Gastbeitrag – Oberham und die Toleranz

Toleranz und Weltoffenheit?

Veröffentlicht am September 20, 2012by oberham

…. kann sich manchmal auch ganz schlicht im persönlichen Verzicht offenbaren.

Einige mögen die Leute von Hebdo als besonders mutige Kämpfer für die Meinungsfreiheit und den Kampf gegen die dumpfe und düstere Macht der Dogmen sehen, ich kann Ihnen kaum widersprechen.

Nur, es gibt Momente, da wäre es wohl einfach besser abzuwägen, mit diesen Veröffentlichungen tut man keiner Sache einen Gefallen, außer gerade jenen Mächten, die man doch eigentlich bekämpfen möchte.

Oder sind letztlich die vermeintlich toleranten und weltoffenen Kämpfer für die Freiheit des Geistes auch nur verbrämte Anhänger einer Ideologie der Intoleranz – nämlich jener, die für den Einzelnen ein jedes Recht einfordert, egal wie viele darunter auch leiden müssen.

Der Liberalismus ist eine wundervolle Angelegenheit, vor allem für jene, die davon profitieren!

Diese Damen und Herren sollten sich besinnen, sie sollten sich einmal den kategorischen Imperativ zu Herzen nehmen, sie können gerne ihr Leben in die Waagschale legen, nur im Grunde sind die Leute genauso arme Seelen wie die Human-Bombs, die sich auf Marktplätzen unter Menschen zerfetzen.

Einzig, sie tragen ihre Bombe nicht am Körper und sie werden von unseren Gardisten bewacht, auf dass kein verblendeter Extremist der anderen Seite ihn aus diesem ach so wichtigem Leben reißt.

Die Fundamentalisten, welche einen Glauben als Transportmedium ihrer Unterdrückungsphantasien, ihrer Menschenverachtung und ihrer grenzenlosen Eitelkeit nutzen, sie werden nun wieder naive Menschen ins Verderben hetzen, sie zu wandelnden Hassobjekten formen, die Tod über sich und beliebige, hilflose Passanten bringen.

Anders, als etwa die Flugblätter der Weißen Rose, ist es nicht ein letzter verzweifelter Ruf nach Würde und Aufrichtigkeit in einer verfluchten Welt, die da den Wahnsinn anklagt, wohlwissend, man wird dafür wohl sterben – hier ist der eigene Tod nur eine vage Option, man exponiert sich hinter einem Wall von Panzern, als aufrechter Kämpfer für die eherne Sache!

Ich beziehe mich hier ausschließlich auf die Leute von Hebdo – eventuell Titanic – falls die nachziehen – Leute die ich gerne verfolge, die mich oft zum Lachen bringen (die Hebdo Karikatur auf dem Titel finde ich absolut treffend, im Innenteil wird es wieder tiefgründig derb – aber einfach – meiner Meinung nach zu allgemein) – dieses Video – es ist einfach nur ein Trash-Splatter – absolut lächerlich – noch ein Grund, warum ich diese Art der Solidarisierung nicht verstehe – denn letztlich – egal wie man sich abgrenzt, ist es immer leicht als solche auszulegen.

Wir alle können die offene Gesellschaft formen, dass werden aber kaum bissige Satire und selbstgerechte Kritik einer saturierten Klicke schaffen.

Wir sollten uns lieber selber mehr auf die Schippe nehmen – nicht dort provozieren, wo wir das Gegenteil von dem, was man erreichen möchte, erreicht – nun – die Produzenten des Videos – die haben wohl Grund zur Häme.

Oder sind die Leute von Hebdo am Ende auch froh, wenn sich die Menschen in Regionen, wo der Islam ein Rolle spielt, gegenseitig erschlagen?

Wäre ich ein hungernder Paria, ein Taglöhner, der im Glauben seinen einzigen Lebenssinn findet, wer weiß, vielleicht würde mich dieser Spott jetzt motivieren meine letzten Tage im Dienste des Hasses zu verleben.

Man rekrutiert mich, schnallt mir das Bömbchen um den Bauch und ich setze mich damit in eine U-Bahn in Paris.

