Geförderter Arbeitsplatz – Aufstocker

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Niemals gut genug…“Die Eingliederungsvereinbarung ist eine Sache zwischen dem Arbeitnehmer und dem Jobcenter. Dieses Arbeitsverhältnis ist an die Beschäftigungsförderung des Jobcenters gekoppelt. Ohne diese Förderung könnte er nicht beschäftigt werden.Ich glaube die Vereinbarung kann ohne Sorge unterschrieben werden.”
Das also war der Kommentar des Chefs zur EGV des Jobcenters.

Diese Sätze greife ich heraus, um sie zu beleuchten:

“Dieses Arbeitsverhältnis ist an die Beschäftigungsförderung des Jobcenters gekoppelt. Ohne diese Förderung könnte er nicht beschäftigt werden.” Unter Ziele in der Eingliederungsvereinbarung ist dann auch nur noch eben die Ausführung der geförderten Arbeit angegeben, und nichts weiter.
Was aber bedeuten diese Sätze für den Arbeitnehmer?:
Er wird nie gut genug sein, weil er nicht gut werden darf. Egal wie gut er in Wirklichkeit seine Arbeit auch verrichten mag – sogar überdurchschnittlich pünktlich und gewissenhaft – das wird sich nirgendwo niederschlagen. Wenn der Arbeitnehmer nämlich nachweislich gut wird in Bezug auf seine Arbeit, dann macht er ja Fortschritte und fällt also aus der Förderung heraus. Dafür – nämlich für dieses Herausfallen aus einer Förderung weil man gut ist – das eigentliche Ziel erreicht hat – gibt es nichts Vorgesehenes – weder beim Arbeitgeber, noch vom Jobcenter aus.
Das ist für den Arbeitnehmer frustrierend, aber erst einmal nicht zu ändern, wenn er in einem solchen Arbeitsverhältnis steht.

Dazu kommt aber, dass ein solches Arbeitsverhältnis geradezu eine Einladung an Chefs ist, die eine sadistische Ader haben. Mobbing und Bossing sind damit Tür und Tor geöffnet, und wir kennen Chefs, die das auch kräftig ausnutzen.
Der Inhalt zwischen Chef und Arbeitnehmer, oder dessen beauftragter Person ausgetauschter eMails wird vom Chef im Betrieb offen herumerzählt.
Der Chef erzählt den anderen Kollegen und Kolleginnen, dass die Arbeitsleistung des betroffenen Arbeitnehmers nicht in Ordnung – zu gering und unsauber – sei. Und das, nur um zu unterstreichen, dass ein solcher Arbeitnehmer eben nie genug leisten kann, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Denn, dieser Arbeitnehmer ist allgemein dafür bekannt, dass er pünktlich und zuverlässig und auch sauber arbeitet.

Das Bossing und Mobbing geschieht auch deshalb, weil sich dieser Arbeitnehmer nicht schweigend alles gefallen läßt, sondern aufmuckt, und auch schon mal auf nicht so angepasste Art und Weise darauf aufmerksam macht, was nicht in Ordnung ist.
Leider ist das der Betriebsleitung egal, bzw. da wo der Arbeitnehmer eventuell mal daneben liegt, wird nicht darauf eingegangen, sondern nur weiter gebosst. Es werden Anweisungen gegeben, die unnötig sind, weil schon erledigt,- oder eben welche, die auf üblichem Wege nicht so einfach zu erledigen sind, wie zum Beispiel: Zigarrettenkippen vollständig aus den Ritzen der Kopfsteinpflaster zu entfernen,- es sollen Sondereinsätze nicht bezahlt werden, weil der Arbeitnehmer angeblich Sollstunden hat,- und so weiter.
Den Betriebsrat kann man getrost vergessen, denn der ist auf Linie gebracht.

Nach langer Krankheit des Arbeitnehmers wird nicht langsam begonnen mit der Schwere, oder Dauer der Einsätze, sondern gleich volle Leistung abgefordert, obwohl ein ärztliches Attest vorliegt, das noch eine Weile Schonung fordert. Einige der Kollegen haben nur darauf gewartet, dass der betroffene Kollege wieder da ist, und haben sich entweder Urlaub genommen, oder selber krank gemeldet.
Einer der Kollegen drängte über gemeinsame Bekannte schon während der Krankheit des Betroffenen, dass er “vorwärts machen solle mit dem Gesundwerden, denn er selber sei auch mal dran”.
Und das, obwohl der Betroffene innerhalb 5 Jahren lediglich 2 mal krank war.

Und, es wird damit erpresst, dass dem betroffenen Arbeitnehmer ja jederzeit die Lebensgrundlagen entzogen werden können, wenn er nicht spurt. Die Arbeit verlieren, und dann noch gesperrt vom Jobcenter, oder sanktioniert. “Da könnt Ihr zusehen, wo Ihr bleibt”, sagt der Chef. Und er sagt auch, dass sie alle wohl anderswo keine Arbeit erhalten würden, denn: “”Zu viele Defizite, zu alt, zu behindert…”

Er aber, – der Chef,- fordert einen menschlichen und achtungsvollen Umgangston ihm selber gegenüber ein.
Es sind ja “nur” seine “Untergebenen”, und die sind nie gut genug.