Hurra – Fernseh-Bashing ist angesagt

Dass ein Philosoph keine Glotze braucht, kann ich mir schon gut vorstellen, er hat ja seine sogenannte Phantasie und sein Gehirn, um in dieser Phantasie sogar virtuell darin spazieren zu gehen. Ihm kommen die Ideen für seine Ergüsse, welche er dann unter den Lesern seiner Abhandlungen verbreiten kann. Viele dieser Philosophen sind sogar so menschenfreundlich, dies kostenlos zu tun. Aber ‘denken’ sie auch wirklich weit genug? Horizonte gibt es in der Virtualität keine, denn Horizonte sind ja Grenzen und die Philosophie ist bekanntlich grenzenlos. Oder etwa doch nicht?

Aber was ist mit der Phantasie? Die ist eigentlich grenzenlos, aber auch so weit gefasst, dass sie vielen Menschen auch Angst machen kann. Wenn solche Angst aber auch noch von Philosophen ‘befördert’ wird, muss man auch annehmen, dass Philosophen dazu neigen, vieles, wenn nicht gar alles, negativ zu sehen. Philosophen als andauernde Schwarzmaler? Schon wieder zu banal gedacht.

Der letzte Beitrag des Eifelphilosophen geht mir mal wieder tierisch auf den Keks. Wenigstens der Teil, der so vehement gegen das Medium Fernsehen und Film schießt.

Dass nicht alles glänzt, was dort so zusehen und zu hören ist, ist mir mehr als bekannt. Ich habe selbst 20 Jahre dazu beigetragen, dass die dort gezeigten ‘Realitäten’ oder auch Fiktionen von vielen Menschen gesehen werden. Jeder einzelne Tag war wie eine Wundertüte, niemand wusste in voraus, was solch ein Tag bringen wird und wie er so endet. Schon die Laune eines Regisseurs oder Redakteurs konnte dabei entscheiden, ob dieser Tag als besonders zu gelten hat oder aber auch, ob man denn überhaupt den richtigen Beruf gewählt hat.

Im deutschsprachigen Raum dürften so um die 250.000 Menschen (bitte sich nicht jetzt an Zahlen ‘aufhängen’, ich habe keine Ahnung, wie viele wirklich in der Branche arbeiten) in den einzelnen Teilbranchen der Filmwirtschaft arbeiten, eine mittlere Großstadt also. Ich persönlich schätze sogar noch mehr, aber es gibt einfach keine genauen Zahlen, da viele dieser Menschen als Freiberufler gelten und so statistisch schwer erfassbar sind. Film und Fernsehen unterscheiden sich nur marginal, da dass Endergebnis jeweils sein eigenes Publikum hat, andererseits zum Beispiel Kinofilme nach einer gewissen Zeit dann auch im Fernsehen laufen und ganz bestimmte Formate des Fernsehens niemals im Kino.

Von der Idee zum Treatment, zum Drehbuch ist schon eine Odyssee für sich und nicht selten wird ein Projekt einfach wieder verworfen oder auf die meist sehr lange Bank geschoben. Projekte gibt es jährlich unzählige, ein echtes Endergebnis als kompletter Film, egal in welcher Länge, gibt es aber nur relativ wenige. Das ist die Realität in der Kinofilmbranche.

