jeder Pore seiner Haut.

Die Zeit da sie Boote aus uns zimmerten, die größer als Paläste über das Mittelmeer trieben, nur um sich bei einer Begegnung mit anderen ähnlicher Art in Feuer und Blut zu verwandeln, die sind lange vergangen, doch heute planieren sie die Küsten, ziehen schwarze Bänder über das Land und metallene Insekten gigantischer Art heulen von dort in die Lüfte, mit Radiowellen quälen sie unsere Sinne, mit stählernen Rohren tauchen sie durch die Tiefen des Meeres, dieses schnöde unbarmherzige, dumme Gesindel.

Doch die Zypressen, die Pinien, die Zedern sie alle wissen es nun, die Tage des Troodos sind gezählt, ja die ganze Insel wird wohl bald verenden – nur die Menschen werden mit ihren Metallen, ihren selbstgekochten verschmolzenen Stoffen weiter hier hausen.

Mit unseren Genossen, den Apfel-, Mandel-, Birn- und vielen anderen Obstbäumen konnten wir uns bald vertragen, ja sie waren von unserer Art, doch ihre Geschenke missachten die wuselnden, erntenden, pflanzenden, gestaltenden, doch am Ende immer mordenden Wesen, sollen sie doch am Ende über unseren Resten endlich auch verwesen.

Diese Wesen kennen nur die Zahlen, Zahlen die so lächerlich winzig sind, von Milliarden sprechen sie, von Billionen gar – doch alleine mein Körper weist mehr Komplexität auf, als sie je zu schaffen vermögen.

Sie können nur rauben und töten, vernichten und sich gegenseitig ins Elend treiben, ihre Fähigkeiten sind so unendlich begrenzt, doch mit jedem Tag glauben sie , mehr in ihren Hirnen erschaffen zu haben, dabei werden ihre Gedanken nichts weiter als eine täglich größere Plage, der Mief ihrer Gier und ihrer entsetzlichen Ignoranz, er wird mich nun nicht mehr lange quälen.

Nein, ich und die meinen wir werden die Tage zählen – bald werden sie wieder beginnen, die Erde umzugraben, es war eine kurze Phase, da sie sich des Reichtums, der Schönheit unserer Insel besannen, doch jene die nun alles bei ihnen sammeln, die bauen sich eigene schwimmende Käfige, so mancher von uns ziert da die Planken und Wände.

Doch bald zähl diese Schönheit gar nichts mehr, da die letzten ihrer Art, den letzten Akt im absoluten Wahnsinn zelebrieren, wissend um ihr Ende, reißen sie uns noch mit.

Es sind Furien, wie meine Vorderen schon immer warnten, doch leider, sind wir schutzlos gegen sie.

In Zypern zählen nicht schnöde 10 Milliarden oder seien 20 – seien Billionen, Zypern war das Paradies des Mittelmeeres, Zypern wurde in der Antike nicht vollständig abgeholzt, die Böden blieben so von einer fatalen Erosion verschon, doch im letzten Jahrhundert wurden teils exzessiv Bodenschätze wie Asbest, Kupfer und Chrom abgebaut.

In den 80ern stellte man aus ökologischen Gründen vielfach den Abbau ein.

Heute fordert die EU die Intensivierung und die völlige Privatisierung der Lagerstätten – einzig die Konflikt- und Interessenkollision wer davon das meiste abbekommt, verhindert noch die völlige Zerstörung der Insel, das Opfer liegt auf der Tafel und die Geier streiten sich – hier Türkei und EU – nun spielen auch russische Interessen eine hervorragende Rolle.

Natürlich sind das krude Verschwörungstheorien, von Ökoidealisten oder schlimmer Ökofaschisten.

Doch die Devise der Menschen lautet, warum soll man glücklich sein, wenn es auch anders geht!

Armes Zypern – arme vernünftige Leute auf Zypern – doch auch ihr habt die Macht den Irren in die Hände gelegt – auch ihr habt – obwohl ihr im Paradies lebt, zweimal im Jahr ernten könnt, wirklich alles – alles erdenklich Nötige auf Eurer wunderbaren Insel habt, euer Schicksal der Gier und dem Wahnsinn ausgeliefert – heute ist ein Zahltag – morgen dürft ihr die Zinsen begleichen, es wird das Ende eures Paradieses bedeuten – doch keine Sorge, wir stehen schon in der Schlange Euch zu folgen!

Über den Autor

Oberham
Mensch der aus der Konsumgesellschaft so weit wie möglich ausgetreten ist! Sozialer Anarchismus spiegelt die immanente Bedeutungslosigkeit, Hierachien und Umverteilung sind die Eltern von Elend und Armut!

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