Arbeit muss attraktiv bleiben…

Die Bundesagentur für Arbeit warnt vor Erhöhung von Hartz IV. Arbeiten für Geld müsse attraktiv bleiben…

Soso. Und das in Zeiten, in denen der Verarmung sowieso fast keine Grenzen mehr gesetzt werden. Im Gegenteil, die Arbeitsagenturen sanktionieren gerne bis auf Null, zum Wohl der sogenannten Allgemeinheit und der eigenen Kasse – und das auch bei Menschen die arbeiten. Jawoll.

Und, es gibt noch eine unrühmliche Seite der sogenannten Arbeit. Nein, ich meine nicht die Zeitarbeit, auch nicht die schlichte Befristung. Es gibt da noch eine ganz andere Schikane, vorzugsweise mit Langzeitarbeitslosen – denn auf die läßt sich jegliche Schuld so schön abwälzen, und jeder fast glaubt es dann, was behauptet wird.

Diese Variante geht so: Es wird der unterste Tariflohn bezahlt, was in etwa einem Mindestlohn gleich kommt. Damit das den armen Arbeitgebern aber nicht zuviel wird, findet Förderung des Arbeitsplatzes statt. Ja, die Förderung bekommt der Arbeitgeber…
Damit es immer noch nicht zuviel wird, werden die zu arbeitenden Stunden begrenzt. Aus der Arbeitsstelle wird eine Teilzeitstelle…

Damit immer noch nicht genug, wird auch das ganze Arbeitsverhältnis per Vertrag ungewiss befristet. Wenn die Förderung wegfällt, ausläuft, abgeschafft wird – wie auch immer – hat der Arbeitgeber das Recht, fristlos zu kündigen.

Auszug aus einem – im Original – vorliegenden Arbeitsvertrag:

Auszug aus dem Arbeitsvertrag, nach den Bestimmungen des Gesetzes über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge – Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) – vom 21. 12. 2000 (BGBI.IS.1966)

Der Beschäftigte wird eingestellt:
Als Teilzeitbeschäftigter mit einer durchschnittlichen regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit von 25 Stunden für die Dauer der Bewilligung des Beschäftigungszuschusses nach § 16e, Absatz 6 SGB2.

Der Beschäftigte ist im Rahmen begründeter betrieblicher, dienstlicher Notwendigkeiten zur Leistung von Bereitschaftsdienst, Rufbereitschaft, Überstunden und Mehrarbeit verpflichtet.

Das Arbeitsverhältnis bestimmt sich nach dem Tarifvertrag öffentlicher Dienst (TVöD) und den diesen ergänzenden, ändernden oder ersetzenden Tarifverträgen in der für den Bereich der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) jeweils geltenden Fassung einschliesslich des Tarifvertrages zur Überleitung der Beschäftigten der kommunalen Arbeitgeber in den TVöD und zur Regelung des Übergangsrechts (§ 1. Abs.2 TVÜ-VKA). Ausserdem finden die im Bereich des Arbeitgebers jeweils geltenden sonstigen einschlägigen Tarifverträge Anwendung.

Das Arbeitsverhältnis endet mit dem Wegfall des Beschäftigungszuschusses. Tritt dieser Fall ein, wird es mit sofortiger Wirkung fristlos gekündigt.

Die Probezeit entfällt.

Der Beschäftigte ist in der Entgeltgruppe 1 eingruppiert.
(§ 17 TVÜ-VKA).

Sonstige Abreden sind unwirksam, wenn sie nicht schriftlich vereinbart werden.

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Damit immer noch nicht genug, versucht dann auch der Chef daran herumzuschrauben, indem er die Arbeitszeiten nach Belieben ändern will, usw.
Es wird versucht, dem Arbeiter nachzuweisen, dass er nicht richtig arbeitet – nicht genug, etc. Dann kann Geld abgezogen werden – anders ausgedrückt: Er arbeitet teilweise umsonst…

Das Wesentliche dabei ist aber die fristlose Befristung auf den X-Tag: Wenn die Förderung ausläuft, wird fristlos gekündigt. Vom Aufstocker fällt der Arbeiter wieder zurück auf nur Hartz IV, ohne auch nur den Hauch einer Chance auf eine Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis gehabt zu haben.
Und, dann wird wieder behauptet, der Arbeiter sei wieder mal zu untüchtig, zu faul, oder was auch immer, gewesen…

“Die Langzeitarbeitslosen packen es einfach nicht”, heisst es dann wieder.
Stimmt nicht in jedem Fall, wie diese Art von Arbeitsverträgen beweisen.

Es ist sogar so, dass jene Menschen, die wirklich und tatsächlich arbeiten, bestraft, mundtot gemacht und hinausgeworfen werden, ganenauso wie die, welche aufmucken, oder zu frustriert sind.

“Arbeit muss attraktiv bleiben” bedeutet, dass nach wie vor irgendwie und verstärkt die Arbeitgeber die “armen Schweine” sind, die gefördert werden müssen, während die Arbeiter die angeblich gepuscht werden müssen, nur gefordert werden, und das ist milde ausgedrückt.

Die Gewerkschaften kennen diese Verträge…

Es bleibt dabei, dass auch dies Zwangsarbeit ist, die mit den Mitteln der Erpressung – mit dem Poker um die Leben der Beetroffenen – durchgesetzt werden.

Und da stellt sich dieser Herr Alt von der Bundesagentur kaltschnäuzig hin, und faselt davon, dass Arbeit attraktiv bleiben müsse. Von den Verhältnissen, die seine Agentur fördert, redet er nicht, warum auch?
Diese betreffen ja nicht ihn persönlich.
Hauptsache, diese sind so, dass sich ein praktischer Sündenbock ergibt, dem man anlasten kann, wenn die nächste Arbeitslosenwelle ansteht…

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/alt-kein-volk-von-transferempfaengern-bundesagentur-fuer-arbeit-warnt-vor-hoeherem-hartz-iv-satz-11968149-l1.html