Dass Fernsehen ist da schon etwas anders ‘gestrickt’, da es ja täglich ‘Futter’ braucht in den verschiedensten Formaten. Das kürzeste Format an sich nennt sich “Eins-Dreißig”, das sind die kurzen Zuspieler in den Nachrichten. “Und sind WIR noch so fleißig – es wird nur Eins-Dreißig” ist ein geflügeltes Wort in der Fernsehlandschaft. Solche Drehs können sich schon mal über sehr lange Stunden, aber sogar über Tage hin ziehen. Wie gesagt … Wundertüte! Am lukrativsten sind Interview-Drehs, welche mit Anfahrt, Aufbau der Gerätschaften und Dreh und anschließender Abfahrt nicht länger als eine Stunde dauern und man dafür doch für den ganzen Tag bezahlt bekommt. Doch diese sogenannten Traum-Drehs sind höchst selten im Jahr. Die meiste Zeit wird beim Fernsehen im aktuellen Bereich mit Warten vertan. Ob Fernsehen gut oder schlecht ‘gemacht’ wird in den einzelnen Sendungen, wird an Stellen entschieden, auf die der normale Film- und Fernsehschaffende keinerlei Einfluss hat. Er/sie erledigt in erster Linie seinen Job und dass fast immer mit einem Höchstmaß an Qualität der jeweiligen Tätigkeit. Jeder einzelne €uro ist mehr als hart verdient. Inhalte sind für uns ‘Handwerker’ erst einmal zweitrangig und wir denken darüber auch relativ selten nach.

Warten beim Kino- oder Spielfilm gibt es wohl auch, immer wieder in den unterschiedlichsten Sparten der Technik, aber dieses Warten erlaubt fast niemals auch nur eine Sekunde an Entspannung. Hier gilt Hochkonzentration, meist über mehr als zehn Stunden hinaus und selbst in der berühmten Mittagspause ist ein wirkliches Abschalten und Relaxen einfach nicht möglich, da jeder einzelne Beteiligte, ob Beleuchter oder Baubühne, ob Kamera oder Ton, das Drehbuch immer quasi vor Augen haben und so die nächste, kommende Einstellung schon mal im Kopf durch gehen. Und da sich die Abläufe trotzdem niemals gleichen, gibt es auch keine echte Routine.

Dies war jetzt nur ein knapper Ausschnitt aus dem Leben von Film- und Fernsehbeschäftigten, von Schwerstarbeitern, denn allein das Höchstmaß an Konzentration stündlich und täglich lässt einen Nine-to-Five-Job wie ein Ferienabenteuer mit viel Erholung aussehen. Nach meiner Meinung haben nur noch echte Handwerker auf dem Bau einen solchen Stress zu ertragen.

Es ist also für einen Außenstehenden wie einen Philosophen ganz besonders bequem, sich solche Meinungen, wie oben verlinkt, zu erlauben. Er oder sie alle gehen nur von dem Endergebnis aus und was es aussagt oder auch nicht. Film gut und/oder schlecht – Sendethema gut und/oder schlecht und/oder verfehlt. Daumen rauf oder runter, wie bei den Cäsaren. Gottseidank, für die Philosophen heute, die Arena ist nicht mehr zulässig. Die meisten hätten miserable Aussichten, diese zu überleben.

Jeder Film- und Fernsehschaffende ist ein Mensch und auch gleichzeitig ein Handwerker, der seinen Lebensunterhalt in seiner jeweiligen Sparte verdient und dadurch auch allen Respekt ‘verdient’ wie jeder Arbeiter und Angestellte in seinem jeweiligen Bereich der allgemeinen Wirtschaft.

Dies musste ich jetzt einfach mal deutlich machen auch für Außenstehende, auch wenn es eher aus Zorn über sehr viel Unkenntnis bei diesen geschah. Mir fällt bei dieser Gelegenheit noch ein, dass heutzutage im Fernsehen der Abspann meist der Werbung geopfert wird, die einzelnen Beteiligten an einer Produktion rasen nur noch über die Mattscheibe, als wären sie so absolut unwichtig wie nur irgend was. Ich persönlich empfinde solch eine Ignoranz einfach nur noch beschissen. Auch so was muss mal gesagt werden, auch wenn es keine Sau mehr interessiert. Und wer mir persönlich jetzt vor wirft, ich wäre eitel … oh ja, bin ich – nämlich mit recht.

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AlterKnacker

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Ein Mensch, der denkt und schreibt. Nicht immer lustig, aber das Leben ist ja auch kein Beliebtheitswettbewerb.

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