Sozial-Kill … und seine tödlichen Begleiterscheinungen

Tödliche Attacken im Job-Center (Bild-Zeitungsniveau?). Immer wieder auch eine Erinnerung an einen deutschen Film: “Die Verrohung des Franz Blum”, obwohl der Film nur auf den ersten Blick nichts mit der Hartz-Gesetzgebung zu tun hat, dafür aber mit der gesellschaftlichen Verrohung von Menschen, die einer Gewalt ausgesetzt sind. Diese Gewalt übt der Staat aus durch die Hartz-Gesetze und sie lässt sich auch durch politische Dementis nicht mehr weg diskutieren. Selbst so ein völlig perverser Tod wie der des Jonny K. in Berlin ist dieser gesellschaftlichen Verrohung geschuldet. Keine Entschuldigung, sondern einfach eine Tatsache. Andere können so etwas noch viel besser beschreiben.

Jetzt werden WIR solche Nachrichten immer öfters lesen, hören und sehen. Acht Jahre Hartz IV haben es geschafft, aus einer deutschen Solidargemeinschaft ein Volk ‘jeder gegen jeden’ zu etablieren. Gut genug für Schlagzeilen in der Springerpresse, die anderen Medien berichten fast nur noch sporadisch bei besonders schlimmen Vorkommnissen und dann auch nur im News-Ticker-Format. Gewalt alltäglich stumpft ab. Nur wenige Aktion glauben noch bei ihren Versuchen von Veränderungen an einen Erfolg. Hier die Thesen (können auch von hier als PDF-Datei runtergeladen werden).

Da kommt natürlich auch beim Schreiben solcher Beiträge schnell die Frage auf, wie dieser derzeitige Zustand sich wieder zum Besseren verändern lässt und der Autor sitzt erst einmal völlig hilflos vor seinem Computer. Allein die Aufzählung bringt da keine Veränderungen zum Vorschein. Aber persönliche Erinnerungen können möglicherweise doch Wege aus diesem Dilemma aufzeigen. Jeder Beitrag im FIWUS zu Hartz IV und seinen Begleiterscheinungen ist auch ein Aufruf zur Elimination dieser perversen Gesetze.

Acht Jahre Hartz IV haben aber auch gereicht, die Betroffenen in die Resignation zu treiben. Von der Angst der sogenannten Mittelschicht vor Hartz IV mal ganz zu schweigen. Die ersten vierzig Jahre dieser Republik waren ganz dem Aufbau eines Staates in Solidarität gewidmet und erst der Zusammenbruch des sogenannten Sozialismus sowjetischer Prägung hat dann dem Raubtierkapitalismus Tür und Tor geöffnet. Aber auch der menschenverachtenden Gewalt. Die absolute und äußerste Brutalität, mit der die wirtschaftlichen und natürlichen Ressourcen von einer kriminellen Clique in der ehemaligen Sowjetunion ‘übernommen’ wurde, spricht eine ganz eigene Sprache und war dann sehr schnell ein ‘sogenanntes Vorbild’ auch für andere Gewalttäter, wobei die Herrschaften in den Maßanzügen dafür ihre willfährigen Handlanger aus ehemaligen sogenannten Geheimdiensten schon für ganz kleines Handgeld billig rekrutieren konnten. Dumpfe gehirnamputierte Killer denken fast niemals nach, lassen sich aber wie Tanzbären am Nasenring immer in die sogenannte Arena schicken. Die sogenannte endgültige ‘Lösung’ durch Handfeuerwaffen sieht man immer ‘besonders gern’ in bestimmten Actionfilmen und auch die sogenannten ‘Guten’ lassen sich zu dieser Endgültigkeit leicht überreden. Überhaupt scheinen solche ‘endgültigen’ Lösungen ein probates Mittel in Gesellschaften zu sein, welche keine wirklich menschlichen Werte mehr ihr eigen nennen. Menschlichkeit erfordert Empathie.

Der Terrorismus der 70er und 80er Jahre war, verglichen mit heute, nur ein laues Lüftchen und manchmal auch mit ganz bestimmten politischen Konstellationen wenigstens halbwegs erklärbar. Aber niemals entschuldbar, denn Gewalt ist dies für mich niemals. Wer die Bilder von damals heute sieht, meist als nostalgische Aufbereitung im TV, wird schnell und objektiv erkennen, dass die Gewaltbereitschaft oft genug nicht zuerst von den Demonstranten dieser Zeit ausging, aber dann umso heftiger erwidert wurde. Aktion und Reaktion. Der Terror kam ja erst später durch die RAF und ähnliche Gruppierungen. Nach dem ‘Genuss’ der Filmadaption über “Carlos”, den Terroristen dieser Zeit (übrigens rein technisch ein ziemlich schlechter Film, kameratechnisch, aber mit zum Teil hervorragenden psychologischen Einsichten) sind mir so einige Gedanken durch den Kopf gegangen, warum ich persönlich mich niemals dazu hinreißen lassen konnte, mich diesem Irrsinn selbst anzuschließen. Waffen übten ja selbst bei mir eine besondere Faszination aus und schießen kann ich selbst ganz gut. Auch war ich natürlich in der damaligen Zeit durch die waffenverseuchten Filme aus Hollywood ‘hervorragend’ geprägt und mit meiner Wut im Bauch besonders ‘geeignet’.