In meinem Kopf Allah – und – jetzt spucke ich zurück!

Würden wir beispielsweise nicht die Reichen auffordern, unsere Haushalte zu sanieren, sondern ihren Reichtum in die ärmsten Regionen der Erde zu schaffen, um dort das Elend endlich zu besiegen, dann gäbe es wohl bald keine Glaubenssklaven mehr, keine Selbstmordattentäter, keine Hassprediger, keine Mohammed-Karikaturen – da Mohammed oder Christus oder Gott nichts weiter wäre als ein sinngebendes Symbol, sich auf dieser Welt den andern Menschen gegenüber tolerant und weltoffen zu verhalten.

Ganz simpel – globaler Mindestlohn für alle Menschen – die UNO Menschenrechtskonvention wird mit GEWALT gegen die Kapitalisten durchgesetzt.

Despoten landen unisono vor dem Haager Tribunal!

Absolut lächerlich und naiv – wie wahr!

Tatsächlich holen sich unsere Eliten aber noch bei den ärmsten Menschen den Schuldcent, sie beuten aus, sie pressen heraus, die Renditen aus den Körpern der Menschen.

Der Ekel wabert unter der Fassade unserer ach so weltoffenen, liberalen Gesellschaft, die Eiterpickel mögen auch jene sein, die im Namen des Islam Hass säen, letztlich sind es jedoch die gleichen glibberigen Gedanken, die hinter diesen Machenschaften stehen.

Eine kleine Gruppe von Leuten sucht gezielt den persönlichen Vorteil.

Warum scheitert der arabische Frühling wohl?

In Syrien dürften die aufrechten Idealisten für Freiheit und Offenheit längst im MG-Feuer der Saddam-Treuen gefallen sein – langsam kriechen die neuen Herrscher aus ihren geschützten Ritzen und übernehmen mit der gleichen Überheblichkeit das Zepter, die Menschen werden jubeln und sich wundern, warum letztlich wieder alles bleibt, wie es war.

Hebdo sollte mit Karikaturen über den Euro, den Landraub, die Investoren, die Banker täglich aufmachen, täglich bissiger und giftiger werdend, sie sollten wenn schon Mohammed, dann im Bunde mit Blankfein, im Bunde mit jenen die ihre benutzen ihre Kunst wirken lassen – perfide Lächerlichkeit ist es nicht die hilft –

So wahr Titanic den Papst auch getitelt hat, so grob die katholische Klitsche auch sein mag, wahre Satire bringt es auf den Punkt – aber subtiler und auch witziger – die Inkontinenz des Geistes ließe sich wahrlich besser persiflieren.

Leider kann ich nur Strichmännchen zeichnen, nur wenn schon Fäkalie, dann habe ich dieses Bild im Kopf:

Papst sitzt im Vatikan auf seinem Thron, unter seinen grotesken Kleidern ist erkennbar, dass es sich um einen Toilettenstuhl handelt.

Die perverse Elite der Welt steht Schlange – zur Audienz – sie lecken den Ring an seiner Hand und kriechen der Reihe nach in eine Grube unter dem alten Tattergreis – daneben steht ein Kardinal – als Vertreter der Banco Ambrosiano – er verkauft an die Gilde Zeittickets – ein Blankfein sehr ähnlich sehender Zwerg verhandelt mit ihm:

“Was wenn nichts kommt?” – Antwort: “Das ist ihr Marktrisiko, sie dürfen sich jederzeit wieder hinten anstellen!”

Den Rest mag sich hier jeder selber vorstellen.

Man bedenke immer – letztlich ist es die Gier nach Scheisse, die den Zustand unserer Welt beschreibt!

Kein Glaube fordert Unterdrückung und Gewalt, nimmt man sich die richtigen Dogmen –

nimmt man sich die falschen, kann man jeden Glauben zum Grund für Massenmord missbrauchen.

Leider lehrt uns die Geschichte, der Mensch liebt es, die letztere Variante auszuwählen.

Nun – dies ist meine Meinung – ich bin mir sicher, in den Redaktionen wurde heftig über die Veröffentlichung diskutiert – schade, dass man sich nun so entschlossen hat.

Quelle