Parker is back

Dieb, Räuber und Killer als Vorbild? Ich höre schon die Moral-Apostel. Nur, sozusagen komisch, dass reales Leben und Handeln nur von der sogenannten Mehrheit der allgemeinen Gesellschaft mit Moral und Ethik belegt ist, es gibt aber auch einen Teil der Gesellschaft, zahlenmäßig nie besonders groß, die sich genau um diese Moral und Ethik niemals schert. Damit sind in erster Linie die tatsächlich lebenden Mächtigen dieser Welt gemeint und mit ihnen ihr eigenes Handeln.

Nur habe ich nicht das Wissen und auch nicht die Fähigkeiten, mich mit den besonderen philosophischen Aspekten einer Romanfigur und deren Schöpfer zu beschäftigen, für mich persönlich zählt nur, kann ich die Handlungsweisen dieser Figur irgend wie nachvollziehen und somit auch verstehen? Diese Aspekte von realem Leben und literarischer Fiktion überlasse ich einfach den sogenannten Experten. Und wenn ich nicht so ein ausgemachter Feigling im Leben wäre, hätte ich die Laufbahn dieses fiktiven Negativ-Helden ohne weiteres einschlagen können.

Ein Engländer dreht einen Film über einen amerikanischen Gangster als Gefrierschrank-Thriller. Die Vorlage lieferte ein Pseudonym. Parker war schon Kult, bevor er auf der Leinwand zum Leben erweckt wurde. Als John Boorman 1966/1967 “Point Blank” drehte und dann in die Kinos brachte, war hiermit auch ein Star geboren, der schon lange bei seinen Kollegen als Star galt, obwohl er quasi immer ‘ins Gras beißen musste’. Lee Marvin, der Mann mit dem unverwechselbaren Gesicht. Der Mann, der nicht nur Härte ausstrahlte, sondern der auch hart war.

Mir persönlich ist aber Parker nicht erst auf der Kinoleinwand begegnet, ich habe zuerst das Buch bzw. die Bücher über Parker gelesen, soweit ich sie überhaupt ab Mitte der 60er Jahre in die Hand bekam. Quasi als schicksalshaft zu bezeichnen war meine erste ‘Begegnung’ mit dem Autor Donald E. Westlake, denn beim stöbern in einer Buchhandlung fiel mir ein Titel (Das Gangstersyndikat) auf, der sehr spannend klang, auch vom Klappentext her, und diesen Titel habe ich dann geklaut. Oh ja, ich habe eine Menge Bücher in jungen Jahren geklaut, denn Geld zum Kaufen war in den Jahren von 1962 bis 1970 (wird irgendwann noch mal schriftlich aufgelöst, nur nicht heute in diesem Beitrag im FIWUS) bei mir ständig mehr als nur Mangelware. Bücher aber waren zu dieser Zeit sehr einfach zu klauen und sie waren für mich seit meinem 7. Lebensjahr so wichtig wie die Luft zum Atmen. Dass Westlake auch noch unter anderen Pseudonymen arbeitete, las ich dann bei einer Buchbesprechung von ihm in einer Zeitung und so folgte auf seinen echten Namen noch Richard Stark und dann auch Tucker Coe. Viele seiner Romane habe ich damals schon verschlungen und ich freue mich schon wieder, sie heute noch einmal zu lesen.

Heute, fast 50 Jahre nach meiner ersten ‘Bekanntschaft’ mit Donald E. Westlake, kann ich ihn wieder neu entdecken und bin immer noch fasziniert von seinen zum Teil mehr als schrägen ‘Figuren’. Eigentlich sind die Bücher von Westlake alle verfilmbar, nur folgen sie halt keinen bestimmten Moden, welche besonders in der Film-Industrie immer gesucht und gefordert werden, damit man auch die Einspiel-Ergebnisse besser kalkulieren kann.

Westlake´s Schreibstil war zu dieser Zeit schon einzigartig, noch nie zuvor hatte ich solch eine Lakonie in den einzelnen Sätzen gelesen und doch war alles auf den Punkt gesagt. Bei der Parker-Reihe hat er diesen Stil noch verfeinert und ich konnte gar nicht anders, als diesem Stil und damit auch der Phantasie des Autors zu verfallen. Wer solche Romanhelden erfindet, muss auch denken können wie sie. Gerade, wenn Abläufe so lakonisch auf den Buchseiten stehen, ist die Phantasie des Lesers besonders gefragt und noch mehr gefordert.

Jetzt wurde Parker zum ersten mal unter seinem echt-literarischen Namen verfilmt und ich bin schon mehr als gespannt auf das Ergebnis, da mit Jason Statham auch noch der richtige Schauspieler gefunden wurde, der diese Rolle rein äußerlich perfekt umsetzen könnte, wenn man ihn als Regisseur richtig führt. Ich persönlich muss noch bis Mai auf das Ergebnis warten und meine eigene Ungeduld auf diesen Film zügeln. Dass Buch und Film immer auf die eine und/oder andere Weise differieren, liegt einfach auch am Medium selbst. Bei mir persönlich läuft die Handlung eines Buches immer auch gleichzeitig als Film ab, denn meine 20 Jahre in dieser Branche lassen sich nicht einfach beiseite schieben. Natürlich bin ich auch oft genug enttäuscht worden von Ergebnissen, welche zum Teil unter aller Sau waren (Buch hervorragend, Film eine echte Zumutung; bestes Beispiel wird Reacher sein, mit Tom Cruise in der Hauptrolle), aber hier liegt es diesmal wohl am Autoren, welcher wohl den Hals nicht voll bekommen konnte, denn im Gegensatz zu Westlake lebt Lee Child noch. Trotz dieser offensichtlichen Geldgier seines Autors werde ich die Bücher von Child weiter lesen, denn schreiben kann der Kerl.