Die einzige Erklärung, welche ich für mich persönlich finden kann, ist schlicht die Tatsache, dass ich Gewalt ganz einfach erst mal grundsätzlich ablehne, schon weil ich sie schon in sehr jungen Jahren ständig erfahren habe und zu der Überzeugung kam, dass Gewalt niemals Veränderungen bewirkt, wenigstens nicht über einen langen Zeitraum. Mein Denken stand mir also immer im Weg, wenn ich wieder mal besonders gewalttätige Phantasien entwickelte.

Zehn Jahre hat bei mir diese Findungsphase gedauert (1965 bis 1975), aber schon 1970 war für mich ganz klar, dass nur ich selbst diese Veränderungen, welchen dann stattfanden, in der Hand hatte. Ich habe sie genutzt. Nicht immer optimal, aber mit viel Arbeit und auch blauen Flecken, die aber wieder ‘verheilten’. 42 Jahre ist dies jetzt alles her und ich habe es keinen Tag bereut, auch wenn solche Rückblicke immer auch etwas schmerzliches haben, denn in Bezug zur heutigen Zeit scheinen sich bestimmte Dinge nicht gerade zum Besseren verändert zu haben, besonders in der Politik und der Gesellschaft. Eine dieser Erkenntnisse ist die Tatsache, dass Menschen, die einen hohen sozialen Anspruch sehr öffentlich vor sich hertragen, meist die größten Blender vor dem Herrn sind und UNS doch immer wieder vorführen und täuschen.

Bestimmte Ereignisse sollte man mehr als persönlich nehmen

Noch vier Tage bis zu ‘meinem’ großen Ereignis. Meiner Mutter zum Beispiel war dieser Tag nicht vergönnt. Sie starb nur Wochen vor ihrem 60. Geburtstag. Ich habe sie also schon mal um mindestens fünf Jahre überlebt. Sie war für die sogenannte Gemeinschaft sehr solidarisch, ich bin es nicht. Mich muss man schon erschlagen. Gerade die letzten 20 Jahre haben mir gezeigt, dass etwas in diesem Land mehr als schief läuft.

Wer derzeit das Alter von 65 erreicht hat, kann sich nicht sicher sein, ab jetzt seinen sogenannten Ruhestand zu genießen, wenn er/sie nicht schon von Haus aus die Privilegien genoss, immer einen fest Arbeitsplatz gehabt zu haben und somit auch in schöner Regelmäßigkeit in die staatliche Rente eingezahlt zu haben. Ich gehörte noch nie zu dieser Gruppe.

Mein sogenanntes Erwerbsleben war immer auch mit Unterbrechungen verbunden, als Freiberufler einfach eine Normalität. Wenn Arbeit da war, war sie auch meist damit verbunden, die doppelte Anzahl von Stunden zu malochen als die meisten sogenannten Festangestellten. Aber beschweren war schon deshalb nicht drin, denn WIR Freelancer wollten es auch gar nicht anders. Die Arbeitsdisziplin wurde eigentlich nie in Frage gestellt, auch wenn es mal wieder so manches Gefluche über bestimmte Situationen gab, aber die waren eher die Ausnahme, als die Regel. Trotz dieser Ausnahmen waren wir privilegiert. Und um UNSERE Gesundheit brauchten wir uns auch nur selten Sorgen zu machen , drei Wochen an einer Folge “Der Alte” zu arbeiten war Bewegung und Fitness genug.

Als ich Mitte der 70er Jahre in die Filmproduktion ging, zuerst natürlich als Assistent, konnten wir sogenannten Freien uns zwischen den einzelnen Produktionen noch arbeitslos melden, selbst wenn es meist nur für eine Woche war. Von einem Tag auf den anderen wurde dies 1978 vom Gesetzgeber geändert und unterbunden. Perfide ‘Gewalt’ der anderen Art. Die hier ausgeübte Gewalt durch die Gesetzgebungsfeder ist in manchen Fällen noch perfider, da sie oft genug zuerst einmal von den Betroffenen gar nicht bemerkt werden.

Immer wieder frage ich mich natürlich, ob diese sogenannte ‘Gewalt des Staates’ anders zu bewerten ist, als die direkte Gewalt durch Waffen und Fäuste, denn immer wieder ist beides gleich wirksam. Die ständige ‘Gewalt durch den Staat’ hat die gleiche Wirkung, wie die Faustschläge und/oder die Kugeln von Waffen.